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Eine Woche als ErntehelferDie ersten zehn Minuten an der Zwiebelmaschine weinte ich

Ist der Job als Erntehelfer wirklich so hart? Unser Autor wollte wissen, wieso viele Schweizer, die in der Coronazeit auf dem Bauernhof aushalfen, einknickten.

An der Grenze gestrandet: Grossbetrieben fehlten während des Lockdowns ausländische Feldarbeiter. (Symbolbild)
An der Grenze gestrandet: Grossbetrieben fehlten während des Lockdowns ausländische Feldarbeiter. (Symbolbild)
Foto: Christian Pfander

Als die landesweite Quarantäne vorbei war, arbeitete ich eine Woche lang auf einem Bauernhof. Den Bauern fehlten ausländische Erntehelfer und Erntehelferinnen, gemäss Hochrechnungen 30'000 Menschen. Denn die Grenzen waren noch immer geschlossen. Die Zeitungen berichteten von arbeitslosen Schweizern, die einsprangen, aber offensichtlich ziemlich schnell einknickten. Ich wollte wissen, weshalb.

Heute, eine Woche später, weiss ich es. Mein linkes Knie tut weh. Der Rücken auch. Und der Muskelkater im rechten Oberschenkel ist so stark, dass ich hinke. Meine Schulter fühlt sich an, als hätte jemand einen Nagel eingeschlagen. Und das, obwohl ich den härtesten Job gar nicht machen musste: den Nüsslisalat ernten – dafür muss man den ganzen Tag in der prallen Sonne knien und schneidet sich dabei in die Fingerkuppen.

Es war gar nicht so leicht, diesen Job zu finden.

Stattdessen habe ich einige Hundert Salatköpfe eingepackt. Und 5226 Broccolis sowie 10'453 Blumenkohlköpfe gesetzt. Beim Spitzkohl habe ich irgendwann zu zählen aufgehört. Es müssen etwa 30'000 gewesen sein. Ich dachte nur noch: Spitzkohl. Spitzkohl. Spitzkohl – während die Sonne immer tiefer sank und ein Ehepaar auf dem Feierabendspaziergang den Kinderwagen vorbeischob. Ich habe viele Kisten herumgetragen, Rüstabfälle, Setzlinge, Warensendungen. Meine Fingernägel sind schwarz. Seltsamerweise bin ich ganz glücklich. In mir das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Ich verstehe das selber nicht so genau.

Es war gar nicht so leicht, diesen Job zu finden. Ich telefonierte mit elf sehr freundlichen Menschen auf kleinen Höfen, die mich nicht wollten. Das Problem mit den Erntehelfern jetzt hätten nur Grossbetriebe, sagten sie mir. Also versuchte ich es bei einem Grossbetrieb. Am anderen Ende der Leitung war Fritz Meier, von Gebrüder Meier in Dällikon. Meier sagte: Ja, ein paar wenige seiner Leute seien an der Grenze gestrandet, aus diesem Grund beschäftige er gerade einen arbeitslosen Fotografen und einen arbeitslosen Kellner, ich dürfe natürlich auch mithelfen, falls ich unbedingt wolle, in seinem Betrieb dürften alle arbeiten, aber man müsse wollen. Er wiederholte es mehrmals: Man müsse wollen. Das war am Freitag.

Am Montag fing ich dann an, in einer Halle so gross, dass ich weit hinten, am äussersten Rand, zwar Menschen ausmachen konnte, aber sie waren so klein, dass ich nicht hätte sagen können, ob es Männer oder Frauen waren. Oben war Glas, mit dem internationalistischen Air eines Flughafens. Unten war ein grünes Meer. Ein Meer aus Salatköpfen. Der Salat steckte in weissen Schienen aus Plastik. Er wuchs in einem Klumpen Erde, der exakt fünfkommafünf mal fünfkommafünf mal fünfkommafünf Zentimeter gross war. Durch die Schiene floss eine Mischung aus Wasser und Dünger als Nährlösung für den Salat.

Die Maschine spuckte jeden Tag 2500 Salate aus.

