Zum Hauptinhalt springen

Neue Regeln für Zürcher JägerDer Kantonsrat stärkt die Ökologie im Jagdgesetz

Gute Nachricht für Feldhasen. Sie dürfen in Zürich nicht mehr gejagt werden. Für hitzige Diskussionen sorgte die Frage, ob Ausländer Revieraufseher werden dürfen.

Der Kanton Zürich bekommt ein neues Jagdgesetz. Endlich, denn das geltende stammt aus dem Jahr 1929.
Der Kanton Zürich bekommt ein neues Jagdgesetz. Endlich, denn das geltende stammt aus dem Jahr 1929.
Foto: Alex Spichale (TA-Bildarchiv)

Zürich hat ein neues Jagdgesetz – nach 91 Jahren. Und nach einer fünfeinhalbstündigen Debatte mit 132 Voten im Kantonsrat. Dabei war es im Grundsatz nicht umstritten. Beat Bloch (CSP, Zürich), Präsident der vorberatenden Kommission für Wirtschaft und Abgaben WAK, erklärte am Montagmorgen, dass die Bedürfnisse der Wildtiere, der Erholungssuchenden und der Gemeinden, denen viel Wald gehöre, gut abgemischt worden seien. Er sprach von einem «zeitgemässen Gesetz».

Die Mischung gefiel nicht allen gleich gut. Insbesondere in Sachen Artenschutz gehen den einen die Bestimmungen zu weit, den anderen zu wenig weit. Das führte zu zahlreichen Anträgen, bei denen GLP und Grüne, meist unterstützt von SP, AL und EVP, sich in der Regel durchsetzten. «Wir brauchen nicht nur eine Regulierung der Wildbestände, sondern auch deren Erhalt», brachte Melissa Näf (GLP, Bassersdorf) deren Stossrichtung auf den Punkt.

Belohnung für Artenschutz

Die links-grüne Ratshälfte erreichte mit 88 zu 80 Stimmen, dass der Regierungsrat bei der Vergabe von Revieren einen ökologischen Leistungsausweis verlangt und dass der Pachtzins reduziert wird, wenn die Jagdgesellschaften sich für Projekte zugunsten des Arten- oder Lebensraumschutzes engagieren (Stimmenverhältnis 87 zu 77).

Mit 93 zu 71 Stimmen wurde zudem die Jagd auf gefährdete oder potenziell gefährdete Wildtiere verboten. Damit ist der Feldhase aus der Schusslinie. Auch legt die für die Jagd zuständige Direktion künftig für die einzelnen Jagdreviere Bestimmungen über den Lebensraum- und Artenschutz fest. «Ein Bürokratiemonster» werde damit geboren, fand Martin Hübscher (SVP, Wiesendangen). Seine Seite unterlag knapp mit 82 zu 86 Stimmen.

FDP und SVP erinnerten daran, dass die Bevölkerung vor zwei Jahren die Initiative Wildhüter statt Jäger deutlich abgelehnt hat. Sie forderten mehr Kompetenzen für die Gemeinden und verstärkte Massnahmen gegen Wildverbiss und Schäden an Drainagen und Flurwegen, die von Bibern oder Wildschweinen verursacht werden. Die CVP stand fast immer hinter den Anträgen von SVP und FDP.

Dürfen Ausländer Revieraufseher werden?

Die rote Linie zog die SVP bei dem Antrag, dass auch ein Ausländer oder eine Ausländerin mit Niederlassungsbewilligung das Amt der Revieraufsicht übernehmen können. Sie drohte das Gesetz abzulehnen, sollte dieser Antrag angenommen werden, denn es handle sich dabei um eine hoheitliche Funktion. «Es kann niemand ein Schweizer Recht oder Gesetz durchsetzen, der nicht Schweizer Staatsbürger ist», erklärte Ueli Bamert (SVP, Zürich).

Konkret gehe es vor allem um Deutsche oder Österreicher, die eine Beziehung zur Jagd haben, erklärte WAK-Präsident Bloch. Und Jasmin Pokerschnig (Grüne, Zürich) verwies auf die anderen Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen: ein guter Leumund, die Zürcher Jagdberechtigung, das Bestehen der entsprechenden Prüfung. «Verlassen Sie doch Ihr Revier», forderte sie. «Es geht darum, die Beste oder den Besten für dieses Amt zu bestimmen.»

Am Schluss stand es unentschieden 82 zu 82. Auch weil die EVP für einmal mit den Bürgerlichen stimmte. Der Ratspräsident Roman Schmid (SVP, Opfikon) kam zum Stichentscheid. Damit gilt: Nur Schweizer Bürgerinnen und Bürger können eine Revieraufsicht übernehmen.

Das sind die wichtigsten weiteren Regeln im neuen Jagdgesetz:

  • Die von Tierschutzorganisationen schon lange kritisierte Baujagd wird verboten. Dabei werden Hunde in Fuchs- oder Dachsbauten geschickt, um die Tiere ins Freie zu treiben.

  • Neu kann die zuständige Stelle der Baudirektion die Anzahl der Bewegungsjagden – darunter fallen auch Treibjagden – beschränken, um die Störung im Wald möglichst gering zu halten.

  • Explizit erwähnt wird der Schutz des Lebensraums, indem die Baudirektion kantonale Wildschongebiete und Wildkorridore ausscheidet. Dabei kann sie auch temporäre Wildruhezonen für bestimmte Gebiete ausscheiden. Sporttreibende oder Erholungssuchende dürfen diese vorübergehend nicht betreten.

  • Für Hunde gilt zwischen Anfang April und Ende Juli Leinenpflicht im Wald und am Waldrand.

  • Die zuständigen Jäger dürfen wildernde Hunde erlegen, wenn die Direktion die Halterin oder den Halter zuvor schriftlich verwarnt hat. Sie dürfen auch verwilderte Katzen, die sich mehr als 300 Meter vom nächsten Wohn- oder Wirtschaftsgebäude entfernt im Wald oder in einem Naturschutzgebiet aufhalten, erschiessen. Dies werde erfahrungsgemäss äusserst selten nötig sein, erklärte Baudirektor Martin Neukom (Grüne). In den letzten zehn Jahren sei dies etwa fünfmal vorgekommen.

  • Jagdreviere werden nicht mehr versteigert, sondern nach einem festen Preis vergeben.

  • Die Aus- und Weiterbildung der Jägerinnen und Jäger wird noch stärker gewichtet.

Die Schlussabstimmung findet in etwa vier Wochen in der zweiten Lesung statt.

5 Kommentare
    Renato Re

    Warum keine Ausländer? Ist doch absolut idiotisch, typisch SVP Ausländerhass!

    Lieber einen ausgewiesenen Waidmann mit Fachkenntnissen im Job als einen Stammtischkocker der nichts versteht!