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Das bewegte im Eishockey-FebruarDer SC Bern hamstert Titel, dafür hat der ZSC eine Rolex

Ausländer kommen, Trainer müssen gehen, ein Duo schwört Treue, und der EV Zug jagt den Punkterekord.

Nach Meister nun auch Cupsieger: Wenn es zählt, ist der SCB eben doch da.
Nach Meister nun auch Cupsieger: Wenn es zählt, ist der SCB eben doch da.
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Das Tamedia-Eishockeyteam vergibt in dieser Saison monatlich (meist) prestigeträchtige Auszeichnungen an Protagonisten, die aufgefallen sind. Das sind unsere sechs Awards für den Februar.

Efficiency-Award: SC Bern

Der SC Bern ist der erfolgreichste Club seit Einführung des Playoffs. Wer so lange so erfolgreich spielt, kriegt auf Dauer ein Gespür, wann es wirklich zählt.

Seit dem Titelgewinn im Frühling 2019 ging es für die stolze Organisation nur in eine Richtung: nach unten. Aber weshalb Energie verpuffen, wenn sowieso klar ist, dass die Folgen der Pandemie ein Playoff 2020 verunmöglichen werden? Und die Baisse in dieser Saison: vernachlässigbar – es bleiben 17 Qualifikationsspiele für den Sprung ins Pre-Playoff. Kein Grund zur Sorge also, zumal die Berner vor Wochenfrist einmal mehr bewiesen haben, dass sie bereit sind, wenn es etwas zu holen gibt. Just im Cupfinal zeigte die Equipe eine der besten Saisonleistungen. Effizienz pur beim Titelverteidiger in Meisterschaft und Cup.

Rolex-Award: Sven Andrighetto (ZSC Lions)

Im neuen Jahr der beste Stürmer der Liga: ZSC-Flügel Sven Andrighetto.
Im neuen Jahr der beste Stürmer der Liga: ZSC-Flügel Sven Andrighetto.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Eine Rolex auf dem Wühltisch ist Sven Andrighetto nicht gerade. Dafür ist er (wohl) zu wenig preiswert. Eine Rolex ist er aber alleweil. Und zwar ein seltenes Exemplar wie der Daytona Cosmograph. Denn der Zürcher Rückkehrer punktet im neuen Jahr mit der Regelmässigkeit eines Schweizer Uhrwerks: In 21 von 22 Meisterschaftsspielen skorte er, zuletzt 19-mal in Serie. Und das, obschon er seit einigen Wochen ohne seinen Standard-Center Garrett Roe auskommen muss.

Wenn der 27-Jährige so weiterfährt, hat er gute Chancen, Nachfolger von Pius Suter als National-League-Topskorer zu werden. Und was besonders erfreulich ist: Die besten vier Goalgetter der Liga haben alle einen Schweizer Pass.

Heimatliebe-Award: Lausanne HC

Der Nächste, bitte! Vladimir Roth ist Lausannes sechster Ausländer, der siebte folgte sogleich.
Der Nächste, bitte! Vladimir Roth ist Lausannes sechster Ausländer, der siebte folgte sogleich.
Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)

Man hat ja das Gefühl, die Entscheidungsträger im Schweizer Eishockey würden bei ihren Reformplänen gerade nicht ans hiesige Eishockey denken. Mit unbedachten Aktionen befeuern die Clubs die Debatten um Ausländer, Transfers und A-fonds-perdu-Beiträge. Und dann gibt es noch den Lausanne HC. Er hat am 24. Februar den Slowaken Libor Hudacek verpflichtet. Es handelt sich nach Barberio, Conacher, Emmerton, Gibbons, Hudon und Roth um den siebten Ausländer, der in dieser Saison für Lausanne antritt.

Zur Erinnerung: Acht Ausländerlizenzen darf ein Club pro Spielzeit lösen. Dass Lausanne unter Berücksichtigung aller Umstände darauf verzichtet, sein Kontingent auszuschöpfen, hat im Minimum den Heimatliebe-Award verdient.

Lame-Duck-Awards: Tomlinson und Franzén

Seine Zeit bei den Lakers läuft Ende Saison ab: Der Kanadier Jeff Tomlinson.
Seine Zeit bei den Lakers läuft Ende Saison ab: Der Kanadier Jeff Tomlinson.
Foto: Martial Trezzini (Keystone)

Die Lakers und die SCL Tigers, die beide noch intakte Chancen aufs Pre-Playoff haben, gaben Mitte Februar überraschend die Trennung von ihren Coaches Jeff Tomlinson und Rikard Franzén per Ende Saison bekannt. Es wird keine einfache Aufgabe für die beiden, deren Nachfolger (Hedlund, O’Leary) schon feststehen, die Spieler bis Ende Saison weiter für ihre Sache zu begeistern. Die Lakers fielen als Reaktion auf die angekündigte Trennung defensiv auseinander, kassierten in 5 Spielen satte 31 Gegentore. Auch die Emmentaler taten sich (noch) schwerer als zuvor. Werden Tomlinson und Franzén zu «lahmen Enten»?

Treue-Award: Devos und Hazen (Ajoie)

Kein Geheimtipp mehr: Die Ajoulots Philip-Michaël Devos (Mitte) und Jonathan Hazen (rechts).
Kein Geheimtipp mehr: Die Ajoulots Philip-Michaël Devos (Mitte) und Jonathan Hazen (rechts).
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Spätestens seit sie den HC Ajoie im vergangenen Winter zum Cupsieg führten, sind die kanadischen «Zwillinge» Jonathan Hazen und Philipp-Michaël Devos auch in der National League ein Begriff. Trotzdem hat noch kein Club aus der höchsten Liga zugegriffen. Seit 2015 im Jura, haben die beiden schon über 1000 Skorerpunkte erzielt, nun verlängerten sie ihre Verträge bei Ajoie um drei respektive vier Jahre.

Wird man also nie erleben, ob sie auch in der National League wirbeln können? Ihr Treuebeweis hat einen kleinen Haken: Sie haben sich Ausstiegsklauseln für die höchste Liga festschreiben lassen. Der Cupsieg scheint ihnen Appetit auf mehr gemacht zu haben.

Guinnessbuch-Award: EV Zug

Tore und Siege am Laufmeter: Die Zuger Bachofner und Senteler jubeln wieder einmal.
Tore und Siege am Laufmeter: Die Zuger Bachofner und Senteler jubeln wieder einmal.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Die Zentralschweizer hatten einen brillanten Monat. 10 Spiele, 8 Siege, 23 Punkte und 47 Tore lautet die Bilanz, mit der sie ihre Tabellenführung weiter ausbauten. Dabei taten sie im Februar nichts anderes als schon zuvor: Die EVZ-Produktion von 2,3 Punkten pro Match entsprach genau ihrem Saisonschnitt. Und so sind die Zuger auf bestem Weg, den Punkterekord für die höchste Liga zu pulverisieren. Der liegt bei 113 und wurde 2010/11 vom HC Davos aufgestellt.

Um diese Marke zu verbessern, reichen den Zugern aus den letzten 11 Saisonspielen 19 Punkte – oder 1,73 pro Match. Das ist die Pace eines besseren Mittelfeldclubs. Und der EVZ bewies nicht erst im Februar, dass er im Mittelfeld der National League derzeit absolut nichts verloren hat.