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Neuer TV-Deal der Super LeagueDem Schweizer Fussball droht der nächste Rückschlag

Der neue Fernsehvertrag der Swiss Football League könnte weniger einbringen als der bestehende. Das hat weniger mit Corona zu tun als mit fehlender Konkurrenz auf dem Markt.

Welcher TV-Anbieter ist in den nächsten Jahren mit seinen Kameras am Spielfeldrand zugegen?
Welcher TV-Anbieter ist in den nächsten Jahren mit seinen Kameras am Spielfeldrand zugegen?
Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Es ist die Zeit des Schweigens angebrochen. Eigentlich. «Ich äussere mich zu diesem Verfahren nicht», sagt etwa Heinrich Schifferle, Präsident der Swiss Football League (SFL), am Sportforum Schweiz. «Sie vermuten richtig, dass wir uns dem allgemeinen Branchencredo anschliessen und weder Fragen nach der Strategie noch zum Bieterverfahren beantworten», schreibt der Sportsender Mysports.

Bis Ende Jahr soll der neue Fernsehvertrag für die beiden Profiligen im Schweizer Fussball unterschrieben sein. Da will sich keiner in die Karten blicken lassen. Was trotzdem durchsickert, klingt aus Sicht der Fussballer wenig positiv. Einiges deutet darauf hin, dass der neue TV-Vertrag tiefer dotiert sein wird als der alte. Die Zahlen, die durch die Szene gereicht werden, reichen von einer bis zehn Millionen Franken, die die SFL pro Jahr verlieren könnte.

Darum geht es

2016 verkündete die SFL einen Rekord: Sie hatte ihre TV- und Marketingrechte für die Periode von 2017 bis 2020 für 40 Millionen Franken pro Jahr verkauft. Rund 30 Millionen Franken kamen vom Fernsehen. Eine Steigerung um 70 Prozent im Vergleich zum vorherigen Vertrag.

Der Zuschlag ging an den Pay-TV-Sender Teleclub, der heute Blue heisst. Das öffentlich-rechtliche SRF sicherte sich ein Sonntagsspiel pro Runde. Der Pay-TV-Sender Mysports tröstete sich mit dem Kauf der Schweizer Eishockeyrechte.

Derzeit läuft das Bieterverfahren im Fussball für den nächsten Zyklus von 2021 bis 2024. Bis Ende Jahr soll bekannt sein, an wen die Rechte gehen.

Der Eingriff der Wettbewerbshüter

2016 wurde der Preis für die Fernsehrechte durch einen Bieterwettstreit zwischen Teleclub und Mysports in die Höhe getrieben. Die zwei waren dabei mehr als bloss Pay-TV-Sender auf der Jagd nach Livesport. Sie standen für den Kampf der beiden Telekommunikationsanbieter Swisscom (Teleclub) und UPC (Mysports) um Kunden. Über den Fussball sollten Internetanschlüsse und Handyverträge verkauft werden.

Heute stellt Blue-Programmchefin Claudia Lässer fest: «Die Ausgangslage ist definitiv anders als vor vier Jahren.» Auf Druck der Wettbewerbskommission können seit diesem Herbst alle Sportangebote auf allen Plattformen gekauft werden. Wer Fussball schauen will, kann das nun auch mit einem UPC-Anschluss tun. Wer Eishockey mag, hat neu via Blue-Box Zugriff auf Mysports.

Was für die Kunden eine gute Nachricht ist, könnte für die Profifussballer zum Problem werden. Weil die Sportarten nicht mehr exklusiv an einzelne Telekommunikationsfirmen gebunden sind, sinkt ihr Wert. Ein Insider sagt darum, er gehe davon aus, «dass sich die Preise zum Guten entwickeln». Zum Guten – das heisst aus Sicht der TV-Stationen, dass sie weniger bezahlen müssen.

Der Einfluss von Covid-19

In Deutschland unterzeichnete die Bundesliga mitten in der Pandemie einen TV-Vertrag, der eine Milliarde Euro weniger einbrachte als erhofft. SFL-Präsident Schifferle gibt sich trotzdem zuversichtlich, dass der Preis in der Schweiz nicht tangiert wird: «Jeder, der mitbietet, weiss, dass Corona irgendwann mal vorbei ist.»

Trugschluss: Geisterspiele machen TV-Abos nicht unbedingt attraktiver.
Trugschluss: Geisterspiele machen TV-Abos nicht unbedingt attraktiver.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Es könnte vermutet werden, dass die Pandemie mit ihren Geisterspielen dazu führt, dass Fussballspiele für TV-Stationen sogar attraktiver werden. Weil sich mehr Menschen Spiele oder Abos kaufen und damit die Einnahmen steigen. Doch da widerspricht Blue-Chefin Lässer vehement. Sie verweist darauf, dass ihren Kunden in den fussballfreien Monaten März und April die Gebühren erlassen wurden: «Diese Geste der Kulanz verursachte bei uns Mindereinnahmen in Millionenhöhe, welche durch ein geringfügiges Zuschauerwachstum infolge der Geisterspiele bisher nicht annähernd kompensiert werden konnten.»

