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Linus Looser macht KarriereDer Kronprinz der SBB

Der 40-jährige Zürcher Linus Looser übernimmt den zweitwichtigsten Posten im Konzern. Er ist gut ausgebildet und ehrgeizig. Und er hat die Belegschaft schon einmal vor den Kopf gestossen.

Die neue Nummerm zwei: Linus Looser, seit 2007 bei den Schweizerischen Bundesbahnen.
Die neue Nummerm zwei: Linus Looser, seit 2007 bei den Schweizerischen Bundesbahnen.
Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

Natürlich planten die SBB im Sommer 2019 nicht, den damals 38-jährigen Linus Looser ins kalte Wasser zu werfen. Er war wenige Monate zuvor Chef der Bahnproduktion mit über zehntausend Mitarbeitenden geworden, als in seiner Abteilung ein Zugchef in Baden AG von einer Zugtür eingeklemmt wurde. Der anfahrende Zug schleifte ihn mit. Der Mann starb.

Von einem Bruch zwischen Belegschaft und Konzernführung war die Rede, vom Unverständnis der Managerkaste für die Büezer an der Front. Und dann kam Looser: In einem internen Schreiben und einem Fernsehinterview warf er den Angestellten implizit vor, sich nicht an vorgeschriebene Prozesse zu halten – dass der Tote also selbst für das Drama verantwortlich sei.

Die Bähnlerseele kochte. Looser schien im kalten Wasser keineswegs souverän zu schwimmen. Aber er ging nicht unter, richtete sich die Wut doch grösstenteils gegen den damaligen CEO Andreas Meyer. Manchmal reicht das schon.

Auffällig ist, dass der SBB-Verwaltungsrat mit Looser den Anteil der klassischen Manager in der Konzernleitung wieder erhöht.

Keine zwei Jahre später nämlich erklimmt Looser die nächste Sprosse in der Karriereleiter. Vergangene Woche haben die SBB verkündet, dass sie die Abteilung Personenverkehr in die Bereiche Markt und Produktion aufteilen.

Die Marketingspezialistin Véronique Stephan kommt von aussen. Sie wird sich im Bereich Markt um die Digitalisierung und die Preis- und Sortimentsgestaltung kümmern. Linus Looser übernimmt ab Mai die Produktion, also die Personenbeförderung mit Zügen, das historische Kerngeschäft der SBB. Er ist damit hinter CEO Vincent Ducrot die Nummer zwei im Konzern. 40-jährig ist er erst und hat noch viel Zeit, es ganz an die Spitze zu schaffen.

Looser (2. v.r.) nach dem Tür-Drama vom Sommer 2019 zwischen Andreas Meyer, Personenverkehrsleiter Toni Häne und Patrick Hadorn, Leiter Sicherheit und Qualität (v.l.).
Looser (2. v.r.) nach dem Tür-Drama vom Sommer 2019 zwischen Andreas Meyer, Personenverkehrsleiter Toni Häne und Patrick Hadorn, Leiter Sicherheit und Qualität (v.l.).
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Dass er den Ehrgeiz dazu hat, scheint offensichtlich: Mit 26 stieg er 2007 bei den SBB als Trainee ein, wurde schon zwei Jahre später Chef der Bahnproduktion Zürich und behielt den Zweijahresrhythmus bei Beförderungen seither ziemlich konstant bei.

Wie ein Blick auf sein öffentliches Facebook-Profil zeigt, führt der junge Mann aus Adliswil im Zürcher Sihltal ausserdem ein intensives Privatleben: Er fährt oft in die Berge und hat zwei kleine Töchter. Gefragt, wie er diese steile Karriere und die Familie unter einen Hut bringe, lässt Looser über die SBB-Medienstelle ausrichten: «Durch die grosse Unterstützung meiner Frau und des gesamten Umfelds.» Am Wochenende nehme er sich bewusst Zeit, um mit der Familie abzuschalten. «Sie ist für mich Inspiration und Energiequelle.»

Schnellbleiche in Harvard

Auffällig ist, dass der SBB-Verwaltungsrat mit Looser den Anteil der klassischen Manager in der Konzernleitung wieder erhöht. Toni Häne, den er ersetzt, ist ein Bähnler von echtem Schrot und Korn, machte vor einem halben Jahrhundert seine Lehre im Stationsdienst im St. Galler Rheintal. CEO Ducrot hat an der EPFL Elektroingenieur studiert.

Looser dagegen gleicht vom Profil her eher Ducrots umstrittenem Vorgänger Meyer, der die Eliteuni Insead nahe Paris besuchte: Er hat an den Universitäten Zürich und St. Gallen Management studiert. Zudem hat er 2018 für mehrere Tausend Franken eine einwöchige Schnellbleiche in Digitalstrategien in Harvard gemacht.

Die Spitzenunis, die für den Topjob nötig scheinen, kann sich Looser also ins CV schreiben. Und dass er sich schon einmal die Finger mit ungeschickter Krisenkommunikation verbrannt hat, kann auch als Vorteil ausgelegt werden. In seinem Alter ist man schliesslich noch lernfähig.

25 Kommentare
    Alexandra Halbheer

    Aber nicht Erwähnt wird, dass es seit seiner Strategie soviel Unzufriedenheit und Abgänge wegen Burnout (ich inklusive) wie noch nie im Personal gibt.