Unter den Schienen befand sich eine komplexe Maschine aus Zahnrädern, Keilriemen und Stossdämpfern, die diese Schienen Zentimeter um Zentimeter vorwärtsschoben. Von ganz hinten, wo die Zwergmenschen standen, bis hierher zu mir hatte jeder Salatkopf eine Reise von drei Wochen zurückgelegt, und in der Summe lief diese ganze Salatmaschine darauf hinaus, dass der Kopfsalat im Laden den einen Franken und die sechzig Rappen kostet, die die Kunden bereit sind zu zahlen. Man muss die Kunden bei Laune halten, sonst fahren sie über die Grenze nach Deutschland, wo eine gewaschene und fixfertig gerüstete Salattüte lediglich 79 Cent kostet.

Mein Job war es, den Salat mitsamt dem Erdwürfel aus der Schiene zu zerren, herumzudrehen, faule Blätter zu entfernen und den Salat danach in einen Plastikbeutel zu stecken. Die Beutel hingen als perforierte Bündel an einer Platte aus Metall, die Ähnlichkeit hatte mit einem Notenständer. Anfangs bestand die Herausforderung darin, den Salat in den Beutel zu bekommen, bevor die Perforation entzweiriss. Aber beim vierten oder fünften Versuch stellte sich heraus, dass etwas mehr Schwung und ein Eintüten von der Seite, mit einem Winkel von etwa neunzig Grad, die Lösung war.

Zehn Salate später begann die Langeweile. Die Maschine spuckte jeden Tag 2500 Salate aus, und wenn ich den Kopf hob, sah ich die restlichen hunderttausend oder zweihunderttausend Salate – und immerzu würden neue Setzlinge nachgeliefert. Es gibt wohl keine treffendere Metapher für die Sinnlosigkeit des Daseins, als an diesem Salatmeer zu arbeiten.

Kopfsalat. Kopfsalat. Kopfsalat. Lollo. Lollo. Lollo. Grün. Grün. Grün. Rot. Rot. Rot.

Ein Meer aus Salatköpfen: Gewächshaus. (Symbolbild)
Ein Meer aus Salatköpfen: Gewächshaus. (Symbolbild)
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Interessant war für eine Weile der Geruch, den der Salat an sich hatte. Der Geruch von Kopfsalat erinnerte an Saftiges, ähnlich wie Gurke. Lollo hingegen trug einen schwereren Geruch heran, der etwas Nussiges hatte. Diese Gerüche waren eine Zeit lang interessant, dann verblassten sie. Ich dachte daran, was für ein Glückspilz ich war, dass ich diese Arbeit mit Salat machte.

Ich hatte gelesen, vielen Milchkühen ergehe es wie diesen Salatköpfen. Sie würden ihr kurzes Leben in engen Boxen verbringen, am einen Ende an einen Nahrungsschlauch, am anderen an einen Melkschlauch angeschlossen. Schweine würden in Metallgestellen gehalten, nicht viel grösser als sie selber. Ein Bericht der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung kam zum Schluss, Sauen würden in modernen Fleischfabriken Symptome entwickeln wie Menschen in Isolierhaft. Also war ich froh um meinen Salat. Er konnte nicht den Kopf drehen und mich anschauen. Er konnte nicht muhen oder quieken.

Rechts neben mir stand eine Frau, die um den Hals ein goldenes Kreuz trug, auf der Schulter hatte sie die Tätowierung eines Skorpions. Ich wollte sie ansprechen, aber ich traute mich nicht. Ausserdem kam mir nichts in den Sinn, was ich hätte sagen können. Auch ein Witz über Salate wollte mir nicht einfallen. Irgendwann hielt ich die Monotonie nicht mehr aus. Ich sagte: «Viel Salat» und zeigte zum Horizont. Die Frau hob ihre Latexhand und wedelte damit vor ihrem Gesicht herum. Ich wusste nicht, wie ich diese Geste zu interpretieren hatte, zeigte nach oben und sagte: «Viel Sonne», und diesmal schüttelte die Frau einfach nur stumm den Kopf.

In Rumänien gibt es den gleichen Job zu machen, aber man verdient bloss 400 Franken im Monat.

