AboZerschlagung der InvestmentbankDer Rückzug der Credit Suisse aus den USA
Vierzig Jahre Milliardenverluste, nun zieht sich die CS aus den USA zurück. Wie radikal, darüber streiten sich die Nostalgiker und die Realisten.

In gut einem Monat will der neue CS-Chef Ulrich Körner seinen Rettungsplan für die krisengeplagte Grossbank präsentieren. Zusammen mit den Beratern von Oliver Wyman arbeitet die neue Führung an radikalen Zielen zur Verkleinerung der Investmentbank. Der Verwaltungsrat, der in Singapur über Plänen brütete, konnte sich bis jetzt noch nicht auf den genauen Plan einigen, aber eines ist klar: In den USA wird zum Rückzug geblasen.
Zusammengespart werden soll bei der Grossbank weltweit, laut offiziellem Plan, vor allem die Investmentbank mit ihren 17’000 Angestellten. Wie genau, das sagt die Bank nicht, genauso wenig, wie sie zu den Sparmassnahmen Stellung nehmen will. Letzte Woche wurden gleich drei verschiedene Szenarien zum Stellenabbau herumgeboten: 3200 schrieb der «Blick», 4000 das «Handelsblatt» und 5000 die Nachrichtenagentur Reuters.
Während der «Blick» davon schrieb, dass ein Grossteil der Stellen in der Schweiz abgebaut werde, gehen die anderen Berichte von einem Kahlschlag in den USA aus. Das deckt sich mit den Informationen dieser Zeitung. Praktisch sicher ist, dass sich die CS vom Handel mit verbrieften Anleihen zurückziehen will.
Tausende Stellen in Gefahr
Das ist zwar eine der wenigen Einheiten, die in den letzten Jahren regelmässig Gewinn brachte – Insider sprechen von rund einer Milliarde jährlich –, aber das Geschäft hat nichts mit dem Private Banking zu tun, das künftig das Kerngeschäft der CS sein soll.
Zudem bindet die kleine Einheit viel Kapital. Allein auf dieses Geschäft gehen 20 Milliarden der rund 80 Milliarden risikobehafteten Aktiven zurück, die in der Investmentbank gebunden sind. Entsprechend viel Eigenkapital bindet das Geschäft auch.
Viel zu stark ist auch der Akzent, den die CS-Investmentbank im sogenannten Equity-Geschäft hat, wo es um Aktienhandel geht, und im Geschäft mit Fusionen. Wenn die Bank wirklich ihr Sparprogramm in der Investmentbank durchziehen will, dann wird wohl bis zu einem Drittel der Angestellten gehen müssen – also gut 5000. Das haben die bereits gemerkt: Die CS musste allein im zweiten Quartal 289 Millionen Franken für Sonderboni aufwerfen, damit das Geschäft nicht unkontrolliert zusammenbricht.
Das Sparprogramm reicht nicht
Mit dem aktuellen Sparprogramm verbunden sind zwei weitere Probleme: Erstens wird ein Kahlschlag in der Investmentbank massive Abschreiber auslösen – Insider sprechen von bis zu 6 Milliarden Franken. Darum geht der Kapitalmarkt inzwischen auch davon aus, dass die CS nochmals Kapital aufnehmen muss.
Zweitens fragt sich, ob das kommunizierte Sparprogramm überhaupt ausreicht. Körner hat Ende Juli angekündigt, dass die Kosten mittelfristig auf unter 15,5 Milliarden Franken gedrückt werden. Für das laufende Jahr geht das Geldhaus von rund 16,8 Milliarden Franken aus.
Allerdings handelt es sich dabei um sogenannte «normalisierte Kosten». Im Wesentlichen bedeutet dies, die Kosten ohne Skandale, Abschreiber und die damit verbundenen Rechtskosten. Die betrugen in den letzten vier Quartalen 2 Milliarden Franken, und es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass es damit vorbei ist. Hätte die CS heute bereits die rund 1,5 Milliarden Franken eingespart, sie würde immer noch eine Milliarde Verlust machen. Es wird also zwangsläufig ein weiteres Sparprogramm geben. Bei der CS will man dazu keine Stellung nehmen und verweist auf die offizielle Publikation Mitte Oktober.
Begonnen hat das US-Abenteuer der CS mit Rainer E. Gut und dem Einstieg bei First Boston vor über 30 Jahren. First Boston war das aggressivste aller US-Institute im Bereich Firmenübernahmen und -fusionen, Emissionen sowie im Wertschriften- und Devisenhandel. In den Boomzeiten der Achtziger sicherten sich seine Chefs die höchsten Saläre und erzielten die fettesten Renditen der Branche.
Dann kam der Absturz: Was mit einer ständig wachsenden Minderheitsbeteiligung begann, endete 1990 mit einer Notübernahme. An der Wallstreet kursierten Gerüchte, dass der Credit Suisse First Boston das Geld ausgehen könnte, weil sich die Trader mit Junkbonds und Risikokrediten verspekuliert hatten, also musste die CS einspringen. Das war für die CS-Aktionäre sehr kostspielig. 2 Milliarden mussten sie in die First Boston einschiessen.
Rainer E. Gut hingegen, der privat an der Bank beteiligt war, liess sich 1988 die Summe von 13,51 Millionen Dollar, damals rund 20 Millionen Franken, auf sein Privatkonto überweisen. Er gilt heute als einer der reichsten Männer der Schweiz.
An der Börse fiel die Übernahme durch. Bis Ende 1990 halbierte sich der Aktienkurs der CS Holding und erreichte mit 50 Franken einen neuen Tiefststand. Zehn Jahre später, und trotz Milliardenverlusten der First Boston im Russlandgeschäft, träumen Gut und sein Nachfolger Lukas Mühlemann von einem noch grösseren Einstieg ins US-Geschäft.
Aufräumarbeiten von 2001/2002 kosteten bereits 6500 Arbeitsplätze
Im August 2000 übernimmt die CS die amerikanische Bank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) für 20 Milliarden Franken. Als die Börse kurz darauf abstürzt und das Investmentbanking mit in die Krise reisst, erweist sich der Kauf als strategischer Fehler, und die mit der DLJ teuer eingekaufte Marktausweitung wird für die CS zum Milliardenflop.
Seither hat die Bank fast den ganzen Akquisitionspreis von 20 Milliarden Franken abgeschrieben. Allein die Aufräumarbeiten in den Jahren 2001 und 2002 kosten 6500 Arbeitsplätze. Nun kommen also fast nochmals so viele dazu.
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