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Lockerungsschritt nach LockdownSo ist Zürich in die neue Corona-Phase gestartet

Die Kinder strömen in die Schulhäuser, die Gastrobetriebe und Läden öffnen, der ÖV läuft wieder auf Hochtouren: Wir berichten über die grosse Lockerung im Raum Zürich.

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Ansturm bleibt aus – ausser vor Luxusboutiquen

Beim neusten Lockerungsschritt der Covid-Massnahmen am Montag ist in Zürich der ganz grosse Ansturm auf Restaurants, Läden und Fitnesscenter ausgeblieben.

Auffallend lang waren hingegen die Warteschlangen vor Luxusboutiquen in der Zürcher Bahnhofstrasse. Eine halbe Stunde habe sie gewartet, berichtete eine Kundin vor dem Louis-Vuitton-Geschäft. Dass in Zürich nur Stunden nach der Lockdown-Lockerung Kunden bereits für Luxus-Artikel Schlange standen, sorgte in den sozialen Medien für spöttische Kommentare.

Der Montag, 11. Mai, des Corona-Jahrs 2020 steht für den bisher grössten Schritt zurück zur Normalität nach dem Lockdown vom 16. März.

Der «Tages-Anzeiger» war dabei als Primar- und Sekundarschulhäuser wieder ihre Türen für die Schülerinnen und Schüler öffneten. So erlebte die 15-jährige Linda den Schulstart: «Die Zeit zu Hause war keine, an die ich mich gewöhnt hätte.»

Auch die Gastrobetriebe dürfen wieder öffnen, allerdings unter Auflagen. So sind an einem Tisch nur vier Personen erlaubt oder die Eltern mit ihren Kindern. Der Besuch im Zürcher Traditionslokal Zeughauskeller zeigte: Es herrschte eine Stimmung wie im Wartesaal.

Nach den Baumärkten und Gartencenter gingen auch alle anderen Einkaufsläden wieder auf. Vor der Türöffnung der IKEA in Spreitenbach bildete sich eine 200 Meter lange Warteschlange. Aber nach 9 Uhr wurde fast ganz normal eingekauft.

Sport-Trainings sind in Kleingruppen von maximal fünf Personen wieder erlaubt, wenn sie ohne Körperkontakt möglich sind. Das gilt für den Breitensport. Auch Fitnesscenter dürfen ihre Dienste wieder anbieten. Im Kieser-Krafttrainingsstudio vermutete der Filialleiter: «Viele Banker und Versicherungsleute, die sonst jeweils am frühen Morgen hier trainieren, sind wohl noch immer im Homeoffice.» (zac)

Endlich wieder Pumpen – mit Einschränkungen

mth

Erstmals nach fast zweimonatiger Abstinenz konnten Kunden am Montagmorgen im Kieser Krafttrainingsstudio am Zürcher Talacker wieder ihre Muskeln stählen. Wegen der 2-Meter-Abstandsregel dürfen neu nur noch maximal 30 Personen gemeinsam in dem Kieser-Studio trainieren.

In der Herren-Garderobe sind nur noch acht Gardeobenkästchen geöffnet, die Duschen sind ganz gesperrt. Fürs Training wird eine Voranmeldung per Telefon oder über ein Web-Buchungssystem empfohlen. Spontane Besuche sind aber weiter möglich. Beim Eintritt ins Studio müssen Kunden auf einem Formular angeben, ob sie gesund sind und ob sie zur Risikogruppe gehören. Eine Maskenpflicht besteht nicht.

mth

Rund die Hälfte der Fitness-Geräte ist abgesperrt, überall stehen Desinfektionsmittel bereit, um die Handgriffe nach dem Gebrauch zu reinigen. Am Montagmorgen ist der grosse Ansturm im Kieser-Studio in der City vorerst ausgeblieben, wie Filialleiter Roger Vock sagt: «Die Banker und Versicherungsleute, die sonst jeweils am Morgen trainieren, haben wohl immer noch Homeoffice.» Laut Patrik Meier, COO von Kieser Training, ist damit zu rechnen, dass die Kunden 12 bis 15 Monate mit diesen Einschränkungen leben müssen. (mth)

Patrik Meier rechnet mit Einschränkungen während 12 bis 15 Monaten.
Patrik Meier rechnet mit Einschränkungen während 12 bis 15 Monaten.
Anna-Tia Buss

Über 20 Ordnungsbussen zu Schulbeginn

Zwei Monate sind die Zürcher Schülerinnen und Schüler nicht mehr zur Schule gelaufen. 150 Polizisten haben darum neuralgische Punkte auf Schulwegen überwacht. Fazit: Über 20 Bussen wurden an Autofahrerinnen und Autofahrer ausgestellt.


