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Kolumne Michèle BinswangerDie heimliche Sucht nach Muskelkater

Viele Sportler geniessen einen leichten Muskelkater – aber zeigt er wirklich an, dass man richtig trainiert?

Viele Sportler sind heimlich verliebt in ihren Muskelkater. Sie begrüssen es, wenn sich am Folgetag eines Trainings das leise schnurrende Ziehen einstellt, denn es scheint zu verraten, dass man sich ordentlich angestrengt und also effizient trainiert hat. Oft beklagt man sich gegenüber anderen darüber und geniesst gleichzeitig die Befriedigung durch den Schmerz mit heimlichem Masochismus.Und dann gibt es noch den anderen Muskelkater. Wenn der Schmerz kein leises Ziehen, sondern ein brüllender Hammer ist, der bei jeder Bewegung auf den Muskel niederfährt. So neulich geschehen, nachdem ich mit meiner Tochter das Garage-Gym einer befreundeten Personaltrainerin besuchte. Die Trainerin, sie ist noch in Ausbildung, stellte uns drei Circuits zusammen, und wir trainierten als ihre Versuchskaninchen etwa 90 Minuten, mit unter anderem Klimmzügen, Squats, Kreuzheben und Sprints. Während ich das Training am nächsten Tag kaum spürte, konnte meine Tochter sich fast nur noch kriechend fortbewegen. Was dann nicht leise befriedigend ist, sondern nur sehr mühsam, wie sie mit lauten Klagen bezeugte.

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