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Snooker-Weltmeisterin Reanne EvansDass sie nun gegen Männer spielen darf, ist für sie ein Schock

Die zwei besten Frauen dürfen künftig an der Profitour teilnehmen – ein überfälliger Schritt, der trotzdem für Kritik sorgt.

Reanne Evans ist die erfolgreichste Snookerspielerin der Geschichte und darf nun an der Main Tour teilnehmen.
Reanne Evans ist die erfolgreichste Snookerspielerin der Geschichte und darf nun an der Main Tour teilnehmen.
Foto: Oli Scarff (Getty Images / AFP)

Reanne Evans sagt, es sei «ein Schock» für sie gewesen. Und nach allem, was sie im Snooker durchlebt hat, kann man ihr das vorbehaltlos glauben.

Evans (35) ist die erfolgreichste Snookerspielerin der Welt, eine zwölffache Weltmeisterin (zuletzt 2019), die einmal 90 Partien nacheinander ungeschlagen geblieben ist, so dominant spielt Evans bisweilen. Leben kann sie von ihrem Sport trotzdem kaum, weibliche Profis gibt es bislang nicht, die Spielerinnen haben meist noch einen normalen Job, um sich die Reiserei auf der Tour zu finanzieren.

Die Aufmerksamkeit greifen die Männer ab: Als Vollprofis jetten sie um die Welt, Asien, Grossbritannien und wieder zurück, wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht. Hier geht es um ordentliche Preisgelder, Fernsehübertragungen, Werbeverträge – um alles eben, was ein Einkommen bringt.

Wird die alljährliche Weltmeisterschaft der Frauen abgehalten, nimmt dagegen kaum jemand Notiz. Stattdessen wird bei der WM der Männer gönnerhaft ein «Ladies Day» abgehalten. Evans hatte sich mit ihrem Snookerleben ausserhalb des Radars abgefunden – nun aber der «Schock».

«Ich wollte immer, dass das passiert.»

Reanne Evans

In einem seit vielen Jahren überfälligen Schritt hat sich der Weltverband dazu durchgerungen, immerhin zwei Startplätze auf der Main Tour künftig fest an Frauen zu vergeben. Wie die Engländerin Evans ist auch Ng On Yee (30) aus Hongkong qualifiziert und kann sich in den kommenden zwei Jahren mit den besten Männern messen.

Nur 2 von 128 Startplätzen, das ist nicht viel, könnte man sagen. Evans ist trotzdem überwältigt. «Ich wollte immer, dass das passiert», sagte sie der Zeitung «Metro». «Spielerinnen wie ich haben nun endlich ein Ziel. Wir können Profis werden.» Auch die Chefin der Frauen-Tour, Mandy Fisher, spricht von einem «gewaltigen Moment. Wir erleben die wichtigsten Tage unserer Geschichte.»

Warum Frauen im Snooker nicht längst gleichberechtigt mitspielen, ist eine Frage, auf die es nur deprimierende Antworten gibt. Lange war der selbst ernannte «Gentlemen’s Sport» ein reiner Männerclub, in dem Frauen gemieden wurden: nicht nur in den Pubs, auch im Verband, der nur die männlichen Spieler vertrat. Seit 40 Jahren existiert eine Organisation der Frauen (World Women’s Snooker), diese wurde aber erst 2015 im Weltverband (WPBSA) anerkannt. Dass Frauen nun offiziell auf der Main Tour mitspielen, sei «eine der besten Entscheidungen, die wir je getroffen haben», sagt WPBSA-Chairman Jason Ferguson.

Evans hält es für besonders wichtig, dass sie diesmal einen regulären Startplatz erhält und nicht etwa eine Wildcard. Als sie wegen ihrer Dominanz 2010 schon einmal mitspielen durfte, mit einem Gästeticket, galt dies als joviale Geste. Die Umstellung war für Evans damals zu hart, sie gewann keine einzige Partie und verabschiedete sich wieder.

Doch die Zeit der grössten Qualitätsunterschiede ist vorüber: Die Frauen-Tour wurde zuletzt erheblich aufgewertet; Evans misst sich bei anderen Turnierformaten auch häufiger mit Männern, den Ex-Weltmeister Shaun Murphy hat sie im vergangenen Jahr am Rande einer Niederlage gehabt.

Kritik an der neuen Regelung

Doch die Anerkennung der Tour der Frauen als offizieller Qualifikationsweg gefällt einigen nicht. Das Niveau sei dort viel niedriger als in der Q-School, moserten einige männliche Spieler im Internet, vornehmlich bei Twitter. Die Q-School ist jenes wichtige Qualifikationsturnier, bei dem bislang die letzten freien Tickets ausgespielt wurden. Auch die kontinentalen Meister und Juniorenchampions erhalten Plätze auf der Main Tour. Und nun eben auch zwei der besten Frauen.

Evans kann die Argumente der Kritiker nicht nachvollziehen. «Warum sehen die Leute nicht das grosse Ganze?», fragt sie. Es geht nicht darum, dass sie etwas beweisen möchte: Evans will regulär mitspielen, unabhängig davon, ob es letztlich für Erfolge reicht. Und mithelfen, dass Snooker endlich ein zeitgemässer Sport wird.

24 Kommentare
    Tomaso32

    Finde ich gut. Ich habe ohnehin nie verstanden, weshalb Männer und Frauen in Sportarten, bei denen die Körperkraft kaum eine Rolle spielt, in getrennten Wettbewerben antreten. So zum Beispiel auch beim Curling oder beim Bogen- oder Pistolenschiessen. Es muss ja nicht gleich Gewichtheben sein... Schach ist offenbar eine Ausnahme, wenngleich es auf Wikipedia eine separate "Liste der Schachgroßmeister der Frauen" gibt.