Zur Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an den obligatorischen Schulen überwachten die Kantonspolizei Zürich sowie die kommunalen Polizeikorps die Schulwege und den Bereich von Schulen, wie die Kantonspolizei mitteilte.

Die Polizisten instruierten sie Schülerinnen und Schüler bei gefährlichem Verhalten. In rund zwanzig Fällen mussten Ordnungsbussen verhängt werden. Nicht an die Kinder, dafür an die Autofahrerinnen und Autofahrer. Bussen gab es unter anderem wegen Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit oder wegen Widerhandlung gegen die Sicherheitsgurten-Tragpflicht.
(sda)

Ein halber Zeughauskeller

Zeughauskeller: Das Traditionsrestaurant, das normalerweise pumpenvoll ist über Mittag, ist halb leer, weil nur jeder zweite Tisch besetzt werden darf. Ein Stammgast sagt, er fühle sich «wie in einem Wartesaal». Um 13 Uhr leert sich das Lokal schon wieder. Den ausführlichen Bericht zum Restaurantbesuch lesen Sie hier. (leu)

Sabina Bobst

Plastikglocke über dem Menu

Im Bubbles beim Stauffacher herrscht um 12 Uhr noch kein Ansturm. Die Gäste sitzen hinter Milchglasscheiben an Zweier- oder Vierertischen. Die Gäste können freiwillig ihre Kontaktdaten aufschreiben – «um die Welle zu unterbrechen», wie die Bedienung sagt.

Die Menüs kommen mit einer Plastikglocke überdeckt an den Tisch. Das Brot zum Essen wird einzeln an den Tisch gebracht. Wer Salz oder Pfeffer möchte, muss danach verlangen. «Wir dürfen es nicht auf den Tischen stehen lassen», sagt die Bedienung, die eine Gesichtsmaske trägt.

zac

Die Gäste – viele davon Stammgäste, die sich freuen wieder in ihr Lokal zu kommen – nehmen die neuen Umstände mit einem Lachen hin. Es herrscht bei allen eine erleichterte, aufgeräumte Stimmung im Lokal. (zac)

Der Himmel auf Erden ist in Spreitenbach

Andrea Zahler

«Bin ich schon im Himmel?», hat die Frau mittleren Alters in Röhrlijeans und weissen Turnschuhen eben ihren Freundinnen gesimselt. Sie ist im Shoppi Tivoli in Spreitenbach am Flanieren. «Ich brauche nichts, ich kaufe nichts», sagt sie weiter. Aber es sei ein herrliches Gefühl, wieder durch Kleiderläden zu streifen.

Im flächenmässig grössten Einkaufszentrum der Schweiz ist es jetzt, kurz vor Mittag, noch nicht sehr hektisch. Nazli Deniz, Filialleiterin von PKZ, steht vor ihrem Geschäft und schaut den Kundinnen nach, die vorbei schlendern. Eine Mutter versucht ihrer kleinen Tochter eine Maske überzuziehen. Fortan läuft das Mädchen blind an der Hand ihrer Mutter durch die Mall, denn die Maske bedeckt nicht nur Mund und Nase, sondern auch die Augen.

Andrea Zahler

Während der letzten Woche waren in diesem Einkaufszentrum von 150 Shops und Restaurants nicht einmal zehn Prozent geöffnet. Die Besucherfrequenz lag laut Marketing-Leiter Kevin Zimmerli bei durchschnittlich zwanzig Prozent im Vergleich zu den Vorjahreswerten.

