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Streaming-Tipps für OktoberDas sind die Serien des Monats

«Ratched» erzählt die Vorgeschichte zu «Einer flog übers Kuckucksnest». Und «Mrs. America» ist gerade mit einem Emmy ausgezeichnet worden. Unsere Empfehlungen für den Oktober.

Netflix stellt die Krankenschwester aus «Einer flog übers Kuckucksnest» ins Zentrum einer Horror-Serie. In der Hauptrolle: Sarah Paulson (links).
Netflix stellt die Krankenschwester aus «Einer flog übers Kuckucksnest» ins Zentrum einer Horror-Serie. In der Hauptrolle: Sarah Paulson (links).
Foto: Netflix

«Miss America»

Was passiert: Revolution und Gegenrevolution. In den USA der Siebzigerjahre kämpfen Feministinnen dafür, dass die Gleichberechtigung der Frau in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben wird (Spoiler: bis heute ohne Erfolg). Die konservative Publizistin und Aktivistin Phyllis Schlafly (Cate Blanchett) kämpft dagegen an. Sie setzt sich für die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter ein, ist aber selbst alles andere als das.

Heimlicher Star: Uzo Aduba in der Rolle von Shirley Chisholm, der ersten schwarzen Präsidentschaftsanwärterin. Wobei von heimlich keine Rede mehr sein kann: Aduba wurde für die Rolle soeben mit einem Emmy ausgezeichnet.

Nicht geeignet für: Menschen, die eine Abneigung gegen Second-Screen-Recherchen auf Wikipedia haben oder sich Gesichter und Namen nur schwer merken können. Für ihre Knappheit weist die Miniserie eine geradezu überbordende Zahl historischer Figuren auf. Und hat sich auch sonst ganz schön viel vorgenommen.

Neun Folgen, auf Sky.

«Das letzte Wort»

Was passiert: Am Abend ihres 25. Hochzeitstags stirbt, ganz plötzlich, der Ehemann von Karla Fazius (Anke Engelke). Und während sie sich noch um die Beerdigung, sich selbst und ihre trauernden Kinder kümmert, erfährt sie: Stefan hat ein Doppelleben geführt, und Geld ist auch keins mehr da. Karla braucht also einen Job und findet auch schnell einen: Sie wird Trauerrednerin.

Heimlicher Star: Thorsten Merten als Bestattungsunternehmer kurz vor der Pleite – ein wirklich ganz wunderbar heruntergekommener Typ.

Nicht geeignet für: Die Serie ist für jeden geeignet. Man muss nur damit leben können, dass Anke Engelke sehr viel Ocker trägt und nur sehr selten mal lustig sein darf.

Sechs Folgen, auf Netflix.

«Oktoberfest 1900»

Was passiert: Der aus Nürnberg nach München kommende Brauer und Grossgastronom Curt Prank (Mišel Matičević) geht über Leichen, um auf dem Oktoberfest einen Bierpalast für 6000 Gäste zu etablieren. Doch seine Tochter (Mercedes Müller) bandelt ausgerechnet mit dem Sohn seines Widersachers vom Deibelbräu an. Aus dem München der beschaulichen Prinzregentenzeit wird so eine Art bayerisches Chicago vor 100 Jahren, die Sparversion einer zünftigen Mafia-Saga sozusagen, oder Peaky Blinders goes Giesing.

Heimlicher Star: Brigitte Hobmeier spielt das Biermadl Colina, als wäre diese Figur wirklich ein glaubwürdiger Charakter. Beeindruckend.

Nicht geeignet für: Zuschauer, die holzschnittartiges Personal nicht mögen, von Dramen historische Stimmigkeit erwarten und glauben, dass Spannung mit Logik am besten funktioniert.

Sechs Folgen, in der ARD-Mediathek und bei Netflix.

«Für Umme»

Was passiert: Mo Mikkelsen (Michael Fritz Schumacher) erwacht in einer leider nicht ganz leeren Badewanne, noch dazu ist er mit Handschellen an dieses Drecksloch gekettet. Bis zum Hals steht ihm das, was vielleicht Wasser ist, noch nicht, aber fast. Mo ist 33 und Schauspieler, aber keiner, den man von Filmplakaten kennt. Vielmehr ist er ziemlich pleite, seine Mutter nennt ihn noch immer «Möhrchen», und sein Vater stellt bald alle Zahlungen an seinen Sohn ein. Mo ist mit der Miete im Rückstand und reif in seiner Ratlosigkeit, als er an einem Plakat vorbeikommt, das um Probanden für eine medizinische Studie wirbt.

Heimlicher Star: Die Imperfektion. Für Umme zeigt keine Lebenslauflüge, wie man sie bei Linkedin einstellen würde, Für Umme zeigt Straucheln, Stolpern, Nicht-liegen-Bleiben.

Nicht geeignet für: Entspannungsfernseher. Für Umme ist in Bild und Inhalt schnell geschnitten, manchmal laut, noch häufiger schmutzig.

Elf Folgen, auf Amazon.

«Ratched»

Was passiert: Die eiskalte Krankenschwester aus «Einer flog übers Kuckucksnest» wurde durch die oscarprämierte Darstellung von Louise Fletcher in Miloš Formans Verfilmung bekannt als einer der fiesesten Bösewichte der Filmgeschichte. Aber wie wurde aus einer gewöhnlichen Frau das empathielose Monster «Ratched»? Dieser Frage versucht die Horror-Historienserie nachzugehen. Sarah Paulson spielt die Titelfigur, die sich eine Stelle in der Santa-Lucia-State-Hospital-Nervenheilanstalt erschleicht (zufällig ist ihr Stiefbruder, ein mehrfacher Mörder, einer der Insassen). Man findet zwar nicht heraus, wie Ratched zur emotionslosen Hülle wird, aber bis es mehr Anhaltspunkte für die Wandlung gibt, wechselt Ratched zwischen fragwürdigen Behandlungsmethoden (wie kochenden Heisswasserbädern und Lobotomien) die hübschen Kostüme.

Heimlicher Star: Cynthia Nixon spielt alle, einschliesslich Sarah Paulsons Titelrolle, an die Wand.

Nicht geeignet für: Menschen, die in Horrorfilmen und Serien nach «Plotholes» suchen und glauben, Sexszenen sollten die Handlung voranbringen.

Acht Folgen, bei Netflix.