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Rückkehr in den RingTysons Gegner sollte Holyfield heissen

Der 54-Jährige will nochmals boxen und mit seiner Legends Only League anderen Alt-Stars eine Plattform bieten. Das klingt interessant. Doch es gibt einige Zweifel.

Am 12. September will Mike Tyson wieder boxen. Im Rahmen des Formats Legends Only League, das er selbst besitzt, kämpft der 54-Jährige  gegen den 51-jährigen Roy Jones junior.
Am 12. September will Mike Tyson wieder boxen. Im Rahmen des Formats Legends Only League, das er selbst besitzt, kämpft der 54-Jährige gegen den 51-jährigen Roy Jones junior.
Etienne Laurent/Keystone
Roy Jones junior (links, hier bei einem Kampf gegen den Briten Joe Calzaghe) ist fünffacher Weltmeister – und doch der falsche Gegner für Tyson.
Roy Jones junior (links, hier bei einem Kampf gegen den Briten Joe Calzaghe) ist fünffacher Weltmeister – und doch der falsche Gegner für Tyson.
Frank Franklin II/Keysonte
Damit Tysons Format der Legends Only League funktioniert, müsst er gegen Evander Holyfield antreten. Jenen Boxer, dem er in einer der ikonografischsten Szene der Sportgeschichte einen Teil des Ohres abgebissen hat.
Damit Tysons Format der Legends Only League funktioniert, müsst er gegen Evander Holyfield antreten. Jenen Boxer, dem er in einer der ikonografischsten Szene der Sportgeschichte einen Teil des Ohres abgebissen hat.
Mark J. Terrill/Keystone
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Das Problem an diesem Kampf ist nicht Mike Tyson. Der 54 Jahre alte Boxer ist, das haben einige Trainingsvideos der vergangenen Wochen gezeigt, noch immer in der Lage, 99 Prozent der Menschheit mit einem linken Aufwärtshaken ins Reich der Träume zu schicken. Das Problem ist auch nicht dieser Kampfabend am 12. September in Los Angeles, bei dem er im Rahmen des neuen Sport-Genres Legends Only League in den Ring zurückkehren wird.

Das Problem ist: Evander Holyfield. Tyson wird nicht gegen seinen alten Rivalen antreten, sondern gegen Roy Jones junior.

Das Konzept, dass alternde Sportler sich und der Welt noch mal was zu beweisen wollen, ist wahrlich nicht neu. Es ist immer wieder in Filmen thematisiert worden, Sylvester Stallone hat nicht nur den vierten (im Rennfahrerfilm Driven, 2001) und fünften (im Boxer-Drama Rocky Balboa, 2006) Frühling seiner Karriere damit verbracht, er hat sich im Jahr 2013 selbst dafür persifliert, als er in Grudge Match den alternden Boxer «Razor» Sharp gab, der gegen «The Kid» McDonnen (gespielt von Raging-Bull-Darsteller Robert DeNiro) zum Duell der alten Männer in den Ring steigt.

Maradona gegen Matthäus oder Borg gegen McEnroe

Die Legends Only League will legendäre Athleten aus verschiedenen Sportarten locken, den Ritt in den Sonnenuntergang für ein letztes Duell der Desperados auf der Hauptstrasse einer Westernstadt zu unterbrechen. Das klingt als Idee zumindest für Nostalgiker spannend, wenn es dazu Geschichten zu erzählen gibt.

Wenn etwa die Eiskunstläuferinnen Nancy Kerrigan und Tonya Harding noch einmal gegeneinander antreten würden. Wenn Björn Borg und John McEnroe noch einen Tie Break auf dem Center Court in Wimbledon spielen würden. Wenn Lothar Matthäus und Diego Maradona auf Mini-Tore gegeneinander Fussball zocken würden. Claudia Pechstein gegen Anni Friesinger. Ben Johnson gegen Carl Lewis. Zola Budd gegen Mary Decker. Die Liste möglicher Duelle ist unendlich.

«Ich mache das, weil ich es kann. Nur weil ich 54 bin, ist mein Leben noch lange nicht vorbei – und ich glaube, dass viele Sportler im Ruhestand so denken wie ich», sagt Tyson: «Wie toll wäre das denn, wenn Basketballspieler Dennis Rodman gegen Allen Iverson antreten würde – oder wenn sich der Footballspieler Jerry Rice einen Quarterback schnappen und gegen ein paar andere Jungs antreten würde. Es gibt genügend Fans, die das interessieren dürfte.» Vor ein paar Tagen hat der 46 Jahre alte Passempfänger Terrell Owens ein Laufduell mit einem der derzeit schnellsten NFL-Spieler (Tyreek Hill, Kansas City Chiefs) veranstaltet und nur knapp verloren.

Tyson dürfte bei seiner Rückkehr in den Ring einen Kopfschutz tragen sowie aufgrund besserer Polsterung weniger gefährliche Handschuhe. Es wird in den acht Runden nicht um Gürtel oder Titel gehen, sondern um die Ehre – wie bei allen künftigen Duellen in sämtlichen Disziplinen.

Die Legends Only League befindet sich in Besitz von Tyson und der indischen Holdinggesellschaft Eros Investments: «Wer glaubt, dass er noch nicht über den Berg ist, der soll mich anrufen. Wir sorgen dafür, dass sie ihre ruhmreichen Jahre ein zweites Mal erleben dürfen.»

Diese Duelle sind keine sportlichen Leckerbissen – aber gut zu verkaufen

Diese Duelle dürften keine sportlichen Leckerbissen werden, und genau darin sehen einige in der Profibox-Szene die Gefahr, die in Tysons Comeback liegt: Dass wieder einmal ein Duell hochgejubelt wird, um am Ende sportlich zu enttäuschen; dass der ohnehin angeschlagene Ruf des Profiboxens weiter leidet; dass es wieder einmal nur um die Verpackung geht, aber nicht um den Inhalt (und auch um die Gesundheit, zusätzlicher Schutz hin oder her).

Verkaufen lassen werden sich diese Duelle aber dennoch. Denn sie ziehen ihre Dramatik daraus, dass es eine Vorgeschichte gibt, die ja überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass die Duellanten zu Legenden geworden sind. Sie müssen sich an eine Grenze getrieben haben, die sie ohneeinander nicht erreicht hätten, und sie müssen bereit sein, dies auch beim Duell im höheren Alter zu tun.

Dann wird es unterhaltsam, dann fiebern die Leute so einem Kampfabend auch entgegen. Deshalb braucht Tyson, wenn er schon zurückkehrt, eigentlich Holyfield als Gegner.