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Vernetzung in der PandemieDie Corona-Krise wäre ohne Internet viel schlimmer

In der Krise hilft die Technik über viele Schwierigkeiten hinweg. Wäre in der Vergangenheit nicht so viel versäumt worden, könnte es sogar noch besser laufen.

Dank Vernetzung auch in der Krise ganz da: Eine Frau installiert zu Hause ihr Homeoffice.
Dank Vernetzung auch in der Krise ganz da: Eine Frau installiert zu Hause ihr Homeoffice.
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Bereit für ein kleines Gedankenexperiment? Angenommen, die Corona-Pandemie hätte die Welt nicht im Jahr 2020, sondern schon 1990 getroffen. Wie hätte sich das auf die Arbeitswelt ausgewirkt, auf die Kommunikation?

Das Internet war damals noch etwas für wenige Technikfreaks und Wissenschaftler. Und heute? Heute steigt zu Beginn der Büroarbeitszeit der Datenverkehr ungewöhnlich stark an. Weil viele wegen des Virus nicht ins Büro können, schalten sie sich per Videokonferenz zusammen. Vor 30 Jahren hätte man sich höchstens Faxe schicken können und natürlich telefonieren. Aber wie mühsam wäre das gewesen!

Was für ein Segen, dass das Internet und die vielen Dienste darin es jetzt in einer Situation wie dieser möglich machen, besser Kontakt zu halten, als das früher jemals möglich war.

Was für ein Segen, dass das Internet und die vielen Dienste darin es jetzt in einer Situation wie dieser möglich machen, besser Kontakt zu halten, als das früher jemals möglich war. Was für ein Glück, dass nicht alle, aber doch viele Unternehmen weiterarbeiten können, obwohl alle oder nahezu alle ihre Mitarbeiter nicht in einem Bürogebäude zusammensitzen, sondern ein jeder und eine jede in seiner oder ihrer Wohnung. Gut also, dass es das Netz gibt, aber es hätte auch noch besser laufen können.

Viele Unternehmen waren nicht oder kaum vorbereitet auf eine Situation wie diese. Wer erst jetzt beginnen muss, Laptops für die Mitarbeiter zu besorgen und sichere Zugänge ins Firmennetz zu organisieren, tut sich schwer, weil viele andere gerade in derselben Situation sind. Oder die Schulen: Sie hinken weit hinter dem her, was möglich wäre.

Es fehlt an beinahe allem: An der technischen Ausstattung, aber auch an didaktischen Konzepten. Jetzt muss improvisiert werden, und die Hoffnung ist, dass unter dem Druck der Ereignisse Ideen geboren werden, die über die Virus-Zwangspause hinausreichen.

Nicht jeder arbeitet gern zu Hause, viele aber zumindest zeitweise schon, nur haben sich manche Unternehmen dagegen gesträubt.

Woran es natürlich nicht nur in den Schulen mangelt, ist die Versorgung mit Breitbandanschlüssen. Mit Zugängen also, die schnell genug sind für die Anforderungen von heute. Das ist auf dem Land ein Problem. Dabei verband sich mit dem Internet einmal die Hoffnung, es könne dabei helfen, den Gegensatz zwischen Stadt und Land aufzulösen. Weil man eben nicht mehr (immer) in der Stadt sein muss, um zu arbeiten.

Es hapert aber nicht nur bei der Technik. Wenn es jetzt in manchen Organisationen nicht recht klappt mit dem Umstieg aufs verteilte Arbeiten, dann liegt das auch daran, dass es keine gelernten Strukturen gibt, wer wie mit welchen Hilfsmitteln kommuniziert. Dabei sind die nicht bloss für eine globale Krise wie die jetzige wichtig, sondern auch, um den Mitarbeitern Flexibilität zu bieten. Nicht jeder arbeitet gern zu Hause, viele aber zumindest zeitweise schon, nur haben sich manche Unternehmen dagegen gesträubt.

Gut, dass wir das haben, was schon läuft

Gut also, dass wir wenigstens das haben, was schon läuft, und das ist ja nicht wenig. Gut übrigens auch, dass die letztens viel gescholtenen grossen US-Internetkonzerne sich bemühen, verlässliche Informationen zur Pandemie immer ganz oben einzublenden, wenn Nutzer danach suchen. Auch die Wissenschaftler, die jetzt nach Medikamenten und einer Impfung gegen Covid-19 suchen, profitieren von der Vernetzung.

Gut, dass nicht mehr 1990 ist.