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Corona-Impfstart im Kanton ZürichWetziker Ehepaar wird als Erstes geimpft

Die grösste Impfaktion des Kantons hat begonnen. Ab 18. Januar stellt die Gesundheitsdirektion weitere Termine in Aussicht.

Kurz vor 11.30 Uhr wurden Herr und Frau Stüssi geimpft: Die Start der Zürcher Impfkampagne im Video.
Video: Tamedia

Das Impfzentrum mitten in Zürich steht heute im Fokus der Aufmerksamkeit. Dort, am Hirschengraben Nummer 84, unweit des Centrals, startet die grösste Impfaktion des Kantons Zürich. Auf 250 Quadratmetern werden in diesem Zelt in den kommenden Wochen 576 Personen pro Tag die Impfdosen verabreicht.

Die Ersten, die das Vakzin gegen Covid-19 heute kurz vor 11.30 Uhr erhalten haben, sind das Ehepaar Stüssi aus Wetzikon, 77 und 76 Jahre alt. Der Stich im linken Arm erfolgte zunächst bei Frau Stüssi. Anschliessend wurde auch er geimpft. «Super», sagte der Rentner danach.

Sie wurde als erste Zürcherin geimpft: Frau Stüssi erhielt kurz vor 11.30 Uhr die Injektion.
Sie wurde als erste Zürcherin geimpft: Frau Stüssi erhielt kurz vor 11.30 Uhr die Injektion.
Bild: Samuel Schalch
«Super»: Herr Stüssi aus Wetzikon hat die erste Dosis kurz nach seiner Frau erhalten.
«Super»: Herr Stüssi aus Wetzikon hat die erste Dosis kurz nach seiner Frau erhalten.
Bild: Samuel Schalch

Neben dem Wetziker Ehepaar lassen sich auch die ehemalige Unternehmerin Rosmarie Michel, der frühere Zürcher Ständerat und Regierungsrat Hans Hofmann, Schriftsteller Franz Hohler und Schauspieler Walter Andreas Müller heute impfen. Sie wollen als sogenannte Impfbotschafter mit gutem Beispiel vorangehen und andere motivieren. Als erster von ihnen liess sich bereits kurz vor 10 Uhr Professor Robert Steffen, Gründer des Zentrums für Reisemedizin, registrieren.

Die erste Registration: Ein Impfling gibt seine Daten bekannt.
Die erste Registration: Ein Impfling gibt seine Daten bekannt.
Bild: Pascal Unternährer

Vor Ort nimmt ein Arzt den Namen des Patienten auf, fragt nach seinem Befinden, seiner Krankenkasse, teilt ihm mit, dass bei der Verabreichung der Dosis Schmerzen auftreten könnten. Anschliessend wird die Impfung in einem der speziell eingerichteten Behandlungszimmer vorgenommen.

Reden der Regierungsrätinnen

Hält eine Rede zum Start der Zürcher Impfaktion: Regierungspräsidentin Silvia Steiner.
Hält eine Rede zum Start der Zürcher Impfaktion: Regierungspräsidentin Silvia Steiner.
Bild: Samuel Schalch

Davor referierten Regierungspräsidentin Silvia Steiner, Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh über die Bedeutung der Impfungen für den Kanton Zürich. Michael Schaepman, Rektor der Universität Zürich, und Jan Fehr, Leiter des Impfzentrums, stellten das Prozedere vor.

Der Start der Covid-Impfung sei ein wichtiger Wendepunkt für Zürich, sagt Steiner. «Sie gibt uns nach einem Jahr, in dem wir gegen das Virus kämpfen, wieder Hoffnung.» Es brauche aber weiterhin Geduld. «Wir werden kleine Schritte machen.»

Mitte Januar starten Impfungen im Altersheim

Tatsächlich sind die Impftermine vorerst ausgebucht. Die Zürcher Gesundheitsdirektion stellt ab 18. Januar weitere Termine für Personen ab 75 Jahren und Hochrisikopatienten in Aussicht. Ab Dienstag beginnt auch das Universitätsspital Zürich, Hochrisikopatientinnen und -patienten, die dort in Behandlung sind, Vakzine gegen Covid-19 zu verabreichen, und ab Mitte Januar starten die Impfungen in Zürcher Alters- und Pflegeheimen.

Bereit für die Spritze: Im Impfzentrum wartet der Schauspieler Walter Andreas Müller auf die Injektion.
Bereit für die Spritze: Im Impfzentrum wartet der Schauspieler Walter Andreas Müller auf die Injektion.
Bild: Samuel Schalch

Auch sonst sollen die Möglichkeiten, sich impfen zu lassen, im Kanton Zürich laufend erweitert werden, teilt die Gesundheitsdirektion am Montag mit. So seien Vorbereitungen in über 40 Spitälern und Gemeinschaftspraxen im Gange, und voraussichtlich im April sollen weitere Impfzentren im Kanton den Betrieb aufnehmen. Sobald der «in der Handhabung weniger anspruchsvolle» Impfstoff von Moderna zugelassen und verfügbar sei, werde auch das Impfen von Hochrisikopatienten in einigen Hausarztpraxen möglich sein.

Das müssen Sie zum Zürcher Impfstart wissen:

Wer ist zuerst dran?

Vorerst bekommen nur all jene das Vakzin, die 75 Jahre oder älter sind oder einer Risikogruppe angehören.

