Volvo P1800

Das Schwarze Schaf

Das Coupé vereint italienisches Design mit skandinavischem Understatement.

Bild: Sabina Bobst

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Gibt es nicht in jeder Familie ein Mitglied, das nicht so recht zum Rest des Clans passen will? Man nennt sie schwarze Schafe oder «die Frechen» - je nachdem, wie fest ihr Abweichlertum stört. Man wird es kaum glauben, aber auch bei Volvo gab es einmal so eines. Jawohl, bei der schwedischen Musterfamilie. Die Hübschesten auf der Strasse waren die Volvo ja nie. Zunächst bucklig, später etwas gar eckig; immer aber waren sie zuverlässig und funktional.

1961 kam jedoch ein Volvo zur Welt, dem man schnell ansah, dass er anders war. Der P1800 war der unvernünftige Spross der Übervernünftigen. Der Ausbrecher. Ein Coupé! Doch im Quartier mochten sie den Jüngsten der Schweden. Er war sportlich: spritziger Vierzylindermotor, Vierganggetriebe mit Overdrive. Er war frech: Die Rückbank ging gerade so als Hutablage durch. Ein waschechter Grand Tourer halt. Und er sah unverschämt gut aus: Der schwedische Industriezeichner Pelle Petterson hatte das Auto entworfen, als er beim Turiner Autodesigner Pietro Frua angestellt war.

Da gibt es nichts von der muskelbepackten Vulgarität zeitgenössischer Maserati und Aston Martin.

Den italienischen Einfluss sieht man. Die Motorhaube hatte Petterson in die Länge gezogen, das Heckfenster liess er sanft gen Kofferraum abfallen. Das Auto wirkt elegant und sportlich wie die Maserati und Ferrari aus jener Zeit. Kein Wunder, wurde der P1800 zum Erfolg. Roger Moore machte ihn gar zum Dienstwagen in der 60er-Serie «The Saint». Als Simon Templar flitzte er im weissen Volvo den Bösewichten hinterher oder davon und war irgendwie noch ein Spürchen cooler.

Wer weiss, vielleicht kaufe ich mir eines Tages einmal einen P1800. Wie viele Autos aus seiner Ära besitzt er etwas Zeitloses. Und ich mag das skandinavische Understatement, das er versprüht: Da gibt es nichts von der muskelbepackten Vulgarität zeitgenössischer Maserati und Aston Martin. In Oldtimerkreisen gilt der P1800 gar als ausdauernd und pflegeleicht.Der Amerikaner Irv Gordon fuhr mit seinem Modell von 1966 4,8 Millionen Kilometer. Mit Originalmotor und Originalgetriebe.

Manchmal muss man Abweichlern einfach eine Chance geben. So unvernünftig sind sie vielleicht gar nicht.

Erstellt: 24.02.2016, 08:59 Uhr

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