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«Die Diktatur hat ein Verfalldatum – meine Literatur nicht»

«Alle, die Geld und Verstand haben, verlassen China», sagt Liao Yiwu. Foto: Dominic Steinmann (Keystone)

Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist diesen Monat in chinesischer Gefangenschaft gestorben. Der Bürgerrechtler war Ihr Freund. Was bedeutet sein Tod für Sie?

Liu Xiaobo wurde offenbar auf Geheiss des Regimes umgehend im Meer bestattet. Warum?

Welche Bedeutung hat Liu Xiaobo für die Demokratiebewegung in China?

Was erwarten Sie jetzt von den Regierungen im Westen?

Liu Xia hat Sie gebeten, im Fall des Ablebens Ihres Mannes dessen Erinnerungen ­aufzuzeichnen. Kommen Sie dieser Bitte nach?

Sie selber sahen sich ja weniger als ein Gandhi, sondern als Dichter. Am Vorabend des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 haben Sie das Gedicht «Massaker» geschrieben. Woher wussten Sie, dass es so weit kommt?

Wollten Sie damals nicht bei den Protesten in Peking dabei sein?

Sie wurden wegen Ihres Gedicht «Massaker» zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Dort haben Sie Notizen zum späteren Roman «Die Wiedergeburt der Ameisen» verfasst. Hat die Diktatur Sie zum Schriftsteller gemacht?

Was waren Sie denn vorher?

Reicht eines dieser Kriterien, oder müssen alle drei erfüllt sein?

Sie haben im Gefängnis auch das Flötenspiel erlernt. Wie kam das?

Hat Ihnen das Flötenspiel das Überleben ermöglicht?

Haben Sie den Mönch nach Ihrer Entlassung je wiedergesehen?

Nach Ihrer Entlassung hatten Sie einen Bericht aus dem Gefängnis geschrieben. Nun folgt mit «Die Wiedergeburt der Ameisen» ein Roman, welcher das Sujet wieder aufgreift. Das Gefängnis lässt Sie nicht los.

Sie haben sich in Berlin mit Ihren Notizen aus dem Gefängnis konfrontiert. Was hat das bei Ihnen ausgelöst?

Die Aufzeichnungen wurden aus dem Gefängnis geschmuggelt. Wie kamen sie nach Deutschland?

Viele Leute zerbrechen in den Gefängnissen. Was hat Ihnen die Kraft zum Schreiben gegeben?

Sie haben bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels gesagt, das chinesische Imperium in seiner heutigen Form müsse auseinanderbrechen. Glauben Sie immer noch daran?

Das dürfte einen Bürgerkrieg geben.

China kann sich zurzeit aber als Nation des Klimaschutzes und des Freihandels profilieren, da die USA auf einen isolationistischen Kurs eingeschwenkt sind. Ein Regimekollaps ist kaum erwartbar.

Alle Beobachter sagen, dass China die Weltmacht der Zukunft sei.

Lange gab es die Hoffnung, dass mit der wirtschaftlichen Öffnung auch eine politische eintreten werde.

Die Geschäfte mit China laufen aber gut. Sie selber mussten im Gefängnis medizinische Plastikhandschuhe für den Westen herstellen.

In einem Ihrer Bücher schreiben Sie: «Mein Buch wird überhaupt keine Wirkung auf das Regime haben.» Das klingt ernüchternd.

Hoffen Sie auf eine Rückkehr nach China?