Zum Hauptinhalt springen

Neue Biografie zu Henry KissingerDer Beinahe-Präsident

Ein Buch kratzt am Mythos des legendären amerikanischen Aussenministers. Und zeigt auf, was der gebürtige Deutsche mit Donald Trump gemeinsam hat.

Angekommen im Zentrum der Macht: Henry Kissinger in seinem Büro im Weissen Haus. Im Hintergrund der undatierten Aufnahme eine Fotografie von Richard Nixon.
Angekommen im Zentrum der Macht: Henry Kissinger in seinem Büro im Weissen Haus. Im Hintergrund der undatierten Aufnahme eine Fotografie von Richard Nixon.
Foto: Keystone

Henry Kissinger konnte sich seinen Lebenstraum nicht erfüllen, er war am falschen Ort zur Welt gekommen. Geboren 1923 im bayrischen Fürth und nicht in den USA, versagte ihm die amerikanische Verfassung, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Kein US-Politiker ausländischer Herkunft ist dem höchsten amerikanischen Amt jedoch so nahe gekommen wie Kissinger. «Er führte ein Leben für die Macht», schreibt der Hamburger Historiker Bernd Greiner in seiner neuen Biografie über den Aussenminister der Regierungen Nixon und Ford.

Heinz Alfred Kissinger wuchs zur Zeit des Nationalsozialismus auf. Die Familie litt ab 1933 unter den antisemitischen Diskriminierungen. Der junge Heinz, ein begeisterter Leser historischer Schmöker, durfte nicht aufs Gymnasium und musste mit der sogenannten Israelitischen Realschule vorliebnehmen. Wenigstens fand der fussballbegeisterte Bub Mittel und Wege, um die Matches der Spielvereinigung Fürth zu besuchen. Kissinger hält dem Verein bis heute die Treue. Er war 14 Jahre alt, als die Familie 1938 nach Amerika floh, kurz vor der Reichspogromnacht, also gerade noch rechtzeitig. 30 Männer, Frauen und Kinder der Familie starben später in den Gaskammern.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.