Die letzten zwei Wochen haben Nazli Deniz und ihre Mitarbeiterinnen das Kleidergeschäft auf Corona-Regeln eingestellt. Mit viel Elan und Vorfreude auf den heutigen Tag. Wie halten Sie es mit dem Kleider anprobieren? «Wenn eine Kundin das möchte, ist das möglich. Das kann jede für sich entscheiden.» Grundsätzlich halte man Masken und Handschuhe bereit.

Im Manor-Café sitzt ein älterer Mann vor Kaffee und Gipfeli und sieht etwas verloren aus. «Früher», also vor Corona, sei er oft hier gesessen. «Schön, dass das jetzt wieder geht. Nur die Zeitung fehlt mir.» Tatsächlich ist es im Moment noch verboten, dass Restaurants Zeitungen oder Zeitschriften auflegen. So sitzt der ältere Herr eben da und schaut dem Treiben zu. «Auch ganz interessant», findet er.

Andrea Zahler

Interessant ist zum Beispiel die Szene nebenan. Zwei junge Frauen und eine Verkäuferin stehen vor Schubladen und Gestellen voller Lippenstifte und Lidschatten. Die Verkäuferin trägt eine Maske, den Kundinnen zuckt es sichtbar in den Fingern, denn sie möchten diesen Stift und jene Tube rausziehen, begutachten… was man eben so tut beim Shoppen von Kosmetikartikeln. Aber Hände weg. «Die ersten drei Wochen dürfen Kundinnen und Kunden nichts anfassen», erklärt die Verkäuferin. Manche Gestelle sind gar mit Klarsichtfolie überzogen. Wir sind also doch noch nicht ganz im Shoppinghimmel angelangt. (net)

Andrea Zahler

Trillerpfeife statt Pausenglocke

Die Pause verbringen die Schülerinnen und Schüler des Schulhauses Im Birch gestaffelt in Kleingruppen auf ihnen zugewiesenen Pausenplatzbereichen.

Tanz auf dem Pingpong-Tisch: Die Mittelstüflerinnen freuen sich, wieder beisammen zu sein.
Tanz auf dem Pingpong-Tisch: Die Mittelstüflerinnen freuen sich, wieder beisammen zu sein.
Sabina Bobst

Lehrpersonen kontrollieren, dass sie sich an die Regeln halten. Auch, dass sie den Znüni nicht teilen. «Die Kinder halten sich erstaunlich gut daran», sagt Schullleiterin Regina Haller. Nach einigen Minuten ertönen zwei Pfiffe einer Trillerpfeife. Sie signalisieren das Pausenende – die Pausenglocke ist noch immer abgestellt.

Wie die 15-jährige Linda den ersten Schultag nach dem Lockdown erlebt hat, lesen sie hier.(ema)

Erster Tag in der «Schule mit Vorsicht»
In der Schule Hutten in Zürich findet der Einlass gestaffelt statt. Die Schüler werden in Halblklassen unterrichtet, wo ihnen immer wieder die Abstandregel in Erinnerung gerufen wird.
Keystone-SDA

Der vermisste Luxus

Während in vielen Läden das Kundenaufkommen am Montag noch eher verhalten blieb, bildeten sich vor den beiden Luxus-Modeläden Gucci und Louis Vuitton in der Zürcher City schon kurz nach Ladenöffnung Warteschlangen - offenbar hatten viele dem Kauf von Kleidern und Taschen der beiden Labels bereits seit Tagen entgegengefiebert.

Eine gute halbe Stunde habe sie gewartet, berichtete eine Kundin vor dem Louis-Vuitton-Geschäft an der Bahnhofstrasse. Erst dann wurde sie in den Laden gelassen, um die begehrte neue Tasche kaufen zu können. Der Mann hinter ihr in der Warteschlange hatte ebenfalls wegen einer Tasche des Luxuslabels eine halbe Stunde ausgeharrt: «Ein Geschenk für meinen Bruder, sonst hätte ich mir das wohl nicht angetan», meinte er.

Auch vor dem Gucci Store in der Poststrasse warteten Kunden nach eigenen Angaben rund eine halbe Stunde, bis sie in den Laden konnten.

