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Corona trifft Firma des OligarchenVekselbergs Firmen sind im Sinkflug

Ob Sulzer, Oerlikon oder Schmolz und Bickenbach: Die Schweizer Firmen des russischen Oligarchen verlieren Umsatz müssen Stellen streichen und die Aktienkurse stürzen ab.

Viktor Vekselberg hat sein Beteiligungsnetz in der Schweiz über Jahre aufgebaut. Nun macht die Krise seinen Firmen zu schaffen. Der Oligarch am Swiss Economic Forum in Thun.
Viktor Vekselberg hat sein Beteiligungsnetz in der Schweiz über Jahre aufgebaut. Nun macht die Krise seinen Firmen zu schaffen. Der Oligarch am Swiss Economic Forum in Thun.
Foto: LAB

Die Corona-Krise trifft den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg. Seine Schweizer Industriebeteiligungen haben seit Jahresbeginn zusammengenommen gut 900 Millionen Franken an Wert verloren. Denn die Pandemie hat die Nachfrage in der Automobil- sowie in der Öl- und Gasbranche drastisch einbrechen lassen, und damit fehlen wichtige Abnehmer für Vekselbergs Industriefirmen Sulzer, Schmolz + Bickenbach (S+B) und Oerlikon.

Am schlimmsten trifft die Krise den Stahlhersteller S+B, der ums Überleben kämpft. An dem Unternehmen hält Vekselberg gemeinsam mit anderen Investoren über die Holding Liwet 25 Prozent. Einst war der Oligarch sogar der grösste Aktionär. Doch vergangenes Jahr hat ihn Martin Haefner, der Eigentümer des Autoimporteurs Amag, vom Thron gestossen: Haefner ist über eine Kapitalerhöhung und weitere Aktienkäufe zum Hauptaktionär mit 49,6 Prozent aufgestiegen. Er trägt bei den Finanzhilfen zur Rettung des Unternehmens daher nun die Hauptlast – während S+B von Vekselberg keine weiteren Hilfen erbeten hat. Die Aktie der Firma ist seit Jahren im Sinkflug und hat seit Jahresbeginn weiter an Wert verloren.

Aktienkurse von Vekselbergs Firmen im Sinkflug

Die Aktien von S+B (blau unterlegt), Sulzer (rot) und Oerlikon (grün) haben seit Jahresbeginn an Wert verloren. Für Vekselberg bedeutet das hohe Buchverluste.
Die Aktien von S+B (blau unterlegt), Sulzer (rot) und Oerlikon (grün) haben seit Jahresbeginn an Wert verloren. Für Vekselberg bedeutet das hohe Buchverluste.
Grafik: Daten von F&W

Doch die Krise bei S+B ist für Vekselberg nur die Spitze des Eisbergs. Der Stahlhersteller ist die kleinste Industriebeteiligung des Oligarchen in der Schweiz. Das grösste Investment hält er über die Gesellschaft Tiwel mit 48,82 Prozent am Industriekonzern Sulzer. Zwar hielt sich das Winterthurer Traditionsunternehmen bislang in der Corona-Krise relativ gut. Doch die Nachfrage aus der Öl- und Gasindustrie als wichtige Abnehmerbranche ist gesunken. Bis diese wieder anzieht, dürfte es dauern, und deshalb will das Unternehmen bei der Tochter Chemtech bis zu 55 Stellen streichen. Auch der Aktienkurs spricht eine deutliche Sprache. Das Paket von Vekselberg verlor seit Jahresbeginn fast eine halbe Milliarde Franken an Wert.

Die Bilanz bei Oerlikon, der dritten vekselbergschen Industriefirma, ist ebenfalls durchwachsen: An dem Auto- und Luftfahrtzulieferer hält die Holding Liwet 41,34 Prozent – das Paket verlor im Jahresverlauf rund 400 Millionen Franken an Wert. Grund ist auch hier die Corona-Krise, die die Nachfrage nach Beschichtungen für Automotoren und Flugzeugturbinen dämpfte. Nun streicht das Unternehmen weltweit 800 Stellen.

Doch weder Sulzer noch Oerlikon sind in einer ähnlich schwierigen Situation wie S+B. Beide Unternehmen verfügen über Finanzreserven. Von Vekselberg und seiner Holding Liwet war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Geschätztes Vermögen von 11,6 Milliarden Dollar

Trotz des Buchverlusts seiner Schweizer Beteiligungen gehört Vekselberg weiterhin zu den reichsten Menschen der Welt: Auf der «Forbes»-Liste rangiert er derzeit auf Platz 153. Das Magazin schätzt sein aktuelles Vermögen auf 11,6 Milliarden Dollar. Zu Reichtum kam der in der Ukraine geborene Oligarch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Metallhandel. Später machte er seine Beteiligung am Ölkonzern TNK-BP zu Geld.

Kunst und Kultur sind ihm wichtig. Vekselberg bei einem Konzert mit Stardirigent Valery Gergiev in Winterthur im Jahr 2010. Zu der Veranstaltung hatte er selbst eingeladen.
Kunst und Kultur sind ihm wichtig. Vekselberg bei einem Konzert mit Stardirigent Valery Gergiev in Winterthur im Jahr 2010. Zu der Veranstaltung hatte er selbst eingeladen.
Foto: Stefan Schaufelberger (LAB)

Sein Beteiligungsnetz in der Schweiz hat Vekselberg ab 2004 aufgebaut und im Zuge dessen einen Wohnsitz in Zug bezogen. Vor zwei Jahren musste er dann einen Rückschlag einstecken: Sein Name befand sich auf der US-Sanktionsliste, und damit waren auch Firmen, an denen er die Mehrheit hielt, von den Sanktionen betroffen. Dem Oligarchen blieb nichts anderes übrig, als in einer Blitzaktion seine Beteiligungen zu reduzieren, damit seine Schweizer Firmen weiterarbeiten konnten. Die Beteiligung an Sulzer, an der Vekselberg 63 Prozent hielt, baute er auf knapp unter 50 Prozent ab. Zudem reduzierte er seinen Anteil an der Holding Liwet, an der er nun weniger als die Hälfte hält. Diverse Personen aus seinem Umfeld halten weitere Anteile an der Gesellschaft, die seine Beteiligungen an S+B und Oerlikon bündelt.

Seine Wertschätzung für die Schweiz ist indes ungebrochen. «Ich liebe die Schweiz», sagte er Ende letzten Jahres in einem Interview. «Ich habe eine hohe Meinung vom einzigartigen juristischen und politischen System des Landes. Weil dieses kleine Land gleichzeitig noch extrem international ausgerichtet ist, bin ich hier.» In der Medienöffentlichkeit stehe er jedoch nicht gern. Privat interessiert sich Vekselberg für Kunst und Kultur. So gehören ihm beispielsweise die goldenen Eier von Peter Carl Fabergé, dem früheren Hofjuwelier des Zaren.