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Pop-BriefingDer Boss macht im Studio kurzen Prozess

Bruce Springsteen hat sein neues Album in nur fünf Tagen aufgenommen. Ausserdem: Ein DJ, der im Heissluftballon spielt.

Bruce Springsteen am 31. Juli 2016 im Letzigrund, Zürich.
Bruce Springsteen am 31. Juli 2016 im Letzigrund, Zürich.
Foto: Doris Fanconi

Das muss man hören

The Flaming Lips – American Head

Bei Veröffentlichungen der Flaming Lips sollte man ja stets auf alles gefasst sein, nur nicht auf Konformität. In dieser Hinsicht überrascht «American Head», denn es ist erstaunlich konventionell. Dabei natürlich nicht anspruchslos: Selbstvergessene Poppigkeit und verträumter Neofolk treffen auf Americana mit einem wohldosierten Schuss Experimentierfreudigkeit. Die Band ruht in sich selbst.

Doves – The Universal Want

Wenn eine Band das erste Album seit über einer Dekade veröffentlicht, sind die Erwartungen und damit die Fallhöhe naturgemäss hoch. Doves, die mit «Pounding» immerhin eine Hymne der Nullerjahre geschrieben haben, dürften sich dessen bewusst gewesen sein. Den Fall federn sie gekonnt ab, indem sie den Fans das geben, was sie wohl erwarten: die gewohnte Kost. Shoegaze-Rock auf hohem Niveau, allerdings fast ohne Gimmicks und Überraschungen. Das muss nicht schlecht sein, ist aber auch nicht der ganz grosse Wurf.

Sam Prekop – Comma

Das wahrscheinlich spannendste Album der Woche kommt von Sam Prekop, besser bekannt als Sänger und Gitarrist der amerikanischen Postrockband The Sea And Cake. Auf seinem mittlerweile fünften Soloalbum «Comma» experimentiert er mit electroiden Loops und hypnotischen Ambient-Strukturen. Anspruchsvoll und nur selten tanzbar, aber stets unterhaltsam.

Gorillaz feat. Robert Smith – Strange Timez

Für ihren neusten Streich verpflichtet die halb virtuelle Supergroup Gorillaz niemand Geringeren als The-Cure-Sänger Robert Smith. Eine erfreulich schmissige Nummer.

Das Schweizer Fenster

Steiner & Madlaina – Wenn ich ein Junge wäre (Ich will nicht lächeln)

Das Zürcher Pop-Duo Steiner & Madlaina hat das zweite Album fertig. «Wünsch mir Glück» soll im kommenden Januar erscheinen, ein erster Gruss ist «Wenn ich ein Junge wäre (Ich will nicht lächeln)». Ein emanzipatorischer Song über Geschlechterrollen und was es bedeutet, als junge Frau in der männerdominierten Domäne Musik-Business ihren Weg zu gehen. Und dann kommt da dieser alternde, männliche Musikkritiker und bemängelt den Pfupf, der der Nummer fehlt, um als richtige Protest-Nummer durchzugehen. Qed.

Jeans for Jesus – Blatt im Wind

Jeans for Jesus ruhen nicht: Wenn die Begeisterung über das Album «19xx_2xxx_», welches Anfang Jahr erschien, grade etwas abzuklingen droht, beschenken uns die Berner mit einer neuen Single. «Blatt im Wind» bemüht die Hüften, wunderbar!

Buds Penseur & Melodiesinfonie – L’Espace Mental

Der Bieler Buds Penseur rappt auf «L’Espace Mental» über den herrlich verschobenen Beat von Melodiesinfonie. Die Aufnahmen zum dazugehörigen Video entstanden 2018 in Marokko.

Darüber wird gesprochen

Die Feuer in Kalifornien waren (neben dem tragischen Brand im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos) wohl das Gesprächsthema der vergangenen Woche; die Naturgewalt produziert Bilder, die direkt aus einem dystopischen Science-Fiction-Film stammen könnten. Die Idee war wohl auch Twitter-Nutzer Terry gekommen, der kurzerhand einige Drohnenaufnahmen mit dem Soundtrack zu «Blade Runner 2049» unterlegt. Die Musik von Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch passt perfekt.

Das blüht

Auf diese zwei Alben darf man sich im Oktober freuen: Bruce Springsteen hat mit der E Street Band «Letter to You» in nur fünf Tagen eingespielt. Der Titeltrack, der als erste Single veröffentlicht wurde, hört sich dementsprechend wie aus einem Guss an. Ein klassischer Springsteen, dem hier und da ein paar Sekunden weniger gutgetan hätten. Aber was will man meckern, wenn der Boss sich meldet?

Matt Berninger, seines Zeichens Frontmann der Band The National, hat sein erstes Soloalbum «Serpentine Prison» bereits mit einigen Auskopplungen angekündigt; «One More Second» ist die dritte Single. Musikalisch reduzierter als mit seiner Hauptband, bekommt Berningers eindringliche Stimme hier mehr Raum.

Das Fundstück

Kappadokien und Ballonfahren gehören irgendwie zusammen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die Franzosen von Cercle hier ein Set spielen lassen. Cercle lässt DJs an ungewöhnlichen Orten auftreten, diesmal ist es Ben Böhmer, der in der Gondel eines Heissluftballons aufspielt. Das Ganze ist zwar recht stimmig, aber ganz ehrlich: Man macht sich schon hier und da Sorgen um die prekär über dem Abgrund angeordneten Geräte.

Die Wochentonspur

Die wichtigsten Stücke der Woche in einer Playlist zusammengetragen. Mit einer neuen Single von Django Django und Everything Everything, die hier und da immer mehr wie Radiohead klingen.