Dass in Zürich nur Stunden nach der Lockdown-Lockerung Kunden bereits für Luxus-Artikel Schlange standen, sorgte in den sozialen Medien für spöttische Kommentare. «First things first», schrieb ein Twitter-User unter ein Foto mit der langen Warteschlange vor dem Louis Vuitton. «Jetzt zeigt sich, was die Menschen wirklich vermisst haben», twitterte ein anderer.

Ob die beiden Zürcher Fillialen vom Ansturm überrascht wurden und wie sich dieser zahlenmässig niederschlug, war bei Gucci und Louis Vuitton bis am Montagabend nicht zu erfahren.
(mth)

kbr

Mehr Menschen als vor dem H&M: Vor dem Gucci-Laden beim Paradeplatz steht eine Schlange von 15 Menschen, die gern viel für Kleider mit grossem Logo bezahlen. (kbr)

kbr

Eine neue Tasche gefällig?

Grosse Gefühle im Café Odeon

Erste-Welt-Problemchen: Das erste Mal wieder Kaffee, Gipfeli und Zeitunglesen im Café. Es fühlt sich grossartig an. Vor dem Café Odeon beim Bellevue haben sie nach draussen gestuhlt. Die Tischchen stehen weiter auseinander. Nach jedem Gast werden sie mit Desinfektionsmittel gereinigt. Drinnen, im Eingang, steht eine grosse Weinkiste, die zur Desinfektionsmittel-Säule umfunktioniert worden ist. Mobile Wände aus getöntem Glas, das in einen Messingrahmen gefasst ist, trennen die Tische ab. Sie fügen sich prima ins 1911 eröffnete Kaffeehaus mit den Kronleuchtern und rötlichen Marmorwänden ein.

kbr

Online konnte man am Vorabend (oder auch später) einen Platz reservieren, es funktionierte ganz einfach, drei, vier Mal mit dem Finger übers Smartphone streichen. Nötig gewesen wäre die Reservation nicht. Gegen zehn Uhr sitzt nur eine Handvoll Leute im Café. Sie gönnen sich ihre erste Kaffee- und Zeitungsinfusion.

«Noch ist keine Bombe eingeschlagen», sagt Jürgen Schlatzer trocken. Der Geschäftsführer des Odeon denkt daran, die gelockerten Bewilligungspflicht der Stadt Zürich auszunutzen, wonach Restaurants grosszügiger Tische im Freien aufstellen dürfen. Dennoch, sagt Schlatzer, könne man wegen der Covid-19-Schutzregeln kaum die Hälfte der eigentlichen Kapazität ausschöpfen. Die 18 Angestellten sind teilweise noch in Kurzarbeit. Schlatzer gibt sich zuversichtlich: «Die Öffnung war sicher nicht umsonst. Sobald das Wetter schön ist, kommen die Leute.»

«I hobs ja nitt erfundn»: Jürgen Schlatzer im Gespräch mit einer Serviceangestellten.
«I hobs ja nitt erfundn»: Jürgen Schlatzer im Gespräch mit einer Serviceangestellten.
kbr

Schlatzer, ein Steirer, erzählt in seiner schnellen Sprache, dass er schon unangenehme E-Mails von Stammgästen erhalten habe. Sie schrieben, wenn man im Odeon tatsächlich die Corona-Schutzregeln einhalte, wenn man sich also nicht mehr an den üblichen Ort an der Bar setzen dürfe (laut Schutzregeln verboten), dann würde man die Stammkundschaft annullieren.

«I hobs ja nitt erfundn», sagt Schlatzer und zuckt mit den Schultern. «Zuzubleiben ist keine Option, denn es würde nicht zum Unternehmen passen. Seit der Eröffnung 1911 war das Odeon noch nie so lange geschlossen wie jetzt.» Der Geschäftsführer zitiert einen Spruch: «Humor und Geduld sind Kamele, mit denen wir durch jede Wüste kommen.» (kbr)

kbr

Stöbern statt Abgeben im Brocki

cs

Vor dem Brockiland an der Steinstrasse in Wiedikon warteten etwa 30 Leute. Allerdings waren es nur Personen, die einkaufen wollten. Leute, die ihren Keller geräumt hatten und ihre Waren vorbeibringen wollten, wurden um 10 Uhr nicht gesichtet. (cs)

