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Interview mit Iran-Kennerin«Der Volkszorn wächst von Tag zu Tag»

Natalie Amiri, langjährige ARD-Korrespondentin in Teheran, sieht in der iranischen Bevölkerung einen grossen Unmut über das Mullah-Regime. Sehr viele Menschen flüchteten sich in ein Parallelleben.

«Der Grossteil der Iraner will wie in Europa oder in den USA leben»: Natalie Amiri, die nicht mehr in den Iran einreisen kann.
«Der Grossteil der Iraner will wie in Europa oder in den USA leben»: Natalie Amiri, die nicht mehr in den Iran einreisen kann.
Foto: ARD

Frau Amiri, nehmen wir an, dass es im Iran faire, freie Wahlen gäbe. Wie würden sich die Iranerinnen und Iraner entscheiden?

Die Mehrheit wünscht sich eine liberale Regierung, die einen westlichen Weg einschlägt. Sie möchte einen Staat, in dem Menschenrechte und Frauen respektiert werden und es Demokratie, Meinungsäusserungs- und Medienfreiheit gibt. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zur Religiosität im Iran zeigt, dass nur 40 Prozent der Befragten sich als schiitisch verstehen – dabei gilt der Iran als der schiitische Staat schlechthin. Offiziell sind 99,6 Prozent der Bevölkerung schiitisch. Doch der Grossteil der Bevölkerung will wie in Europa oder in den USA leben. Junge Menschen zum Beispiel feiern im Geheimen wilde Partys mit viel Alkohol. Sehr viele Leute führen ein Doppelleben. Im Iran hat sich eine Parallelgesellschaft entwickelt.

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