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FCB-Trainer Marcel KollerDas letzte Puzzlestück

Für den Vereinstrainer Marcel Koller ist der heutige Viertelfinal gegen Schachtar Donezk sein grösster internationaler Erfolg. Den FC Basel bringt er damit in Erklärungsnöte.

Marcel Koller – ganz klein, im Kreis seiner Spieler – stimmt das Team in der Arena auf Schalke auf den Viertelfinal gegen Donezk ein.
Marcel Koller – ganz klein, im Kreis seiner Spieler – stimmt das Team in der Arena auf Schalke auf den Viertelfinal gegen Donezk ein.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Für Marcel Koller ist das Finalturnier der Europa League ja auch eine Reise durch die eigene Vergangenheit. In Köln, wo am 21. August das Endspiel ausgetragen wird, hat der Vereinstrainer Koller vor 17 Jahren seine ersten Schritte ausserhalb der Schweiz gewagt. In Bochum, ein paar Kilometer vom heutigen Spielort Gelsenkirchen entfernt, hat er so viele Partien als Trainer absolviert wie bei keinem anderen Verein.

Koller hat im Westen Deutschlands ein paar schöne Erfahrungen als Trainer machen dürfen, aber auch ein paar schmerzhafte. Da war der Abstieg mit Köln ebenso wie Erfolge gegen Dortmund oder Schalke, von denen sie in Bochum heute noch schwärmen. Insofern ist es eigentlich nur konsequent, dass er jetzt zurückkehrt für ein Turnier, von dem er unmöglich wissen kann, ob es für ihn schön oder schmerzhaft endet.

Eines ist aber jetzt schon klar: Für Koller ist der Viertelfinal gegen Donezk der grösste internationale Erfolg als Vereinstrainer. Als Nationaltrainer von Österreich hat er mal an einem waschechten Turnier teilgenommen, der EM 2016 in Frankreich. Aber auf Vereinsebene hat ein europäischer Viertelfinal mehr internationale Strahlkraft als die Meistertitel mit St. Gallen und den Grasshoppers oder der Aufstieg mit dem VfL.

Es ist im Grunde das letzte Puzzlestück, das Kollers Karriere als Cheftrainer noch gefehlt hat: eine denkwürdige Europa-Kampagne mit einem Club wie dem FCB.

Immer wieder Diskussionen

Und es ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen Koller mit seiner Mannschaft nach Deutschland gekommen ist. Seit anderthalb Jahren gibt es schon Diskussionen rund um seine Person, Diskussionen, die nicht enden wollen. Selbst jetzt, ein paar Tage vor dem Ablauf seines Vertrags, ist noch immer nicht geklärt, was nach der Saison aus Koller wird.

«Ich bin im ständigen Austausch mit unserem Präsidenten», hat Sportchef Ruedi Zbinden eben erst in einem Interview gesagt, «auch mit Marcel habe ich schon ein paarmal gesprochen.» Stichhaltigere Indizien hat man vom FCB bislang aber nicht gehört. Und Koller schweigt, was seine berufliche Zukunft betrifft.

Ohnehin hat der 59-Jährige in den letzten beiden Jahren alle Spekulationen mit einer beneidenswerten Ruhe über sich ergehen lassen. Selbst nach seiner kurzfristigen Freistellung im letzten Sommer hat er einfach weitergemacht, als wäre nichts gewesen. Und vielleicht ist darum jetzt auch ein kleines bisschen Genugtuung mit dabei, wenn er den Club mit jedem weiteren Sieg in grössere Erklärungsnot bringt.

Mit jedem Erfolg, den der FC Basel in den letzten Zügen der Saison erreicht, wächst ja der Druck auf die Entscheider. Will man sich wirklich von einem Trainer trennen, der den Verein eventuell zu einem seiner grössten internationalen Erfolge führt? Muss man es trotzdem tun, mit Blick auf die Zukunft und ein verändertes, verjüngtes Team? Und wann ist bei Präsident Bernhard Burgener der Punkt erreicht, an dem er seine Meinung ändert – wie auch immer diese in Sachen Koller momentan aussieht?

Das Verhalten des Clubs in den letzten Monaten deutet mit jeder verweigerten Antwort darauf hin, dass sich die Wege von Koller und dem FCB nach dem letzten Saisonspiel trennen. Aber wie viel ist diese Schlussfolgerung wert, wenn die Basler in den Final von Köln einziehen oder – man weiss es ja nicht – vielleicht sogar das Double gewinnen?

Unter diesen Vorzeichen gehen Koller und der FCB heute in den Viertelfinal gegen Donezk. Wieder mal als Aussenseiter, aber das hat man in dieser Saison schon öfter gedacht. In der Europa League haben die Basler diese Rolle mehrmals erfolgreich überwunden, man hat sogar das Gefühl, dass sie sich inzwischen ganz wohl fühlen damit.

Und wenn es immer wieder hiess, dass die Spieler auch aus einer gewissen Eigenmotivation so erfolgreich durch Europa gereist sind, so gilt das spätestens ab heute auch für ihren Trainer. Fast 500 Spiele hat Koller als Clubtrainer seit seinen Anfängen beim FC Wil bestritten. Jetzt bestreitet er seine womöglich letzten für den FC Basel, und er kann eigentlich nur gewinnen.

Es ist eine Situation, die Marcel Koller in seiner Zeit in Basel so auch noch nicht erlebt hat.