200-Meter-Schlange vor der Ikea Spreitenbach

300 Leute warteten vor der IKEA
Als die Türen nach acht Wochen wieder aufgingen, wurden die ersten Kunden von den Mitarbeitern mit Klatschen begrüsst.
SDA

Kurz vor 9 Uhr warten in der Tiefgarage der Ikea Spreitenbach gegen 300 Personen auf Einlass. Ein Kind quengelt. Doch sonst ist die Stimmung gelöst, zuweilen gar heiter. «Für mich kam die Öffnung im letzten Augenblick», erzählt eine junge Frau, die mit ihrer Freundin ansteht. «In zwei Wochen ziehe ich um, ich habe weder Bett noch Schrank.» Seit einem Monat in einer leeren Wohnung wohnt ein junger Mann, der ein paar Meter hinter ihr steht. «Wer hätte vor drei Monaten damit gerechnet, dass ich plötzlich keine Möbel mehr einkaufen kann?»

Andrea Zahler

Die Menschenschlange ist etwa 200 Meter lang, in fünf Windungen. Es sind vor allem jüngere Personen, die anstehen. Masken tragen nur wenige. Ausser das Personal. Eine Frau weist die Ankommenden freundlich ein. Man sieht ihr Strahlen, obwohl das Gesicht halb verdeckt ist. Fast wäre sie einem Kollegen um den Hals gefallen, als dieser sie fragte, ob sie Hilfe brauche. Braucht sie nicht.

Im kaputten Bett schlafen

Ein älterer Mann schüttelt den Kopf und sagt: «Wie lange geht das wohl, bis ich da drin bin? Er will für seinen Enkel in seinem Haus ein kleines Büro einrichten. «Lieferdienst ist schon gut, aber das kostet!». Ein junges Paar braucht einen neuen Lattenrost fürs Bett. Der Kleine, wohl etwas gar energiegeladen, so ganz ohne Spielen auf dem Pausenplatz, sei mit Schwung draufgesprungen. Seither schlafen sie in einem kaputten Bett.

Punkt 9 Uhr öffnet Ikea die Türen. Hände desinfizieren und tröpfchenweise herein marschiert. Es geht keine fünf Minuten, sind die Menschen drin – 1500 dürfen sich gleichzeitig im grossen Ladenlokal aufhalten. Und dann ist alles fast ganz normales Einkaufen. Gewöhnungsbedürftig normal. (net)

Andrea Zahler

Was hast Du erlebt in der Corona-Zeit?

Auf jeder Altersstufe steht das Verarbeiten der vergangenen Wochen im Zentrum. Die Kindergärtler in Oerlikon haben der Lehrperson wiederholt Fotos geschickt. Sie hat sie ausgedruckt, nun dürfen die Mädchen erzählen, was sie gemacht haben. (ema)

Sabina Bobst

Ein laues Lüftchen in der Bahnhofstrasse

cs

An der Zürcher Luxusmeile kehrt – zaghaft – wieder Leben ein. Um 8.55 Uhr warteten nur wenige Personen vor dem H&M auf die Öffnung, ausschliesslich Frauen. Das knappe Dutzend war nicht zum Vergnügen da, sondern wartete eher darauf, Sachen zurückzubringen, die die letzten Wochen zu Hause ungebraucht herumgelegen sind. (cs)

So hatte sich der Jelmoli Corona-fit gemacht:

So wird das grösste Kaufhaus der Schweiz coronatauglich gemacht
Der Jelmoli in Zürich nimmt im ganzen Haus verschiedene Anpassungen vor.

Isolierband ums Lehrerpult

Sabina Bobst

Im Schulhaus Im Birch in Zürich-Oerlikon kehren die Sekundarschülerinnen und -schüler zurück. Es gibt wieder Leben auf dem Areal.