So verstrichen die Stunden, sie dehnten und falteten sich wie eine Handorgel, während die Sonne über das Glasdach wanderte, von warm zu heiss und wieder zu warm, bis schliesslich ein Mann mit rotem Bart herantrat und mich zur Seite nahm. Der Mann hiess Vio. Vio war Rumäne. Er hatte im Gewächshaus das Sagen. Er fragte, was ich von der Arbeit halte. Ich antwortete, sie sei hart. Er steuerte mich weg von den Salaten, in den zweiten Teil des Gewächshauses, wo die Radieschen wuchsen. Weit weg konnte ich ein paar Leute ausmachen, die am Boden kauerten. Solange ich noch keine Radieschen gebündelt und keinen Nüsslisalat geschnitten hätte, wisse ich nicht, was harte Arbeit sei, sagte Vio.

Ich fragte ihn, warum denn all diese Leute hier seien – freiwillig. Er sagte, in Rumänien gebe es den gleichen Job zu machen, auch 55 Stunden pro Woche, aber man verdiene nicht 3300 Franken im Monat, sondern bloss 400. Vio rechnete kurz vor, worauf sich Wohnungsmiete und sonstige Lebenshaltungskosten in seiner Heimat beliefen, eine Rechnung, die ergab, dass am Ende des Monats nichts übrig blieb, um etwa die Kosten eines Spitalaufenthalts bezahlen zu können. In der Schweiz dagegen blieben nach Abzug von Miete, Essen und Kleidung noch immer mindestens 1000 Franken, und die Unfallversicherung sei inbegriffen.

Am nächsten Morgen um sechs Uhr erfuhr ich, dass die Salatabteilung gestern Abend bis um zehn Uhr gearbeitet hatte, da noch eine dringende Bestellung hereingekommen war. Der Mann, der es mir erzählte, war Nuno, und Nuno sprach eine Zunge, die mir ein Rätsel war. Er stand den ganzen Morgen neben mir und der Frau mit der Skorpiontätowierung, und wir tüteten Salate ein; er redete ununterbrochen. Ich habe bis jetzt keine Ahnung, was er erzählte. Aber seine Worte hatten eine geradezu meditative Wirkung. Die Zeit rann nicht mehr zäh dahin, sondern verflog. Vielleicht fühlte es sich für Nuno genauso an, vielleicht war das auch der Grund, warum er redete.

Ich fragte mich, woher Nuno und die Frau stammten. Vielleicht aus malerischen Dörfern voller Apfelgärten, einer Ansammlung schattiger Flecken im satten Sonnenschein, ein Volk im Einklang mit der Natur.

Wobei, halt! Das stimmt überhaupt nicht. Das sollte ich doch wissen, aus dem Buch von Jared Diamond. An der Landwirtschaft ist rein gar nichts ursprünglich, sagt der amerikanische Evolutionsbiologe. Aus Sicht der Menschheitsgeschichte ist im Jahr 2020 der Pflug fast genauso modern wie das Smartphone. Neunundneunzig Prozent unseres Daseins haben wir weder mit dem Pflug noch mit dem Smartphone verbracht, sondern auf der Suche nach Beeren und nach Tieren, die wir töteten, bevor sie uns hätten fressen können. Erst danach erfanden wir die Landwirtschaft und begingen damit den grössten Fehler der Menschheitsgeschichte, da sind sich die Forscher heute ziemlich einig.

Zum ersten Mal sprangen Krankheitserreger von Haustieren auf die Menschen über, wir bekamen die Pest, die Pocken, Karies und die Masern, die Grippe und die Cholera. Nicht sehr idyllisch. Mit der Sesshaftigkeit erfand dann logischerweise irgendjemand auch noch das Konzept des Eigentums an Grund und Boden, und er (ich nehme jetzt einmal an, dass es ein Er war) erfand damit Ungleichheit und Unterdrückung. Auch nicht sehr idyllisch.

Das imaginierte Zwitschern verstummte.

Ich hätte gerne meine Kopfhörer dabeigehabt, wie viele andere.

