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0:1-Niederlage gegen ServetteDer FCZ versäuft im Konjunktiv

Eine schlechte Leistung, ein Treffer kurz vor Schluss und kritische Fragen lassen Trainer Massimo Rizzo die Fassung verlieren.

Ein Symbolbild für den Zürcher Auftritt: Stürmer Blaz Kramer kann es nicht fassen.
Ein Symbolbild für den Zürcher Auftritt: Stürmer Blaz Kramer kann es nicht fassen.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Es hätte ein besonderer Moment werden können, ein Fest.

Die Spieler betreten den Rasen. Blauer und weisser Rauch steigt in den Himmel. Ein leicht angegrauter Mann betritt den Platz, er hebt die Hand zum Gruss, Konfettibomben explodieren, das Volk jubelt zu Tausenden. Club und Anhang sind sich wieder einmal ganz nah. Doch halt, doch nein, alles bloss eine Fantasie, die Realität (und Corona) steht ihr im Wege. Rückkehrer Blerim Dzemaili wird nicht unten auf dem Feld begrüsst. Stattdessen sitzt er hoch über dem Spielfeld in der Loge, dick eingepackt, mit einer Maske im Gesicht.

Blerim Dzemaili verfolgt das Meisterschaftsspiel gegen Servette.
Blerim Dzemaili verfolgt das Meisterschaftsspiel gegen Servette.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Er sieht wenig Erwärmendes. Überhaupt ist dieser FCZ-Sonntagnachmittag im Konjunktiv versoffen. Hätte der FC Zürich einen guten Tag erwischt und nicht so passiv Fussball gespielt, hätte Aiyegun Tosin nicht das leere Tor verfehlt und wäre Marco Schönbächler treffsicherer, dann hätte der FCZ Punkte geholt, den Anschluss an die Tabellenspitze gewahrt, und Trainer Massimo Rizzo hätte nach dem Spiel nicht die Fassung verloren.

Ein Glückstreffer als Dolchstoss

Stattdessen trifft Servette kurz vor Schluss, und das eher glücklich. Erst können Becir Omeragic und Fidan Aliti nicht klären, dann schiesst Moussa Diallo den Ball vermeintlich meterweit neben das Tor, weil aber Thimothé Cognat in der Schussbahn steht und ablenkt und Aliti das Abseits aufhebt, gelingt den Genfern der Siegtreffer. Und Trainer Rizzo muss nach der Partie ungewohnt kritische Fragen beantworten.

Die ersten pariert er mit seiner gewöhnlichen Art, höflich, ruhig, etwas floskelhaft. Doch die Bemerkung, dass im Spiel kein Plan erkennbar gewesen sei, und die Frage, welchen Matchplan er gehabt habe, lassen diesen gewöhnlich so höflichen, ruhigen, etwas floskelhaften Mann explodieren. Er schaltet auf Attacke, fragt in ziemlich barschem Ton, welches Spiel der Journalist gesehen habe? Er setzt Gegenfrage um Gegenfrage. Zorn und Frust sprechen aus ihm.

Hätte seine Mannschaft eine solche Hartnäckigkeit und Aggressivität auf den Platz gebracht, die Partie wäre wohl anders ausgegangen. Doch Rizzo durfte nicht mitspielen und musste zuschauen, wie der FCZ bereits zum zweiten Mal nicht so auftrat, wie der Trainer es ihm aufgetragen hatte. Stattdessen wirkte sein Team schwach und ohne Inspiration.

Der FCZ lässt sich wie gegen Luzern dominieren, hat kaum Ruhe im Spiel und sucht mit langen Bällen sein Glück. Weil aber nicht einmal die zweiten Bälle erobert werden (weil eben zu passiv), sind die Zürcher in der ersten Halbzeit vorwiegend mit Verteidigen beschäftigt. Das kann der FCZ, das weiss man, Genf kommt kaum gefährlich vor das Tor. Man weiss aber auch, dass Genf stark ersatzgeschwächt ist, dass der FCZ einen Ruhetag mehr zur Verfügung hatte und besseren Fussball spielen kann.

Clichy zeigt, wie es geht

«Die Niederlage ist verdient», sagt Captain Yanick Brecher, «wir haben 90 Minuten nichts für das Spiel getan.» Er bemängelt die eigene Einstellung, man wolle das analysieren.

Vielleicht hätte (Achtung Konjunktiv) es im Spiel einen gebraucht wie Blerim Dzemaili, etwas Ruhe und Erfahrung und Klasse. Was das ausmachen kann, sah man beim Gegner. Gaël Clichy spielt neuerdings bei Servette. Der 35-Jährige eröffnet das Spiel, dirigiert seine Mitspieler, er lobt und kritisiert. Clichy hat unter Guardiola gespielt, bei Manchester City und Arsenal, er zeigt das bloss mit seiner Körpersprache im Sinne von: Ich habe alles im Griff. Clichy wirkt wie ein Tranquilizer, ein Problemlöser. Beim FCZ fehlt so einer. Das Spiel ist hektisch, die Spieler fluchen und laufen falsche Wege. Sie finden sich nicht. Das wirkt: eben sehr planlos.

4 Kommentare
    Gerhard Freuler

    Zu gut deutsch ersäuft man. Man versuuft mur mundartlich. Wäre doch schön, würden die Herren Sportschreiberlinge mal handwerklich so beschlagen sein, wie die Fusswerker, die hier bewertet werden.