Die Schulleitung hat sich zur Einhaltung der Abstandsregeln Einiges einfallen lassen. Ein Kleber vor jeder Eingangstür erinnert die Schüler an Physical Distancing, Dachlatten von 2 Metern Länge mahnen zu Abstand. Eine Lehrerin hat ihre Zone ums Pult mit Isolierband markiert. (ema)

Sabina Bobst

Zunächst die Reflexion, dann die grossen Fragen:

Sabina Bobst

Überall Schutzzonen

ms

Am Zürcher Hauptbahnhof kleben neu vor den meisten Shops kleinere oder grössere «Abstandshalterli» auf dem Boden, im einheitlichen BAG-Kampagnendesign. Gebraucht werden sie am Montagmorgen kaum – es sind viel weniger Pendlerinnen und Pendler unterwegs als vor der Pandemie, die Bahnhofshalle ist ziemlich leer.

Das Queren des Zürcher HB ist entsprechend entspannt. Die Dichte an Männern in Anzügen: überdurchschnittlich. Aussen, am Bahnhofquai, fahren halbleere Trams los. Kaum jemand trägt eine Maske. (ms/kbr)

Angst vor dem ÖV?

Meiden die Pendler den öffentlichen Verkehr und nehmen lieber das Auto, um an den Arbeitsplatz zu gelangen? Um 7.45 Uhr zeigt sich auf der Karte von Viasuisse ein Stau-Ring auf den Strassen um Zürich. (pu)

Leere am Bahnhof Winterthur

an

Am Bahnhof Winterthur herrscht nicht das übliche Gewusel. In der ansonsten proppenvollen S12 von 7.52 Uhr nach Zürich sitzt im vordersten Wagen nur eine Person pro Abteil, fast niemand trägt eine Maske. (an)

Das Zischen ist wieder da – und es riecht streng

Früher Montagmorgen auch im Regioexpress von Schaffhausen via Bülach, Oerlikon zum HB Zürich, und das Klicken und Zischen der Dosen mit Energydrinks ist wieder da. Beim Pendeln nach Zürich kehrt der Alltag ein. Die Züge sind allerdings nicht voll, vielleicht ein Viertel so viele Menschen wie vor dem Lockdown sitzen da und blicken in ihre Smartphones, und von da aus in den Tag. Nur vereinzelt sieht man Schutzmasken. Aber: Es riecht nach Desinfektionsmittel. (kbr)

Die Passagierin zieht ihre Maske wieder ab

Die morgendliche S-Bahn ist nur wenig besser besetzt als in den vergangenen Wochen.
Die morgendliche S-Bahn ist nur wenig besser besetzt als in den vergangenen Wochen.
pu

«It's the little details», sagte schon John Travolta im Kultfilm Pulp Fiction. Im Aktiv Fitness-Studio in Horgen strampeln sie wieder auf den Hometrainern. Allerdings sind es kurz vor 6.30 Uhr nur etwa drei Sportaficionados – statt eines guten Dutzends wie vor dem Lockdown.

Auf dem Bahnhofsperron warten vielleicht 30 Personen auf die S8 – das sind rund zehn mehr als letzte Woche. Und es zeigt sich das übliche Bild: Eine Person trägt eine Schutzmaske, alle anderen nicht. Als sich die Frau mit Maske im Zug hinsetzt, nimmt sie die Maske ab. In der S-Bahn muss niemand das Abteil teilen.

Im Café am Zielbahnhof darf man erstmals seit zwei Monaten den Kaffee am Tisch schlürfen, draussen sind drei Tische mit Stühlen aufgestellt – statt der üblichen neun oder zehn. Die Angestellte will keinen Namen und auch keine Telefonnummer. Sie wartet auf die Anweisungen des Chefs, sagt aber auch, dass kaum ein Kunde länger als zehn Minuten bleibt. «Der Aufwand wäre gross, alle Angaben aufzunehmen.» (pu)

Entschleunigen!

Im Vorfeld fiel auf, dass die VBZ noch intensiver für das Maskentragen geworben hat als der ZVV und die SBB. Die heutige Kampagne setzt allerdings auf Entschleunigung:

lop

pu, net, kbr, ema, cs, mth, an, leu

49 Kommentare
    Alfred Frei

    Wenn ich mich so umsehe, dann konstatiere ich, dass die Abstandsregeln sehr locker ausgelegt werden und nicht mehr als 1-2 % der Personen Masken tragen. Bezüglich der zweiten Welle stimmt mich das nicht sehr zuversichtlich.