Die folgenden vierundzwanzig Stunden sind in der Erinnerung etwas verblasst. Das hat wohl eher mit der repetitiven Tätigkeit zu tun als mit der Länge der Arbeitstage. Irgendwann verliess ich die Salatmaschine und wechselte in ein anderes Gebäude. Dort stand eine dampfende Kiste, die ratterte und polterte. Zu der Kiste lief ein Förderband hoch. Auf dem Förderband lagen Radieschen. Die Maschine hackte den Radieschen die Blätter ab, wusch die Radieschen, und dann kullerten diese auf ein horizontales Metallgeflecht, wo ich sie auffing und aussortierte. Das war ein bisschen wie das Spiel eines Flipperkastens, mit zwei gravierenden Unterschieden: Erstens kamen Hunderte von Kugeln gleichzeitig, und zweitens machte es keinen Spass. Es dauerte etwa fünf Minuten, und ich sah alle möglichen Dinge, aber keine Radieschen mehr.

Meine Arbeit war, jene Exemplare auszusortieren, die die Maschine versehentlich zerhackt hatte oder die von Schnecken angefressen waren. Für einen Moment kam mir der Gedanke, dass es doch faszinierend sei, wie wir von der Sache mit dem Beerensammeln zu der Sache mit der Radieschenmaschine gelangt waren. Der Gedanke franste zu Bevölkerungswachstum und Welthunger aus, wo ich der Fiktion des Journalismus erlag, wonach man sich nur an einen Ort begeben müsse, um diesen verstehen zu können, dabei verstand ich natürlich überhaupt nichts oder nur sehr wenig, ich hatte hauptsächlich leise Ahnungen. Der Gedanke verschwand dann wieder, ohne dass ich ihn hätte festhalten können. Ich sortierte weiter Radieschen. Ich weiss nicht mehr, wie lange ich an dieser Maschine stand. Vermutlich nicht sehr lange. Plötzlich rief jemand: «Radieschen fertig!», und alle wechselten zu den Zwiebeln.

Ein stoischer Portugiese, der hin und wieder schauderhafte Fluchkaskaden ausstiess, fütterte einen rumpelnden Kasten mit Bundzwiebeln. Wenn die Zwiebeln hinten rauskamen, waren sie perfekt zugeschnitten, damit sie in die Plastikkisten für den Versand passten. Nun musste noch mit einem Rüstmesser die äusserste Haut entfernt werden, damit sie perfekt aussahen. Die ersten zehn Minuten weinte ich, danach ging es. Neben mir stand eine junge Portugiesin, die etwas Spanisch sprach und mit der ich mich unterhalten konnte. Sie war zweiundzwanzig und seit drei Jahren hier. Ihre Unterarme waren tätowiert, und sie trug eine Metzgerschürze. Sie sagte, in Portugal gebe es Jobs für Männer, aber nicht für Frauen. Wo sie herkomme, hätten Frauen Kinder, nicht Jobs. Wir sprachen dann nicht mehr, da die Zwiebeln immer schneller kamen und wir umso schneller schälen mussten.

Ich hätte gerne meine Kopfhörer dabeigehabt, wie viele andere. Ich hätte Lubomyr Melnyk gehört, und vielleicht wäre das Rattern der Maschine im stimmlosen Gesang des Zauberers untergegangen, und ich hätte für einen Moment von hier entfliehen können.

Manuel, habe siebenundzwanzig Jahre bei ihm gearbeitet. Auch Manuels Frau sei bei ihm angestellt, sie sei die Kiloradieschen-Chefin.

Es schien nur zwei Arten von Nächten zu geben in dieser Woche. Die eine bestand darin, dass ich mich hinlegte, die Augen schloss, und eine Sekunde später klingelte der Wecker. So kam es mir zumindest vor. Die andere war etwas komplexer: Da waren Maulwürfe aus Stahl, die sich in die Erde bohrten. Da waren die Delfine aus Douglas Adams’ Roman «Per Anhalter durch die Galaxis», die sich langsam in einen azurblauen Himmel schraubten, während sie a cappella «So Long And Thanks for All the Fish» sangen. Da war der Milliardär Bill Gates, der unentwegt versuchte, mit einer Luftpistole Malariamücken abzuschiessen, sie aber ständig verfehlte. «Bill, was soll das werden?» – «Ich rette die Welt!» – «So funktioniert das aber nicht.» – «Warts nur ab.» Und wieder schoss er daneben.

