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Überraschung bei Credit SuisseDer neue CS-Präsident heisst António Horta-Osório

Damit hat niemand gerechnet: Der Portugiese übernimmt das Steuer der zweitgrössten Schweizer Bank. Gleichzeitig droht ihr im Hypothekenstreit mit den USA eine Schadensersatzzahlung über 700 Millionen Dollar.

Der Kandidat für die Nachfolge von Urs Rohner: Der Portugiese António Horta-Osório.
Der Kandidat für die Nachfolge von Urs Rohner: Der Portugiese António Horta-Osório.
Foto: AFP

Eine der spannendsten Personalfragen des Finanzplatzes ist geklärt: António Horta-Osório soll neuer Präsident der Credit Suisse werden. Der Portugiese tritt damit die Nachfolge von Urs Rohner an – vorausgesetzt, er wird an der nächsten GV am 30. April 2021 von den Aktionären gewählt. Mit seinem Namen hat in den letzten Monaten wohl kaum jemand gerechnet. Erstmals steht damit ein Ausländer an der Spitze der zweitgrössten Schweizer Bank. Die Präsidenten beider Grossbanken stammen damit nicht aus der Schweiz, denn als UBS-Präsident amtet der Deutsche Axel Weber.

Der 56-jährige António Horta-Osório ist seit 2011 der Chef der britischen Lloyds Bank, der grösste Retail- und Geschäftsbank Grossbritanniens. Davor machte er bei der spanischen Bank Santander Karriere. Urs Rohner sagt zur Wahl seines Nachfolgers: «Ich bin überzeugt, dass António Horta-Osório mit seinem beeindruckenden Leistungsausweis einen wesentlichen Beitrag zum künftigen Erfolg unserer Bank leisten wird.»

Über zahlreiche Kandidaten wurde in den letzten Wochen spekuliert. So wurde etwa der Blackrock-Manager und Ex-SNB-Chef Philipp Hildebrand ins Spiel gebracht, auch CS-Verwaltungsrat Andreas Gottschling wurde als Kandidat gehandelt. Horta-Osórios Name tauchte nirgends auf. Aufs Erste scheint seine Kandidatur bankintern gut anzukommen. Ein ranghoher CS-Manager sagt: «Er hat einen guten Ruf als kluger Kopf und energischer Manager. So weit, so gut.»

Horta-Osório überwand Burn-out

Horta-Osório lebt derzeit in London, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er gilt als passionierter Tennisspieler und taucht gerne – am liebsten mit Haien, wie die britischen Medien berichten. In Grossbritannien hat sich der Bankmanager auch einen Namen gemacht, indem er sich für Kampagnen zu psychischen Problemen am Arbeitsplatz engagiert.

Er selbst habe während der Finanzkrise unter grossem Stress und Schlafproblemen gelitten. Der BBC sagte Horta-Osório: «Der mangelnde Schlaf führte nach und nach zur Erschöpfung und dann dazu, dass ich überhaupt nicht mehr schlief, was eine Form der Folter war, also musste ich mich damit befassen, und das habe ich getan.» Er hat sich damals eine Auszeit von acht Wochen genommen, um danach wieder zur Bank zurückzukehren.

Andererseits haften ihm auch die üblichen Probleme eines Top-Bankers an. So erntete er im britischen Parlament Kritik für sein hohes Gehalt. In der Folge wurde dieses Jahr sein Salär um 28 Prozent auf 4,7 Millionen Pfund gekürzt. Zudem wurde er für die Handhabung eines grossen Betrugsfalls scharf kritisiert, in den die Bank involviert gewesen war und der zur Inhaftierung von sechs Personen geführt hatte.

Diese Baustellen erwarten ihn

Horta-Osório wird die Frage beantworten müssen, ob die Investmentbank nicht immer noch aufgebläht ist. Sie wurde zwar in den letzten Jahren stark reduziert, ist im Vergleich mit der UBS aber noch immer gross. Das Investmentbank-Geschäft ist teils in der Schweiz-Einheit und teils im Asien-Geschäft angesiedelt.

Zudem dürfte er das Asset-Management auf den Prüfstand stellen. Gegenüber Grössen wie Blackrock hat das Business mit klassischen Aktienfonds einen schweren Stand. Laut Medienberichten könnte ein Minderheitsanteil der Sparte an die Börse gebracht werden, davor soll sie aber zuerst bessere Zahlen aufweisen.

Ära Rohner geht zu Ende

Seit neun Jahren ist Urs Rohner Verwaltungsratspräsident der zweitgrössten Schweizer Bank. Er folgte auf Hans-Ulrich Doerig. Davor war Rohner zwei Jahre lang Vizepräsident. Im nächsten Frühling tritt der 60-Jährige von seinem Posten ab, da dann die Amtszeitbeschränkung greift.

Seine Amtszeit endet bald: Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner.
Seine Amtszeit endet bald: Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner.
Foto: Anna-Tia Buss 

Rohner konnte in seiner Ära zweimal den Kandidaten für den Chefposten bestimmen. Für die Nachfolge von Brady Dougan setzte er 2015 auf Tidjane Thiam. Dieser sanierte die Bank, musste aber wegen seiner Verstrickungen in die Khan-Affäre gehen. Zwar stützte Rohner Thiam lange, doch wurde zu Beginn des Jahres der Druck auf die Chefetage zu gross. Im Februar wurde daher mit Thomas Gottstein der bisherige Schweiz-Chef der Bank zum CS-Chef ernannt, und Thiam musste abtreten.

Vor seiner Zeit im Aufsichtsgremium war Rohner Chefjurist der Credit Suisse, davor vier Jahre lang Chef des deutschen Medienkonzerns ProsiebenSat 1. Er ist der Partner der Unternehmerin Nadja Schildknecht. Was er für seine Zeit nach der CS plant, ist nicht bekannt.

Es droht eine 700-Millionen-Strafe

Zusammen mit dem neuen Präsidenten gab die CS bekannt, dass ihr Verfahren in den USA wegen Ramschhypotheken vor dem Abschluss stehe. Das zuständige US-Gericht hat nun offenbar den Schaden beziffert, daher droht der Bank eine Schadenersatzzahlung über 700 Millionen Dollar.

Die Bank teilt mit: «Obwohl die Credit Suisse der Ansicht ist, dass sie gute Gründe für eine Berufung hat, hat sie im Zusammenhang mit diesem Fall bereits in früheren Perioden Rückstellungen in Höhe von 300 Millionen Dollar gebildet.» In der Folge des Gerichtsentscheids dürften die RMBS-bezogenen Rückstellungen der Bank nun steigen.

43 Kommentare
    François Wiget

    Der Vorteil von ausländischen CEO's und Verwaltungsratspräsidenten ist, dass diese keine Rücksicht auf die hiesige Politik und Bevölkerung nehmen müssen und so hemmungslos einheimische ü50er durch preiswerte ausländische u35 ersetzen können und bei Bedarf auch den Hauptsitz ins Ausland verlegen. Noch nie in der Geschichte der Schweiz und in keinem Land der Welt hat die Wirtschaft einen so geringen Einfluss auf die Politik. Ausländische CEO's und VRP scheren sich einen Dreck, um die Schweiz und ihre Bevölkerung und das ist vielleicht sogar sehr gut so, weil es den Aktionärsinteressen besser dient.