Das Warten auf die Konkurrenz

Gross war die Hoffnung bei der Liga, dass für die aktuelle Vergabe der TV-Rechte neue Konkurrenten die Schweiz betreten würden. Sky zum Beispiel, Streamingdienste wie Dazn, Amazon Prime oder der Social-Media-Gigant Facebook.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich diese Firmen tatsächlich am Verfahren beteiligen. Trotzdem sagt Zahid Mustafi: «Es wird kaum neue Eintritte auf den Markt geben.» Mustafi schreibt an der Uni Lausanne eine Doktorarbeit über die Regulierung der Swiss Football League und stellt fest: «Netflix, Amazon sowie Facebook sind zwar sehr daran interessiert, einzelne Fussballspiele zu zeigen. Aber da geht es um die grossen Ligen – und nicht um die Schweiz.»

Und ein Anbieter wie Sky dürfte von der Schweizer Sprachenvielfalt abgeschreckt werden. Auch darum wirkt Lässer als Vertreterin des bisherigen Rechteinhabers Blue recht relaxt: «Wir können viel Swissness und eine Nähe bieten, die ein ausländischer Konkurrent nicht haben kann, bei dem die Spiele vielleicht aus einem Studio in München kommentiert werden.»

Die fehlende Attraktivität

Was Helmut Dietl allgemein zu Bieterverfahren feststellt, wirkt nur im ersten Moment paradox. «Der Verkaufspreis wird durch den maximalen Einsatz desjenigen definiert, der am zweitmeisten bietet», sagt der Professor des Center for Research in Sports Administration der Uni Zürich, «ich muss also als Verkäufer für jenen Käufer attraktiver werden, der am zweitmeisten zu zahlen bereit ist. Nur dann kommt es zu einem Bieterwettstreit.»

Die Super League müsste sich noch attraktiver präsentieren.
Die Super League müsste sich noch attraktiver präsentieren.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Die Liga hat in den letzten Jahren tendenziell das Gegenteil gemacht. Sie hat sich hübsch gemacht für den aktuellen Rechteinhaber. Zum Beispiel, indem sie mehrfach eine Ligenreform abgelehnt hat. Ganz so, wie sich das Blue gewünscht hat, wie Programmchefin Lässer offen zugibt: «Wir haben uns wiederholt für den Beibehalt der Ligastruktur ausgesprochen, weil wir davon überzeugt sind, dass das Wettbewerbsformat das bestmögliche ist.»

Forscher Mustafi meint dazu: «Die Chefs der Schweizer Clubs sind ziemlich konservativ. Das ist mit ein Grund, warum der Schweizer Clubfussball für die TV-Stationen nicht attraktiver werden kann. Es fehlt vielleicht etwas Unvorhergesehenes, Wildes.»

Die Hoffnung der Liga

Diese Woche wurde bekannt, dass die Credit Suisse die Raiffeisen als Namenssponsor der Super League ablösen wird. Bei der Liga gilt das als Zeichen dafür, dass der Schweizer Clubfussball attraktiv bleibt.

Zudem ist mit der CH-Media-Gruppe ein neuer Anbieter auf dem Markt. Sie hat sich 23 Partien der Champions League für ihre Sender 3+ und TV24 gekauft und will weiter in Fussball investieren. Roger Elsener, Chef der TV-Sparte von CH Media, sagt: «Wir sehen, dass Sportrechte bei uns funktionieren und wir sie refinanzieren können.»

Schliesslich ist da noch Ringier, das für sein frisch lanciertes Blick TV exklusiven Inhalt gut gebrauchen könnte. Und das mit Steffi Buchli eine Frau mit viel Fernsehwissen zur Sportchefin ernannt hat.

Das Problem aus Sicht der SFL: Ringier und CH Media sind im Free-TV unterwegs. Die grossen Summen werden aber im Pay-TV verdient.

1 Kommentar
    Ralf Kiy

    Bleibt zu hoffen,dass sich die Mindereinnahmen durch die TV-Rechte auch irgendwann auf die Gehälter niederschlägt,denn wenn man ehrlich ist,so attraktiv ist die Super League auch wieder nicht,nicht einmal national,was sich auch in den Zuschauerzahlen im Stadion wiederspiegelt.Und was DAZN Schweiz angeht,dort wird noch nicht einmal CL und EL gezeigt,sondern derzeit nur BL und La Liga.Und das alles nur wegen irgendwelcher Rechte.Auch die Aussage von Schifferle "Jeder, der mitbietet, weiss, dass Corona irgendwann mal vorbei ist." steht auch nicht grad auf festem Fuss.So schnell wird uns Corona ganz sicher nicht verlassen,zumindest nicht diese Fussballsaison und mit den derzeitigen Konzepten.Bleibt schlussendlich zu hoffen,dass die CH-Media Gruppe sich ein paar CL-Spiele pro Saison kaufen kann,damit man wieder was im Free-TV zu sehen bekommt,zusätzlich zum SRF.Dann kann ich auch noch ganz gut mit der vielen Werbung leben.