Es muss am Mittwoch gewesen sein, als es nach der Mittagspause eine kleine Andacht gab. Fritz, der Chef, stand inmitten seiner Arbeiter und hielt ein Kondolenzbuch hoch. Als er zu reden beginnen wollte, blieben ihm die Worte im Mund stecken, er stockte. Mir schien, als ringe er mit den Tränen. Neben ihm lehnte eine gelbe Schalttafel an der Wand. An der Tafel war ein Kranz aus gelben, rosaroten und hellblauen Blumen befestigt. Vergangene Woche hatte ein fünfzigjähriger Mann auf einem Feld einen Herzinfarkt erlitten.

Fritz erzählte später, der Mann, Manuel, habe siebenundzwanzig Jahre bei ihm gearbeitet. Auch Manuels Frau sei bei ihm angestellt, sie sei die Kiloradieschen-Chefin. Nach Manuels Tod war ihm zu Ohren gekommen, die Mitarbeiter würden Geld für die Witwe sammeln, damit sie die Leiche ihres Mannes nach Portugal überführen könne. Fritz hatte die Geldsammlung beendet, er werde das übernehmen, sagte er. Einen Tag später warf ich einen Blick ins Kondolenzbuch. Und schämte mich dafür. Mir kam es vor, als beträte ich das Wohnzimmer eines Fremden. Ich schlug das Buch nur kurz auf, die Sätze überwältigten mich, dann klappte ich es wieder zu. Folgende drei Einträge notiere ich aus der Erinnerung:

«Manuel, mein Lehrer, ruhe in Frieden.» – «Sei stark, wo immer du bist, wir behalten dich in Erinnerung.» – «Immer war ich zusammen mit dir – mein bester Freund.»

Die Erntehelfer sehen zu, dass wir Zwiebeln kaufen können und Salat auf den Teller bekommen: Salatfeld aus der Luft fotografiert.
Die Erntehelfer sehen zu, dass wir Zwiebeln kaufen können und Salat auf den Teller bekommen: Salatfeld aus der Luft fotografiert.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Ich traf dann Edi, den Fotografen, in einem klimatisierten Pausenraum mit einer meterlangen hintergrundbeleuchteten Leinwand voller lila Blumen. Seinen Kumpel Lukas traf ich auch dort, einen arbeitslosen Kellner. Edi war beim Militär Lastwagenfahrer gewesen, und er durfte jetzt hier Traktor fahren. Also verbrachte ich die restlichen Tage auf dem Feld. Am Traktor war hinten ein Gerüst aus Metall festgemacht, und auf das Gerüst waren Sitze geschraubt, die aussahen wie Plastiksessel einer Strandbar. Dort sassen Lukas und ich, während Edi im Schneckentempo seine Bahnen zog und wir im Sekundenabstand Broccoli-, Blumenkohl- und Spitzkohlsetzlinge in die frisch gepflügte Erde warfen.

Sie werden nächste Woche arbeiten und übernächste Woche und die Woche danach.

Es war das, was Fritz, der Chef, «eine sehr schöne Arbeit» nannte, und er hatte recht damit, aber ich weiss nicht so genau, warum. Vielleicht hat es damit zu tun, dass bei dieser Arbeit Neues entsteht. Mir schmerzte zwar der Rücken, da ich mich ständig vornüberbeugte, aber es war eine Arbeit, die ich trotzdem wochenlang hätte weiterführen können. Am Freitagabend fuhr ich dann nach Hause, nahm ein Bad und versuchte, meine Finger sauber zu kriegen. Es gelang mir nicht. Am Tag darauf, am Samstag, gingen die anderen arbeiten, ich nicht. Auch am Montag arbeiteten sie, wie am Dienstag und am Mittwoch. Nuno plapperte vor sich hin, die Frau mit der Skorpiontätowierung schwieg, der grimmige Portugiese fluchte.

Sie werden nächste Woche arbeiten und übernächste Woche und die Woche danach. Sie sehen zu, dass wir Zwiebeln kaufen können, Salat auf den Teller bekommen und unseren Kindern Snackgurken in die Schule mitgeben können.