Wer zählt zur Hochrisikogruppe?

In diese Gruppe gehören Personen mit speziellen und schweren Formen von Herz-, Atemwegs- und Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas und Immunschwäche. Eine Liste finden Sie auf der Website des Kantons.

Wie bekomme ich einen Impftermin?

Freie Impftermine werden auf einer entsprechenden Website aufgeschaltet. Um einen Termin zu buchen, braucht man einen Account von Onedoc, dazu wird eine E-Mail-Adresse benötigt. Aktuell ist aber alles ausgebucht. Die Gesundheitsdirektion hat angekündigt, noch in dieser Woche weitere Termine freizugeben. Sobald sie das tue, werde sie via Medien informieren. Als am Mittwoch die ersten Termine freigeschaltet wurden, ist das System wegen grosser Anfrage innert weniger Minuten kollabiert, was bei vielen für grossen Ärger sorgte (lesen Sie hier mehr dazu). Hochrisikopatienten müssen sich via Hausarzt für einen Termin anmelden lassen. Hausärzte und -ärztinnen dürfen allerdings aktuell maximal drei Personen anmelden (lesen Sie hier mehr dazu).

Wird das Alter bei der Online-Anmeldung kontrolliert?

Das Stichdatum ist der Tag der Impfung. Dann muss man 75-jährig oder älter sein. Beim Anmeldeprozess wird nach dem Alter gefragt, vor Ort muss man sich ausweisen. Schwindeln lohnt sich nicht. Die stellvertretende Kantonsärztin machte am Mittwoch klar, wer beim Alter schummelt und zu jung für eine Impfung ist, wird beim Impfzentrum weggewiesen.

Wo wird geimpft?

Vorerst nur im Zentrum für Reisemedizin der Universität Zürich am Hirschengraben 84 sowie im Unispital Zürich. Am Unispital werden aber hauptsächlich besonders gefährdete Patientinnen und Patienten geimpft.

Wann kann ich mich bei Hausarzt impfen lassen?

Dass gerade die gefährdetsten Personen nach Zürich reisen und zentral an einem Ort geimpft werden sollen, sorgt teilweise für Unverständnis. «Es ist epidemiologisch nicht sinnvoll, wenn die Senioren jetzt alle Tram fahren», sagt etwa Josef Widler, der Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft, in der NZZ. Wann erste Hausärzte mit dem Impfen beginnen können, ist noch unklar. Widler schätzt, dass dies erst im Februar oder März der Fall sein wird. Zuerst müsse das Vakzin von Moderna zugelassen und geliefert werden.

Was muss ich zum Termin mitbringen?

Personen, die sich impfen lassen wollen, müssen ihre Krankenversicherungskarte, einen Personalausweis oder einen anderen amtlichen Ausweis und ihren Impfausweis mitbringen, sofern vorhanden.

Was kostet die Impfung?

Sie ist kostenlos.

Wie viele Impfstoffe gibt es?

Mitte Dezember hat die Gesundheitsdirektion ihren Plan vorgestellt und die Zahl der Impfdosen bekannt gemacht. Der Kanton Zürich hat vorerst 16’000 Einheiten, was für 8000 Personen reicht. Im Januar sollen weitere 30’000 Dosen hinzukommen. Im Kanton sind aber allein 130’000 Menschen 75 oder älter. Zudem schätzt die Gesundheitsdirektion die Zahl der Hochrisikopersonen auf 100’000.

Hier werden die ersten Impfungen durchgeführt: Das Impfzentrum am Hirschengraben 84 in Zürich.
Hier werden die ersten Impfungen durchgeführt: Das Impfzentrum am Hirschengraben 84 in Zürich.
Bild: Sabina Bobst

Gibt es einen Impfzwang?

Nein, es braucht eine Einverständniserklärung. In einigen Zürcher Heimen wird diese bereits vorsorglich von Bewohnerinnen und Bewohnern eingeholt, damit man bereit ist, wenn die dezentrale Impfkampagne startet.

Wie wird in den Heimen geimpft?

In Spitälern und Heimen wird dezentral mit mobilen Teams geimpft. Am 11. Januar beginnt im Kanton ein Testlauf im Wohnzentrum Fuhr in Wädenswil. Ab Ende Januar folgen schrittweise die anderen Heime.

Wird es weitere Impfzentren geben?

Ein weiteres grosses Impfzentrum wird in der Stadt Zürich geplant. Wo es hinkommen soll, ist aktuell noch nicht bekannt. Es werde aber eine grosse Halle dazu benötigt. Die Messe Oerlikon wurde wiederholt als möglicher Standort genannt.

Ich bin 45 und will mich impfen lassen, ab wann ist das möglich?

Nach den 75-Jährigen wird der Kreis jener, die sich impfen lassen dürfen, stetig ausgeweitet. Ab April soll das Corona-Vakzin dann allen Impfwilligen zur Verfügung stehen. Allerdings plant man vorerst nur Impfungen für Erwachsene.

Mehr Informationen zum Wirkstoff lesen Sie hier.

121 Kommentare
    Marianne Suesli

    ab 18.Jan. werden neue Impftermine "in Aussicht gestellt", und wieder ohne klare Kommunikation, wie das Anmeldeprozedere dann aussieht, hoffentlich nicht so ein Flop wie am 30.12.