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Investor in LauerstellungDer letzte Kampf um die MCH Group

Die beiden Basel sowie der Kanton und die Stadt Zürich sind beim Versuch, einen national und international tätigen Messe- und Kongresskonzern zu betreiben, gescheitert.

Die Baselworld war lange Zeit die ertragsstärkste Messe in Basel. In diesem Jahr wurde sie beerdigt.
Die Baselworld war lange Zeit die ertragsstärkste Messe in Basel. In diesem Jahr wurde sie beerdigt.
Foto: Yvain Genevay, «Le Matin Dimanche»

Spätestens 2023, wenn eine Obligationenanleihe von 100 Millionen Franken fällig wird, dürfte die Basler MCH Group aller Voraussicht nach keine neuen Kreditgeber mehr finden. Die beiden Basel, die Stadt und der Kanton Zürich, die einen Aktienanteil von 49 Prozent halten, sind deshalb nicht mehr bereit, weitere Millionen öffentlicher Gelder in das marode Unternehmen zu stopfen. Vielmehr soll die drohende Zahlungsunfähigkeit im Rahmen einer Kapitalerhöhung verhindert werden. In die Bresche springt ein privater Investor.

Die Firmenrettung erfolgt im Schnellzugstempo. Bereits in den nächsten Tagen und Wochen, mit Sicherheit aber bis zu den Sommerferien werden in Basel und Zürich die Weichen für die MCH Group gestellt. Deren Wert hat sich in den letzten fünf Jahren dramatisch um 75 Prozent verringert.

Nun droht der MCH Group als Folge der Corona-Pandemie der Atem ganz auszugehen. Der Umsatz dürfte in diesem Jahr um bis zu 40 Prozent einbrechen, und die Reserven des Konzerns werden bald aufgebraucht sein. Die Durchführung der Art Basel steht weiterhin auf Messers Schneide, die einst ertragsstarke Uhren- und Schmuckmesse Baselworld wird nach dem Weggang grosser Uhrenmarken wie Swatch und Rolex in anderer Form in Genf stattfinden. Publikumsmessen wie die Muba oder Züspa wurden schon früher aus dem Kalender der Basler gestrichen, nachdem sich die Verluste gehäuft hatten.

Messestandorte Zürich und Basel langfristig sichern

«Die finanziellen Eckwerte der Gesellschaft präsentieren sich angespannt», heisst es in einer achtseitigen Botschaft des Basler Regierungsrats an den Grossen Rat. Aufgrund der Covid-19-Krise werde die Liquidität spürbar in Anspruch genommen. Während in Basel das Parlament über den Antrag der Regierung entscheidet, im Rahmen einer Kapitalerhöhung auf das Bezugsrecht für neue Aktien zugunsten des privaten Investors zu verzichten, liegt der Entscheid in Baselland beim Regierungsrat.

In der Stadt Zürich wird der Stadtrat im Rahmen einer Vorlage festlegen, in welcher Kompetenz es liegt, darüber zu befinden, ob neu private Investoren das Zepter bei der MCH Group übernehmen. Im Kanton Zürich ist die Ausgangslage offen. Die Kompetenzordnung entscheidet, abhängig vom Wert eines allfälligen Bezugsrechts, wie der Sprecher des Finanzdepartements, Roger Keller, bestätigt. Nach Informationen dieser Zeitung ist der Entscheid bereits gefallen. Die drei Kantone sowie die Stadt Zürich werden auf ihr Bezugsrecht verzichten und damit den Weg freimachen für neue Mehrheitsverhältnisse.

«Die Verhandlungen mit dem Investor sind fortgeschritten, aber noch nicht beendet», heisst es in der Basler Botschaft. Dieser wird nach der Kapitalerhöhung 30 Prozent der Aktien halten. Er muss lediglich eine Kröte in Form einer Sperrminorität schlucken. Diese sieht die Durchführung von rentablen Messen und Kongressen in Zürich und Basel über eine angemessene, längere Zeitperiode vor sowie Tätigkeiten im Life-Marketing-Bereich.

Die Katze im Sack kaufen

Um wen es sich beim Investor handelt, darüber schweigen sich die Kantone aus. Das dürfte insbesondere dann zum Problem werden, wenn das Basler Kantonsparlament dem Kuhhandel zustimmen sollte. Faktisch würden die Volksvertreter die Katze im Sack kaufen. Die ausserordentliche Generalversammlung der MCH Group, an der die Modalitäten der Kapitalerhöhung geregelt werden, findet nämlich erst zu einem späteren Zeitpunkt statt.

In einem zweiten Schritt soll der Grosse Rat einen weiteren Deal abnicken. Ein nachrangiges, zinsloses Darlehen des Kantons an die MCH Group in der Höhe von 30 Millionen Franken würde dann in Aktienkapital umgewandelt. Aus einer Forderung des Kantons gegenüber der MCH Group würde eine risikobehaftete Beteiligung.

Der Zürcher Erhard Lee war in der Vergangenheit der einzige grosse private Investor, der um mehr Einfluss in der MCH Group kämpfte. Er verwaltet nach eigenen Angaben Vermögen von 1,5 Milliarden Franken. Davon liegen 360 Millionen in einem Fonds. Mit diesem investiert er in Schweizer Firmenaktien. Rund fünf Prozent sind bei der MCH Group platziert. Mitte April hatte Lee gegenüber dieser Zeitung erklärt, dass er die MCH Group «schlachten» wolle, sodass die einzelnen Teile in grössere, professionelle Firmen integriert werden könnten. Die Hallen in Basel und Zürich würden so geöffnet für eine vielfältigere Nutzung, «statt zu 80 Prozent leer gehütet zu werden».