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Die gefallenen Helden

Valon Behrami und Ricardo Rodriguez standen am Ursprung der ersten Gegentore. Gegen Ecuador waren sie noch die grossen Figuren gewesen.

«Wir sind überfahren worden»: Xherdan Shaqiri beim Spiel gegen Frankreich in Salvador. (20. Juni 2014)
«Wir sind überfahren worden»: Xherdan Shaqiri beim Spiel gegen Frankreich in Salvador. (20. Juni 2014)
Guillaume Horcajuelo, Keystone
Ein schwacher Trost: Xhaka erzielt das 2:5 für die Schweizer.
Ein schwacher Trost: Xhaka erzielt das 2:5 für die Schweizer.
Keystone
Die Zuversicht der Grande Nation: Französische Fans vor dem Match.
Die Zuversicht der Grande Nation: Französische Fans vor dem Match.
Keystone
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Es war alles so wunderbar. Fünf Tage lang. Vom Sonntag bis gestern Freitag. Und dann war alles anders. Nichts mehr hatte die Genauigkeit von Rodriguez‘ zwei entscheidenden Zuspielen gegen Ecuador. Nichts mehr hatte die Urkraft von Behramis Lauf vor dem 2:1 gegen Ecuador. Nichts mehr hatte die Schärfe der damaligen Torschützen Mehmedi und Seferovic. Nichts mehr die Magie von Hitzfelds Händchen bei den Personalentscheiden.

Es leuchtete nur die Krawatte rot, als der Trainer nach dem Match zur Medienkonferenz kam. Er war «sehr enttäuscht über unsere Niederlage» und sprach von einem «rabenschwarzen Tag» seines Teams. «Wir haben nicht zu unserem Leistungspotential gefunden.» Während der Partie war er eine erste Viertelstunde lang nicht unzufrieden gewesen, die Schweiz habe bis zum ersten Gegentor gut mitgehalten, aber: «Der Doppelschlag der Franzosen hat uns dann das Genick gebrochen.» Die beiden Tore seien für den Gegner «wie Doping» gewesen. Danach habe Frankreich auf die Fehler der Schweizer lauern und kontern können. «Wir mussten den Franzosen in die Karten spielen. Wenn man die Defensive öffnen muss, gibt es gefährliche Konter, und das haben sie eiskalt ausgenutzt.» Die Gegenstösse der Blauen waren für ihn «phantastisch» gespielt.

Es hatte etwas von einer Tragödie gestern für die Schweizer. Die grossen Figuren vom vergangenen Sonntag waren schon früh gefallene Helden. Alle. Aber Behrami vor allem, der dieses Mal für seine Unkonzentriertheiten und Fehler Mal bestraft wurde – er hatte sich ja schon gegen Ecuador ungewöhnlich viele Mängel geleistet. In Salvador stand er am Ursprung des ersten und zweiten Tores und erlebte die zweite Halbzeit nicht mehr, weil ihn Hitzfeld durch Dzemaili ersetzte. Einen ganz anderen Tag erlebte auch Rodriguez, der den Corner vor dem ersten Gegentreffer ohne Not verschuldete. Hitzfeld kritisierte seine Spieler für die «individuellen Fehler». Wer solche Mängel habe, für den werde es schwierig, gegen einen solchen Gegner zu bestehen.

Hitzfeld ist wichtig, dass die Schweiz noch zwei Tore erzielte, dass dies erst am Schluss gelang, als die Franzosen mit gedrosseltem Motor spielten, das verschwieg er. Die Treffer, so glaubt er, seien wichtig für die Moral und zeigten, dass die Mannschaft lebe, dass sie eine Reaktion gezeigt habe. Von einem «schwarzen Abend» sprach der Deutsche gleich danach trotzdem noch einmal. Ihm war auch klar, was dieser Auftritt auslösen wird: «Es wird Kritik geben, berechtige Kritik, doch das gehört zu unserem Job. »

In der Sturmspitze hatte Hitzfeld mit der Nomination von Seferovic überrascht. Er glaubte, mit ihm die bessere Wahl zu treffen als mit Drmic, weil er wohl davon ausging, dass der 22-Jährige die Bälle besser abdecken und halten und ablegen könne für die aufgerückten Mitspieler. Die Einschätzung liess sich im Match nicht überprüfen, weil die Schweiz dem gegnerischen Tor fast nie nah genug kam. Trotzdem ist das Urteil zulässig, dass es ein Fehler war, auf Seferovic zu setzen statt auf Drmic, den Schweizer mit der besten Trefferquote (3 Treffer in 367 Einsatzminuten). Es war aber kein Fehler, der den Match entschied, dafür war die Schweiz in allen Bereichen viel zu unterlegen. Hitzfeld nahm Seferovic in der 70. Minute vom Rasen, da stand es 0:4. Als das 0:5 fiel durch Sissoko stand er wieder an der Seitenlinie. Mit den Händen auf dem Rücken. Wie er das so oft tut. Gestern aber drückte die Geste nur eines aus: Die grosse Machtlosigkeit.

Was der Schweiz bleibt ist die «nach wie vor grosse Hoffnung, dass wir uns für den Achtelfinal qualifizieren», so sagt das Hitzfeld, «es liegt an uns selbst, wir haben die Chance dazu». Nicht nervös dürften sie jetzt werden und sich nicht beeindrucken lassen von dieser Niederlage. Er erwartet jetzt eine Trotzreaktion.

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