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Never Mind The Markets: Unfaire AltersvorsorgeDer gescheiterte Generationenvertrag

Während bei unserer AHV alle von den Leistungen des Nachwuchses profitieren, müssen Eltern grösstenteils alleine für die Kinder aufkommen. Das ist ungerecht und kann langfristig nicht funktionieren.

So funktioniert das AHV-Modell in ärmeren Ländern: Eltern sorgen für die Kleinen und im Gegenzug sorgt der Nachwuchs für die Eltern.
So funktioniert das AHV-Modell in ärmeren Ländern: Eltern sorgen für die Kleinen und im Gegenzug sorgt der Nachwuchs für die Eltern.
Foto: Getty Images

Worin besteht der monetäre Nutzen von Kindern? Diese Frage klingt heute fast schon unerhört. Das war nicht immer und ist auch heute nicht überall so. Kinder waren und sind in ärmeren Ländern noch immer wichtig für die Altersvorsorge. Es galt der sogenannte Generationenvertrag: Die Eltern sorgen für die Kleinen, solange sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst verdienen können, umgekehrt versorgt der Nachwuchs die Eltern, wenn diese altersbedingt nicht mehr arbeiten können.

Diese innerfamiliären Verträge wurden in entwickelten Ländern wie der Schweiz durch Institutionen der sozialen Absicherung abgelöst. Die AHV ist eine solche Institution. Die Jüngeren zahlen ein, was den Pensionierten ausbezahlt wird. Doch Jackie Bauer und James Mazeau, Ökonomin und Ökonom der UBS, haben in einer Kurzstudie zurecht auf einen problematischen Mangel dieser institutionellen Regelung im Vergleich zum ursprünglichen Generationenvertrag hingewiesen: Dieser sah vor, dass die Eltern die Kosten für ihre Kinder übernehmen, damit diese umgekehrt später für sie aufkommen. Jetzt aber profitieren in der AHV alle von den Leistungen des Nachwuchses im Arbeitsalter, ob jemand selber Kinder grossgezogen hat oder nicht. Und in der zweiten und dritten Säule können jene sich sogar besser absichern, die keine Kinder haben. Denn die Kosten für die Kinder tragen zum grössten Teil die Eltern.

Verzicht auf Einkommen und Vorsorge

Auch wenn der Kinderwunsch nicht allein davon abhängt, so spielen auch heute diese Kosten bei der Frage eine Rolle, ob und vor allem wie viele Kinder man haben will. Die Forschung bestätigt diesen Zusammenhang. Das Argument, wonach Kinder die Eltern derart glücklich machen, dass die Kosten egal sind, wird nicht gestützt. Einige Studien besagen sogar, dass Kinder das Glück der Eltern verringern.

Kostspielig sind Kinder für ihre Eltern nicht nur wegen ihrem Bedarf an Wohnraum, Speisen, Kleider und vielem mehr. Mindestens so bedeutsam sind die Opportunitätskosten. Wer sich der Erziehung vor allem widmet, verzichtet auf Einkommen, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und einen Teil der sozialen Absicherung, die in unseren Gesellschaften mit der Ausübung eines Vollzeitjobs verbunden sind. Diese Opportunitätskosten – der Verzicht auf Einkommen und Möglichkeiten – sind monetär gemessen umso grösser, je besser die absolvierte Ausbildung und die damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten sind. Weil es meist Frauen sind, die diese Opportunitätskosten auf sich nehmen, sind auch sie überdurchschnittlich beruflich und in der Vorsorge benachteiligt.

Mithilfe Kinderboom die AHV sichern?

So ist es wenig überraschend, dass in reicheren Ländern und innerhalb der Länder die besser Verdienenden in der Regel weniger Kinder haben (hier eine detailliertere Auseinandersetzung dazu). Wer Kinder grosszieht, kann zudem weniger als andere für das eigene Alter vorsorgen, leistet damit aber mehr als andere einen Beitrag, um die Institutionen der Altersvorsorge zu stützen.

Keine Lösung ist allerdings, Anreize für mehr Kinder zu schaffen, um etwa die künftig drohende Finanzierungslücke der AHV zu schliessen. Das macht auch die erwähnte UBS-Studie klar. Darin wurde errechnet, dass zur Sicherung der AHV 5 Kinder pro Frau über die nächsten Jahrzehnte nötig wären. Ein solches massives Bevölkerungswachstum wäre mit anderen gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Kosten verbunden. Aber auch abgesehen davon wäre es absurd, wenn der Staates in einem solchen Ausmass Geburten fördern würde, um die Altersvorsorge zu sichern. Die Überlegungen zeigen aber, dass die aktuellen Institutionen zur Umverteilung zwischen den Generationen wenig mit dem einstigen Generationenvertrag gemeinsam haben und dass neue und bessere Lösungen nötig werden, um den künftigen Finanzierungsbedarf der Altersvorsorge zu decken.

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17 Kommentare
    Josef Marti

    Das mit den 5 Kindern pro Frau ist kein Problem in einem klassischen Migrationsschneeballsystem wie der CH wo in wenigen Jahren die Bevölkerung um Millionen anwächst. Die Neuzugänger sind nämlich mehrheitlich junge Leute die noch gar nicht richtig im Erwerbsleben stehen. Wegen steigender Lebenserwartung wird für die jüngere Generation sowieso das Rentenalter deutlich erhöht.