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Zukunft des Pfauen in ZürichDer 94 Jahre alte Saal soll weg

Aussen alt, innen modern: Der Stadtrat will das Schauspielhaus umfassend erneuern. SVP und AL wehren sich gegen den geplanten Abriss.

Der historische Pfauen-Saal aus dem Jahr 1926. Der Stadtrat hält ihn für nicht mehr zeitgemäss.
Der historische Pfauen-Saal aus dem Jahr 1926. Der Stadtrat hält ihn für nicht mehr zeitgemäss.
Foto: Thomas Egli

In zehn Jahren soll es Premiere feiern, das rundum erneuerte Schauspielhaus am Heimplatz. Von aussen wird das Gebäude fast gleich aussehen wie heute. Innen hingegen liesse sich der Pfauen nicht wiedererkennen, fast alles wäre neu: die Bühne, der Saal, das Foyer. So will es zumindest der Stadtrat. Bereits vor zwei Jahren präsentierte er den Ersatz des Innenraums als beste Lösung für den Pfauen. Ein bedeutender Teil der historischen Bausubstanz, darunter der Saal aus dem Jahr 1926, müsste dafür abgerissen werden.

Die geplante Zerstörung stiess auf Widerstand. Der Heimatschutz protestierte. Der Gemeinderat forderte die Stadtregierung dazu auf, sanftere Ansätze zu prüfen. Dies hat sie nun nachgeholt. Und ist dabei zum gleichen Resultat gekommen.

«Wir haben uns nicht leichtfertig entschieden», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) am Mittwoch an einer Pressekonferenz auf der Pfauenbühne. «Wir sind stolz auf das historische Erbe dieses Hauses.» Es wäre aber falsch, den Pfauen als museales Theater zu verstehen. Die Aufführungen darin seien immer zeitgenössisch gewesen. «Damit sich der Pfauen entwickeln kann, braucht es diesen Eingriff», sagte Mauch.

Auch die Haustechnik gilt als veraltet.
Auch die Haustechnik gilt als veraltet.
Foto: Thomas Egli

Unbestritten ist: Das Gebäude aus dem Jahr 1889 benötigt eine Sanierung. Die Haustechnik befindet sich in einem schlechten Zustand. Ein Teil des Publikums hört und sieht nur ungenügend, was auf der Bühne läuft. Im Foyer und hinter der Bühne wird es schnell eng. «Ich kenne kein Theater, das so viele bauliche Probleme hat», sagte Nicolas Stemann, Co-Intendant Schauspielhauses.

Man habe breit abgeklärt, was es brauche, um eine «Guckkastenbühne» wie den Pfauen im 21. Jahrhundert erfolgreich betreiben zu können, sagte Corine Mauch. Aufgrund dieser Voraussetzungen spielte der Stadtrat unterschiedlichste Szenarien durch. Die drei radikalsten verwarf er relativ schnell: einen Neubau am bisherigen Ort (zu ahistorisch), einen Neubau an einem anderen Ort (die Lage am Heimplatz ist zu gut) und eine historische Rekonstruktion des heutigen Gebäudes (widerspricht dem Denkmalschutz).

115 Millionen Franken kostet es

Genauer untersuchen liess er vier Sanierungsvarianten innerhalb der bestehenden Blockrandbebauung. Bei der sanftesten wäre die heutige Raumaufteilung gleich geblieben. Zur Auswahl stand auch, die Pfeiler im Saal zu entfernen, um die Sicht zu verbessern. Drei Varianten hätten einen Teil der historischen Innenräume erhalten. Der Stadtrat bevorzugt die vierte Möglichkeit, die eine komplette Neugestaltung vorsieht.

«Bei den anderen Varianten wären viele der heutigen Nachteile bestehen geblieben», sagte Hochbauvorsteher André Odermatt (SP). Eine umfassende Erneuerung schaffe die besten Bedingungen für künftige Besucherinnen und die 300 Angestellten des Schauspielhauses. Saal und Bühne könnten optimal aufeinander abgestimmt werden, alle Zuschauer profitierten von guter Sicht und guter Akustik. Mit 115 Millionen Franken komme der Neubau sogar ein wenig günstiger als die sanfteren Sanierungsvarianten. Auch der Verwaltungsrat des Schauspielhauses hat sich «vorbehaltlos» dahintergestellt.

Die Zerstörung des Saals aus dem Jahr 1926 bedauert der Stadtrat. Der Pfauen bleibe dennoch ein «Erinnerungsort», sagte André Odermatt. Für einen solchen brauche es nicht unbedingt das alte Gebäude, das Erbe lasse sich auch anders vermitteln.

Dies bestreitet der Zürcher Heimatschutz. «Der Pfauensaal hat dank seiner herausragenden Geschichte eine magische Aura. Die lässt sich unmöglich ersetzen», sagt Vizepräsidentin Lydia Trüb. Der Saal ermögliche auch nach wie vor sensationelle Inszenierungen. Ein Abriss bedeutete einen «Akt der Ignoranz». Die beste Lösung sei eine sorgfältige Sanierung.

Dafür kämpft der Heimatschutz auf dem Rechtsweg. Um den Abriss zu ermöglichen, strich der Stadtrat 2018 den Inventarschutz, unter dem der Pfauen steht. Der Verband hat Rekurs erhoben. «Wir glauben, dass wir gute Karten haben», sagt Lydia Trüb. Das Vorhaben des Stadtrats könnte zudem Ziel von Baurechtsrekursen werden, weil der neue Saal höher werden soll als das bisherige Gebäude.

Widerstand von links und rechts

Auch die Zustimmung aus der Politik hat der Stadtrat nicht auf sicher. Den Projektierungskredit von 13,9 Millionen Franken muss der Gemeinderat bewilligen, SVP und AL haben bereits Widerstand angekündet. Die SVP will sich «vehement» für den Pfauensaal einsetzen, der an die geistige Landesverteidigung erinnere. Andere Parteien wie SP und FDP haben noch keine Position festgelegt.

Sagt der Gemeinderat Ja, wird die Bevölkerung entscheiden, ob sie den Saal behalten möchte. Frühestens 2024 kommt es zur Volksabstimmung.

bat

52 Kommentare
    Geneviève

    In diesem Saal lebt die Seele des Pfauentheaters. Die historische Hülle eines Hauses ist immer nur die Hülle - ein Denk-Mal lebt aber vom Inneren auch und vor allem. Was geschehen ist, ist in diesem Saal geschehen, der im übrigen auch architektonisch bemerkens- und erhaltenswert ist als Zeugnis seiner Zeit.

    Und wenn die Schauspieler richtig sprechen gelernt haben, versteht man sie auch! Ich habe noch Persönlichkeiten wie Therese Giehse und Maria Becker dort gehört - ihre Stimme drang unmissverständlich bis in die hintersten Winkel.

    Es ist nicht das erste Mal, dass die Präsidialabteilung ein Gespür für das Atmosphärische vermissen lässt. Es tauchen etwa Erinnerungen auf an die Diskussionen anlässlich der Rettung des Strauhofs, die zum Glück geglückt ist. Möge dasselbe Glück dem Pfauentheater beschieden sein.