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Interview zur Zukunft des Kinos«Dein Lieblingskino wählt den Film aus, und du schaust ihn zu Hause»

Die Schweizer Kinos öffnen bald wieder – und müssen radikal umdenken, wie der Film-Experte Thierry Spicher sagt. Künftig sollten sie auch virtuelle Leinwände bespielen.

«Das Kino kuratiert das Programm und bestimmt, zu welcher Zeit die Filme laufen», sagt Thierry Spicher.
«Das Kino kuratiert das Programm und bestimmt, zu welcher Zeit die Filme laufen», sagt Thierry Spicher.
Foto: Dominique Meienberg

Herr Spicher, wir erleben gerade eine gewaltige digitale Transformation. Wenn die Kinos wieder öffnen, werden sie dann mit ihrem alten Geschäftsmodell weitermachen?

Es gibt derzeit viele Leute, die sich vom Fatalismus lähmen lassen. Sie bleiben passiv und ideenlos. Ich habe von Kinobetreibern gehört, die hoffen, dass die Säle möglichst lang geschlossen bleiben, mindestens bis September. Denn jetzt kurz vor dem Sommer zu öffnen, bedeutet, dass es weder Filme noch Besucher hat.

Nehmen wir an, dass wir ab April wieder ins Kino können. Kehren die Besucher dann zurück?

Manche sicher. Aber es gab schon vor der Pandemie eine Besucherkrise, weil die Ticketpreise zu hoch waren, die Auswertung immer kürzer wurde, die Programmzeiten immer mehr denen eines Theaters glichen und es immer mehr andere Kulturangebote gab. Wir haben bereits einen Teil der jungen Besucherinnen und Besucher verloren. Auch vielen 35- bis 40-Jährigen fehlt die Zeit fürs Kino, sie haben Kinder bekommen und verfügen über Kaufkraft und Zweitwohnung. Sie sind vielleicht früher oft ins Kino gegangen, aber jetzt sagen sie, wenn sie mal Lust auf einen Kinofilm haben, dann regnet es oder sie finden keinen Parkplatz.

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