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Grosser Auftritt am US OpenDieser Jungstar erinnert an Federer

Félix Auger-Aliassime deklassiert Andy Murray und ist auf gutem Weg, auf der Grand-Slam-Bühne den Durchbruch zu schaffen. Er hat einiges mit seinem Idol gemein.

Félix Auger-Aliassime hat den ehemaligen Weltranglistenersten Andy Murray in drei Sätzen besiegt.
Félix Auger-Aliassime hat den ehemaligen Weltranglistenersten Andy Murray in drei Sätzen besiegt.
Foto: Frank Franklin II (Keystone/AP Photo)
Der Kanadier ist erst 20-jährig, Murray ist 33 und hat drei Grand-Slam-Titel gewonnen.
Der Kanadier ist erst 20-jährig, Murray ist 33 und hat drei Grand-Slam-Titel gewonnen.
Foto: Frank Franklin II (Keystone/AP Photo)
 Auger-Aliassime kämpft nun um den Achtelfinal-Einzug. Sein Gegner ist entweder der Brite Daniel Evans oder der Franzose Corentin Moutet.
Auger-Aliassime kämpft nun um den Achtelfinal-Einzug. Sein Gegner ist entweder der Brite Daniel Evans oder der Franzose Corentin Moutet.
Foto: Frank Franklin II (Keystone/AP Photo)
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Mit elf kam Félix Auger-Aliassime erstmals ans US Open. Sie hatten Tickets fürs Arthur-Ashe-Stadium, und er schaute Andy Murray zu, wie er Feliciano Lopez in einem Drittrundenspiel vom Court fegte. Das war 2011. Am Donnerstag spielte der junge Kanadier erstmals selber in der grössten Tennisarena, die ohne Zuschauer gespenstisch anmutet, und ihm gegenüber stand ausgerechnet Murray.

Doch Auger-Aliassime, inzwischen 20-jährig und bereits die Weltnummer 21, liess sich davon nicht beeindrucken. Er deklassierte den Schotten in gut zwei Stunden 6:2, 6:3, 6:4 und gestand ihm, dem exzellenten Returnspieler, keinen einzigen Breakball zu.

Der Mann mit dem Doppelnamen, mit dem die Nordamerikaner ihre liebe Mühe haben, weshalb sie ihn meist einfach Félix oder FAA nennen, gilt schon seit längerem als ganz grosses Talent. Mit 14 gewann er auf der zweitklassigen Challenger-Tour als jüngster Spieler überhaupt ein Match. Vergangenes Jahr stiess er mit 18 in die Top 25 vor so früh hatte das letztmals Lleyton Hewitt geschafft. Er gilt als Prototyp des modernen Tennisspielers, ist athletisch und gross (1,93 Meter), schlägt wuchtig auf und pflegt ein aggressives Grundlinienspiel. Gegen Murray schlug er 24 Asse und 54 Winner.

Das US Open ist für Auger-Aliassime bisher ein Ort der gemischten Gefühle. Hier gewann er 2016 die Juniorenkonkurrenz, erlebte 2018 aber auch den bittersten Moment seiner noch jungen Karriere: Beim Grand-Slam-Debüt bei den Profis gegen seinen ein Jahr älteren Landsmann und Freund Denis Shapovalov musste er im dritten Satz wegen Herzrasens aufgeben und war untröstlich. Flushing Meadows, das frühere Sumpfgebiet, ist bekannt für seine feuchtheissen Bedingungen, und die machten ihm zu schaffen. Am Ende jenes Jahres unterzog er sich einem Eingriff, seitdem gab es keinen ähnlichen Vorfall mehr.

Hat Auger-Aliassime auf kleinerer ATP-Bühne schon grosse Siege, aber noch keinen Titel gefeiert (fünf Finalniederlagen), so hatte er sich an den Grand Slams bisher schwergetan. Vielleicht ist ja genau dieses aussergewöhnliche US Open das Turnier seines grossen Durchbruchs.

Er steht wie Shapovalov und Milos Raonic für die exzellente Tennisförderung im Land des Eishockeys. Und wie seine Kollegen hat er Migrationshintergrund: Sein Vater Sam Aliassime stammt aus Togo und brachte ihn als Fünfjährigen zum Tennis. Weil seine Eltern wollten, dass sich der kanadische Anteil auch in seinem Nachnamen widerspiegelt, wählten sie für ihn den Doppelnamen. Geboren in Montréal, wuchs Auger-Aliassime in Québec City auf. Seinen offiziellen Wohnsitz hat er wie viele Tenniscracks inzwischen in Monte Carlo.

Spenden für die zweite Heimat

Interessant sind seine Parallelen zu Roger Federer: Wie sein Idol, das ihn im Dezember 2017 zum Training in Dubai einlud, ist er am 8. August geboren. Mit 18 erreichte er im Februar ebenfalls seinen ersten ATP-FinalFederer in Marseille (gegen Marc Rosset), Auger-Aliassime in Rio De Janeiro. Beide verloren ihre Final-Premiere. Und beide unterstützen Bildung in ihrer zweiten Heimat: Auger-Aliassime spendet in dieser Saison für jeden Punkt, den er gewinnt, fünf Dollar an ein Bildungsprojekt in Togo. Ach ja, und beide besuchten in ihrer Jugend Klavierstunden.

Beim Kanadier, der ganz ordentlich spielt, wie er auch schon auf den sozialen Medien dokumentierte, haben diese allerdings einen nachhaltigeren Effekt gehabt. Federer verbrachte seine Zeit lieber beim Sporttreiben mit den Freunden als mit Üben, wie er einmal erzählte. Dafür ist er ein ganz ordentlicher Tennisspieler geworden.