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Keine Heim-WM vor 2026Der nächste Schlag fürs Schweizer Eishockey

Weil die Dopingsperre gegen Russland halbiert wurde, kann die WM 2023 in Sankt Petersburg stattfinden. Sonst wäre die Schweiz noch so gerne eingesprungen.

Anfang Februar verbreitete das Maskottchen Cooly noch Vorfreude auf die Heim-WM – sieben Wochen später wurde sie abgesagt.
Anfang Februar verbreitete das Maskottchen Cooly noch Vorfreude auf die Heim-WM – sieben Wochen später wurde sie abgesagt.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

So explizit hatte es niemand ausgesprochen, denn schliesslich wollte niemand den russischen Bären reizen. Doch bei Swiss Ice Hockey hoffte man, die wegen der Corona-Pandemie abgesagte WM von 2020 bereits 2023 nachholen zu können. Denn weil die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) gegen Russland eine vierjährige Sperre wegen Staatsdopings verhängt hatte, war das Turnier 2023 in Sankt Petersburg auf der Kippeund die Schweiz hätte sich ideal geeignet, um einzuspringen.

Doch weil nun plötzlich alles nur halb so schlimm ist, die Sperre vom Internationalen Sportgerichtshof halbiert wurde, steht dem Eishockeyfest in der stolzen Hockeynation nichts mehr im Wege. Geplant wird in Sankt Petersburg der Bau des grössten Eishockeystadions weltweit mit über 22’000 Plätzen. Und die Schweizer haben erneut das Nachsehen. Auch sie hätten 2023 eine neue Halle als Hauptspielort bieten können: die Swiss-Life-Arena in Zürich-Altstetten, die im Spätsommer 2022 eingeweiht werden soll.

«Sechs Jahre später musst du wieder alles von Neuem beginnen. Auch, was das OK betrifft.»

Patrick Bloch, CEO Swiss Icehockey

Damit sind die nächsten fünf Turniere vergeben: an Minsk/Riga (wobei die Zweckehe politisch arg strapaziert ist), Helsinki/Tampere, Sankt Petersburg, Prag/Ostrava sowie Schweden und Dänemark. «Schade, wir hatten die Hoffnung gehabt, dass wir 2023 die Möglichkeit bekommen», sagt Patrick Bloch, der CEO von Swiss Icehockey. «Dann wäre unser WM-Projekt nur aufgeschoben gewesen. Aber sechs Jahre später musst du wieder alles von Neuem beginnen. Auch, was das Organisationskomitee betrifft.»

Swiss Icehockey gab im September bekannt, dass es nicht auf 2021 aspiriert, sich aber für die nächstmögliche WM bewerben möchte. Der offizielle Bewerbungsprozess hat noch nicht begonnen. Die Turniere ab 2026 werden an der WM 2022 in Helsinki vergeben. Die Chancen stehen gut, dass die Schweizer beim nächsten freien Termin 2026 zum Handkuss kommen. Doch das Jahr ist nicht ideal, weil da im Februar ja schon die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo stattfinden. Und WM-Turniere sind in Olympiajahren in der Regel weniger gut besetzt.

Josi wäre dann schon 35

Voraussichtlich werden also 17 Jahre liegen zwischen der WM 2009 in Bern und Kloten und dem nächsten Heimturnier. Eine halbe Ewigkeit. Wäre das Momentum in diesem Jahr sportlich beinahe optimal gewesen, so ist noch nicht abzuschätzen, wie sich das Schweizer Eishockey in den nächsten fünf Jahren international entwickelt.

Roman Josi, Norris-Trophy-Gewinner in der NHL, wird 2026 auch schon 35 sein. Die Goalies Leonardo Genoni und Reto Berra dürften mit 38 und 39 wohl schon zurückgetreten sein. Und Nationalcoach Patrick Fischer, der bis 2024 unterschrieb, müsste nochmals eine Vertragsverlängerung erhalten, um sein Team endlich an eine Heim-WM führen zu dürfen.

1 Kommentar
    Chris Fogg

    Der Entscheid die Straffe zu halbieren ist ein absoluter Witz! Wieder spielt das Geld eine wichtigere Rolle statt Fairness! Sehr sehr traurig. Es ist keine Abschreckung für solche Schurkenstaaten in Zukunft nicht wieder so etwas durchzuziehen.