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Seligsprechung von Rosario LivatinoDer unbeugsame sizilianische «Richterjunge»

Rosario Livatino wird als erster italienischer Richter seliggesprochen von der katholischen Kirche – als Märtyrer. Die Mafia tötete ihn, da war er 37.

Unerschrocken und unnahbar: Rosario Livatino aus Canicattì war nie mit Leibwache unterwegs. Hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 1988.
Unerschrocken und unnahbar: Rosario Livatino aus Canicattì war nie mit Leibwache unterwegs. Hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 1988.
Foto: Keystone

Der Vatikan setzt ein Zeichen gegen die Mafia, ein lautes, obschon es in der leisen Form einer Seligsprechung daherkommt. Es ist ein Anathema, ein Bannstrahl, nicht weniger.

Richter Rosario Livatino aus dem sizilianischen Canicattì, ermordet von Killern des organisierten Verbrechens an einem Herbsttag 1990, wird zur Ehre der Altäre erhoben, im Schnellverfahren. Papst Franziskus hat ihn zum Märtyrer erklärt, nach der Formel «In odium fidei»: Livatino soll aus Hass auf seinen Glauben und auf seinen Gerechtigkeitssinn getötet worden sein.

Dass ein Laie als Märtyrer der katholischen Kirche anerkannt wird, gab es noch nicht oft, schon gar nicht in Europa. Einem italienischen Richter wurde diese Ehre noch nie zuteil. Und da diese Kirche sich im vergangenen Jahrhundert nicht immer so klar und deutlich auf die Seite der Rechtschaffenen im Kampf gegen die Mafia gestellt hatte, sondern oft wegschaute, fällt der Geste nun ein besonderes Gewicht zu – politisch und gesellschaftlich.

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