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SBB dünnen S-Bahn-Linien ausDer ZVV spricht von einem «traurigen Novum»

Weil die SBB zu wenig Lokführer ausgebildet haben, fallen in den nächsten Wochen im Raum Zürich S-Bahn-Kurse aus. Immerhin sind wir schneller im Süden.

Die Passagierzahl steigt wieder an,  das S-Bahn-Angebot jedoch nicht.
Die Passagierzahl steigt wieder an, das S-Bahn-Angebot jedoch nicht.
Foto: Thomas Egli

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) reagiert ungehalten auf die Neuigkeiten, die am Mittwoch von den SBB kamen. Diese informierten über den Fahrplanwechsel ab dem 13. Dezember und mussten gleichzeitig gravierende Fehler in der Personalplanung zugeben. Ihnen fehlt es an Lokführerinnen und -führern. Die Corona-Krise hat diese Situation noch verschärft, da viele Aus- und Weiterbildungskurse während Monaten nicht durchgeführt werden konnten.

Der ZVV und damit der öffentliche Verkehr im Raum Zürich ist von dieser Situation besonders stark betroffen, wird doch die Zürcher S-Bahn von den SBB betrieben. «Dass die SBB nicht imstande sind, die bestellten S-Bahn-Leistungen zu liefern, ist ein trauriges Novum in der Geschichte der Zürcher S-Bahn», schreibt der ZVV.

Die Passagierzahlen steigen

Die Leidtragenden seien in erster Linie die Fahrgäste, denen weniger Verbindungen und weniger Platz zur Verfügung stehen. Laut ZVV ist das mit Blick auf die Fahrgastzahlen «besorgniserregend». Die Auslastung steige seit den Sommerferien merklich an, und im Herbst sowie Winter seien jeweils am meisten Personen mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs.

Einige der von den SBB angekündigten Einschränkungen bestehen bereits seit Beginn der Covid-Krise und bleiben nun einfach bis vorerst am 13. Dezember. Ab dem 6. September wird das Angebot aber noch zusätzlich ausgedünnt.

Diese Linien sind betroffen

  • Rechtes Seeufer: Die S20 (Zürich–Stäfa) fährt deutlich weniger häufig.
  • Furttal: Ausfall der S21 (Zürich–Regensdorf).
  • Winterthur: Zwei Kurse der S23 zwischen Zürich und Winterthur fallen aus. Die S11 hält neu auch in Rämismühle-Zell.
  • Limmattal: Ausfall der S42 als Direktverbindung zwischen dem Aargauer Freiamt und Zürich. Neu fährt die S11 auch am Wochenende morgens und abends im Halbstundentakt über Dietikon hinaus nach Aarau.
  • Linkes Seeufer: Der IR70 nach Luzern hält nicht mehr in Thalwil.
  • Flugzug: Der IR36 Basel-Flughafen verkehrt ab dem 7. September nicht oder nur auf Teilstrecken.

Der ZVV betont, dass er als Besteller des S-Bahn-Angebots keinen Einfluss auf die Personalplanung der SBB nehmen könne. Er appelliert aber an die SBB, dass Ausmass der Reduktion räumlich und zeitlich auf ein Minimum zu beschränken und möglichst schnell wieder zum Normalfahrplan zurückzukehren.

Im Fernverkehr gibt es Verbesserungen

Immerhin gibt es ab dem Fahrplanwechsel (13. Dezember) auch Verbesserungen für den Bahnverkehr im Raum Zürich:

  • Schneller im Süden: Dank der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels und der Fertigstellung der Bauarbeiten am Zugersee sinkt die Fahrtzeit zwischen Zürich und Lugano auf unter zwei Stunden. Die Fahrt von Zürich nach Mailand dauert neu noch 3 Stunden und 17 Minuten. Das Angebot wird ab Zürich auf zehn Direktverbindungen ausgebaut. Voraussichtlich wird es zur täglichen Direktverbindung nach Venedig auch solche nach Bologna und Genua geben.
  • Bessere Verbindungen nach München: Es verkehren täglich doppelt so viele Züge direkt zwischen Zürich und München wie heute: nämlich sechs in jeder Richtung. Die Fahrzeit verkürzt sich von rund 4 Stunden 45 Minuten auf 4 Stunden. In einem zweiten Schritt (ab Dezember 2021) ist eine Fahrzeit von 3 Stunden und 30 Minuten geplant. Es werden moderne Züge mit WLAN und Bordrestaurant eingesetzt.
  • In die Ostschweiz: Manche Züge nach St. Gallen dauern neu knapp unter 1 Stunde. Sie halten nur noch in Winterthur und im Flughafen. Der IC1 zwischen Zürich-HB und St. Gallen hält neu auch in Zürich-Oerlikon. Und in Richtung Chur wird das Angebot in den Abendstunden verlängert und in touristischen Hauptverkehrszeiten verdichtet.
  • Öfters in die Innerschweiz: Wochentags fährt ein Zug neu im Halbstundentakt von Zürich nach Arth-Goldau.
28 Kommentare
    Jörg Trachsel

    Wenn die SBB Leistungen nicht erbringt, für die sie vom Kanton Zürich bzw. ZVV bezahlt wurde, muss die SBB dem Kanton Zürich bzw. ZVV die entsprechenden Beträge zurück zahlen. Das Argument betr. fehlender Lokführer zählt da nicht. Die SBB könnte ja dann diese Beträge bei ihrem ex-CEO Meyer zurück fordern, da er diese Fehlplanung verursacht hat. Er verdiente ja bei der SBB mehr als genug, da sollte das für ihn kein Problem sein.