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Der Grund liegt unter der Wasserlinie

Was fehlt einer Person, die Wasserball spielt? Unser Sportpsycho Patrick Frey weiss es.

Ich spreche in dieser Rubrik von dem, was Menschen dazu treibt, gewisse Sportarten auszuüben. Ich spreche hier also ab und zu auch von Fragmenten des Unbewussten, diesen Eisbergen auf dem Ozean unseres Bewusstseins. Ich muss deshalb die Frage klären, warum der internationale Wasserball bis in die 80er-Jahre eine fast reine Männerdomäne war und warum es offenbar die Männer waren, die den Frauen den Zugang zu diesem Sport ­verwehrten.

Beim flüchtigen Blick auf die blau glitzernde Wasseroberfläche und die 14 farbigen Badekappen scheint Wasserball der fröhlichste, fairste Sport der Welt zu sein. Mehr eine total genderneutrale Rangelei unter Jugendlichen als ein simuliertes Kriegsspiel, kein Fussball, wo es einst darum ging, den Schädel des besiegten Feindes ins Tor zu befördern. Aber über dem Wasser ist nicht unter dem Wasser. Mitnichten. Dort verbirgt sich, was den Wasserballfrauen aus Sicht der Männer fehlt: Denn Männerwasserball ist ein Spiel für 12 Spieler und 25 Bälle, einen grossen und 24 kleinere, vorausgesetzt, es liegen keine testikulären Anomalien vor.

Die entscheidende Regel beim Wasserball ist nämlich die, dass die Feldspieler den (grossen) Ball nur mit einer Hand halten dürfen. Die andere Hand beschäftigt sich – je nach Nähe des wachsamen Schiedsrichters – damit, den Gegner mit einem gezielten Zwick in die Nüsse kurzzeitig ausser Gefecht zu setzen.

Frauenwasserball ist ein schöner, körperbetonter Sport. Wasserball für Männer ist ein sadomasochistisch angehauchtes Blue-Balls-Festival.

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