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Interview zu den Jugendfilmtagen«Die Filme junger Menschen sind noch sehr spielerisch»

Einer ihrer ersten Filme gewann an den Jugendfilmtagen, später drehte sie mit «Die Herbstzeitlosen» einen der erfolgreichsten Filme der Schweiz: Bettina Oberli.

Wann haben Sie als Nachwuchsfilmerin die Jugendfilmtage für sich entdeckt?

Das war an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, der heutigen ZHDK. Es war üblich, dass man in jedem Semester einen Film drehte und den dann dort einreichte.

1999 haben Sie gewonnen: Sie erhielten für «Klara und Alfred» den Spezialpreis für den schönsten Liebesfilm. Es war ein Porträt Ihrer Grosseltern.

Und der Film zeigt, wie das ist, wenn man 60 Jahre verheiratet ist.

Wie kam es zu diesem Projekt?

Auch das war eine Semesterarbeit, zum Thema Dokumentarfilm. Eigentlich wollte ich etwas Grösseres machen über das kleine Dorf im Emmental, in dem meine Grosseltern lebten. Am Schluss wurde daraus dieses Konzentrat über ihre Ehe.

Wie war das damals am Festival?

Ich kann mich gut an die Vorführung erinnern, denn das war eines der ersten Male, dass etwas von mir ausserhalb des geschützten Rahmens in der Schule gezeigt wurde. Das war schon ein spezieller Moment.

War Ihre Grossmutter dann auch eine Inspiration für «Die Herbstzeitlosen»? Der handelt ja von einer alten Frau im Emmental. Nach dem Tod ihres Mannes eröffnet sie einen Lingerie-Shop.

Ich bin an diesem Thema hängen geblieben, nur schon weil ich natürlich meine Grosseltern oft gesehen habe. Ich habe gemerkt, dass das eine eigene Welt ist. Eine, die das Potenzial für eine Geschichte hat.

Kann man also einen Bogen spannen von den kleinen Anfängen zum grossen Erfolg?

«Die Herbstzeitlosen» hatte sicher einen Ursprung in «Klara und Alfred». Dort habe ich auch begriffen: Wenn man etwas erzählt, das einem nahe ist, auch wenn es unspektakulär wirkt, dann muss das nichts rein Privates bleiben. Das kann sehr wohl etwas Universelles bekommen.

2001 haben Sie an den Jugendfilmtagen noch den dritten Platz in der Filmschulkategorie gewonnen, mit «Supernova». Da fährt eine junge Frau auf dem Weg zu ihrer Hochzeit einen Astronomen an.

Das war mein Abschlussfilm an der Filmschule. Ich war damals aber ehrlich gesagt gar nicht in Zürich, ich habe am Telefon davon erfahren.

Sie blieben den Jugendfilmtagen verbunden. Einmal waren Sie in der Jury, und Sie waren öfters als Gast eingeladen. Das Festival findet jetzt zum 45. Mal statt. Wie wichtig ist es?

Unser Land ist ja klein, und es gibt nicht viele Möglichkeiten für junge Leute, ihre Sachen zu zeigen. Darum sind die Jugendfilmtage national von grosser Bedeutung. Dort gibt es eine Resonanz durch das Publikum und eine Jury. Viele Leute, die heute in der Schweiz Filme machen, haben am Festival diese ersten wichtigen Erfahrungen gesammelt, ihr erstes Feedback bekommen. Und als Zuschauerin finde ich gerade die Beiträge der ganz jungen Menschen spannend, die noch etwas völlig Unverbindliches, Spielerisches haben.

Heutzutage können alle mit dem Smartphone Filme machen und auf Youtube stellen. Da fehlt dieses Festival-Feedback.

Das merke ich jetzt selber. Mein neuer Film «Wanda, mein Wunder» wird immer wieder verschoben, seit einem Jahr schon. Wenn man einen Film vor Publikum aufführt, sieht man, wo die Leute lachen, wo sie berührt sind, wo der Funke überspringt. Wir wurden an viele Festivals eingeladen, die meist digital stattfanden. Es gab einen Publikumspreis in Kanada oder einen Jurypreis in New York, aber wenn man nicht selbst da ist, wird das mit der Zeit sehr abstrakt. Man bekommt kein Gefühl für das Publikum.

Leider müssen auch die Jugendfilmtage digital stattfinden, wie schon letztes Jahr. Werden wir nach der Corona-Zeit zu den physischen Festivals zurückkehren?

Allen technischen Vorzügen zum Trotz: Das Kino als Ort wird bestehen bleiben. Was man dort erlebt, ist grösser als das, was man auf dem Bildschirm zu Hause hat.