Der König muss passen

Der Schwingerkönig Kilian Wenger verpasst als Titelverteidiger das Berner «Kantonale» – dafür will er in Zug nochmals angreifen.

Die Saison von Kilian Wenger war ein Auf und Ab. Doch der 29-jährige Diemtigtaler gewinnt den Niederlagen auch Positives ab.

Die Saison von Kilian Wenger war ein Auf und Ab. Doch der 29-jährige Diemtigtaler gewinnt den Niederlagen auch Positives ab. Bild: Christian Pfander

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Kilian Wenger, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihrem linken Knie?
Eigentlich nicht schlecht. Bänder und Meniskus – also alles, was ganz sein muss – sind ganz. Ich habe eine kleine Zerrung am Oberschenkelansatz und im Bereich der Kniescheibe. Ich kann das Knie noch nicht schmerzfrei durchstrecken, aber es ist stabil.

Deshalb werden Sie am Sonntag nicht zum Berner «Kantonalen» antreten. Wäre es unmöglich zu schwingen?
Ich könnte zumindest nicht schmerzfrei schwingen.

Kommen wir zur zweitwichtigsten Frage: In zwei Wochen findet das «Eidgenössische» statt – machen Sie sich Sorgen?
Im Gegenteil! Ich bin sehr zuversichtlich. Ich möchte nächste Woche wieder ins Sägemehl steigen und bin überzeugt, dass mein Knie in Zug top sein wird.

Die beiden letzten Berner «Kantonalen» konnten Sie gewinnen. Heuer ist das Teilverbandsfest der letzte Prüfstein vor Zug. Ärgert es Sie, verpassen Sie die Hauptprobe?
Klar hätte ich in Münsingen sehr gerne geschwungen, als Titelverteidiger sowieso. Aber bekanntlich findet in diesem Monat noch ein wichtigeres Fest statt, weshalb sich die Enttäuschung in Grenzen hält.

Sie haben in diesem Jahr acht Kranzfeste bestritten, eines gewonnen – aber auch einmal den Kranz verpasst. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?
Es war ein Auf und Ab. Am Schwarzsee hatte ich einen Taucher, dann kam ein kleiner Steigerungslauf. Ich hoffe, dass ich den Schwung von zuletzt mitnehmen kann.

Was auffällt: Sie haben dieses Jahr nur drei «Eidgenossen» bezwungen. Wurmt Sie das?
Ja, sicher. Aber zuletzt traf ich auf dem Weissenstein (Samuel Giger, die Red.) und auf dem Brünig (Pirmin Reichmuth) auf zwei Topfavoriten für das «Eidgenössische». Klar hätte ich mir mehr erhofft, aber ich habe gegen sie länger nicht mehr geschwungen. Deshalb hoffe ich auf ein zweites Aufeinandertreffen.

Können Sie von diesen zwei Duellen etwas mitnehmen?
Auf jeden Fall. Ich weiss nun, wie sie schwingen. Sollte ich in Zug gegen einen der beiden eingeteilt werden, ist das von Vorteil.

Schwingen Sie gegen «Eidgenossen» anders?
Eigentlich nicht. Aber gegen die beiden bin ich gar nicht erst ins Schwingen gekommen. Es ging relativ schnell. Sie waren klar besser.

Experten sagen: Kilian Wenger ist manchmal zu lieb. Teilen Sie diese Meinung?
Beim Videostudium denke ich zuweilen schon: Jetzt müsstest du einen Zacken aggressiver sein. Das ist meine Baustelle, da arbeite ich dran. Ich denke aber, bis auf die ersten Gänge ist mir das zuletzt relativ gut gelungen.

«Beim 
Videostudium denke ich zuweilen schon: Jetzt müsstest du einen Zacken aggressiver sein.»

Wie kann man böser werden?
Wenn du nur greifst, aber nichts machst, kannst du nicht gewinnen. Es ist ein Abwägen: Wie viel Risiko nimmst du in Kauf? Gehe ich rein und ziehe in einer Minute zehnmal, wovon es achtmal nichts bringt? Oder gehe ich taktischer vor, warte 30 Sekunden ab und ziehe, aber weiss dann, dass es gut kommt? Das ist der Unterschied zwischen Jugend und Routine. Der Routinier zieht weniger oft.

Sie arbeiten mit einem Mentaltrainer zusammen. Wie wichtig ist er für Sie, gerade im Hinblick auf das «Eidgenössische»?
Mentaltraining ist für mich Fleissarbeit, so wie das Kraft- und Schwingtraining. Es ist für mich ein fester Bestandteil der Wettkampfvorbereitung. Natürlich liegt der Fokus nun ganz auf dem Fest in Zug, weshalb ich auch in diesem Bereich einen Steigerungslauf gemacht habe.

Kann Ihr Mentaltrainer Ihnen helfen, böser zu werden?
Er kann mich unterstützen, wenn es darum geht, die Gedanken entsprechend zu setzen.

Sie haben in jeder Saison mindestens ein Kranzfest gewonnen. An den eidgenössischen Anlässen aber ging es seit Ihrem Triumph 2010 nicht mehr auf. Hadern Sie damit?
Irgendwie denkst du dir manchmal schon: Warum? Es ist mein grösster Wunsch, an einem Anlass mit eidgenössischem Charakter nochmals ganz vorne dabei zu sein. Ich will dranbleiben und daran glauben.

Könnte es dieses Jahr für Sie nochmals aufgehen?
Es gibt ein paar Topfavoriten. Das Feld jener, die für den Titel infrage kommen, ist breit. Für uns Berner hat sich die Situation verändert, wir sind von Gejagten zu Jägern geworden. Das kann durchaus eine positive Wirkung auf den Festverlauf haben.

Wobei Sie und Ihre Kollegen am Brünig gegen die Innerschweizer bös untendurch mussten ...
… wir sind alle Menschen. Am Brünig ging das eine oder andere nicht auf. Dann gab es ein paar strittige Entscheidungen, die auch zu unseren Gunsten hätten ausfallen können. Es sind kleine Dinge, die manchmal den Festverlauf beeinflussen können. Klar hätten wir am Brünig mehr erwartet, dieser Auftritt hat den Stand der Dinge aufgezeigt. Aber: Nun sind bis auf meine Wenigkeit wieder alle Berner gesund.

Was ist Ihr Ziel für Zug?
Ich will mit den Besten mithalten und am Sonntagabend sagen können: Ich habe alles gegeben.

Zumindest einen Vorteil hat Ihre Verletzungspause: Nun haben Sie noch etwas mehr Zeit für Ihre Tochter.
(lacht) Genau.

Was hat die kleine Mena Léanne in Ihrem Leben verändert?
Wenn du deine Tochter auf dem Arm hältst, macht dich das sehr stolz. Bist du zu Hause, dreht sich alles um sie. Aber das ist gut so, das wollten wir so.

Haben sich die Prioritäten verschoben?
Ich würde nicht sagen verschoben, aber du musst halt alles noch ein bisschen genauer planen, das ist zuweilen eine Herausforderung. Damit ich auch mal hüten kann, meine Freundin Zeit für sich hat. Mir ist sehr wichtig, dass ich Zeit mit meiner Tochter verbringen kann.

Erstellt: 09.08.2019, 07:05 Uhr

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