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National LeagueZSC verspielt Sieg gegen Rumpfteam

Gegen ein stark dezimiertes Servette treten die Zürcher viel zu leichtfertig auf und unterliegen in Genf 2:3 nach Verlängerung.

Das Tor, das Servettes Glauben weckt: Daniel Winnik bezwingt Lukas Flüeler zum 1:1.
Das Tor, das Servettes Glauben weckt: Daniel Winnik bezwingt Lukas Flüeler zum 1:1.
Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)

Wenn sich die ZSC Lions einmal vor Augen führen möchten, wie man eine glänzende Ausgangslage locker verspielt, haben sie an diesem verschneiten Freitagabend einen perfekten Lehrfilm produziert. Ein um ein halbes Dutzend Teamstützen dezimierter Gegner, ein überlegen geführtes Startdrittel, ein kultiviertes Spielsystem voller starker Individualisten: All das führt in Genf nicht zu einem überzeugenden Erfolg, sondern zu einem 2:3 in Overtime.

Vielleicht haben sich die Lions auf der Carfahrt durch die winterliche Schweiz zum Träumen verleiten lassen angesichts von Servettes Personalsituation. Denn mit Abwehrchef Tömmernes, Topskorer Omark, Nationalstürmer Riat und den beiden Verteidigern LeCoultre und Mercier ist gut ein Drittel des Teams gesperrt, das Gros wegen der Massenschlägerei am Dienstag in Ambri. Und entsprechend tritt das um Junioren und Sierres Swiss-League-Kanadier Asselin ergänzte Rumpfteam anfangs auch auf: ohne Überraschungsmoment, am Rande der Überforderung. Doch der ZSC verpasst es, daraus Profit zu ziehen.

Stattdessen darf Winnik das frühe 1:0 Morants (9.) per Ablenker im Powerplay beantworten. Und als eine Strafe gegen den ZSC angezeigt ist, findet auch Verteidiger Jacquemet genug Raum und Zeit vor Lukas Flüeler, um den Zürcher Goalie zu bezwingen. Keine 23 Minuten sind da gespielt, die Lions verzeichnen doppelt so viele Torschüsse wie die Genfer. Doch sie liegen zurück. Und sie haben dem Glauben des Heimteams an die Überraschung die nötige Nahrung gegeben.

Danach wird es jene Art Abnützungskampf, bei der ein Underdog nur gewinnen kann. Die Genfer brauchen jetzt keinen Antreiber wie Tömmernes, kein Genie wie Omark: Ihnen reichen Entschlossenheit sowie der direkte Weg zum Tor als Erfolgsrezept. Und die Zürcher spielen mit. Mehr nicht. Sie machen nie den Eindruck, als sei ein Sieg an diesem Abend für sie etwas anderes als eine Selbstverständlichkeit. Sie leisten sich Strafen hinter dem gegnerischen Tor (Prassl), Haken im Schlussdrittel (Geering) – und sie werden in der Verlängerung bestraft.

Bei der dritten Overtime in der dritten Saisonbegegnung tankt sich der ehemalige ZSC-Verteidiger Karrer durch, so dass Asselin den Siegtreffer erzielen kann. Es ist im ersten National-League-Spiel das erste Tor des bisher zweitklassigen Kanadiers. Dass es aber überhaupt so weit kommen konnte, müsste den ZSC Lions weit über diesen Abend hinaus zu denken geben.

Die weiteren Spiele

Zugs Blitzstart überfordert Lugano

So tritt ein souveräner Tabellenführer auf: Der EV Zug schlug Lugano auswärts 5:1 und feierte den fünften Sieg in den letzten sechs Spielen. Die Zentralschweizer sorgten schon im Startdrittel für die entscheidende Differenz. Captain Raphael Diaz traf nach 19 Sekunden, Erik Thorell, Gregory Hofmann und Livio Stadler erhöhten bis zur 18. Minute auf 4:0.

Die Tessiner kamen erst nach einer halben Stunde zum Anschlusstreffer durch Luca Fazzini, der im ersten Drittel noch am Pfosten gescheitert war. Diaz stellte mit seinem zweiten Tor jedoch umgehend den alten Abstand wieder her.

Biel gewinnt Derby, Davos spielt zu null

Auch das zweite kleine Berner Derby innert drei Tagen ging an den EHC Biel. Nach dem 4:0 vom Dienstag gewannen die Seeländer in Langnau 3:1. Samuel Kreis hatte das Skore schon nach elf Sekunden eröffnet, die Entscheidung fiel jedoch erst im Schlussdrittel, als Gilian Kohler das 2:1 erzielte (45.). Kurz vor dem Ende traf dann Janis Jérôme Moser zum 3:1-Schlussstand.

Siegreich blieb auch der HC Davos. Nach zuletzt zwei Niederlagen gewannen die Bündner in der Valascia gegen Ambri 2:0. Goalie Sandro Aeschlimann, der einige starke Paraden zeigte, feierte in der Leventina seinen ersten Shutout der Saison, die Tore schossen der 18-jährige Simon Knak (45.) und Fabrice Herzog (60., ins leere Tor).

Fribourg feiert Furrer und Mottet

Eine gute Nachricht gabs für Gottéron schon vor dem 5:2-Heimsieg gegen die Rapperswil-Jona Lakers: Routinier Philippe Furrer stand erstmals seit dem 10. Oktober und nach überstandener Gehirnerschütterung wieder im Kader. Und der 35-jährige Verteidiger trug gleich dazu bei, dass sich der Abend für Fribourg erfreulich entwickelte.

Kurz nach Beginn des Mitteldrittels schoss er von der blauen Linie, Viktor Stalberg lenkte ab1:0. Nach dem zweiten Treffer durch Nathan Marchon war es Killian Mottet, der an seinem 30. Geburtstag mit dem 15. Saisontor auf 3:0 erhöhte und damit jegliche Diskussionen über den Spielausgang beendete. (kai)