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Duell mit Davies im CL-FinalMbappé verbindet mehr mit seinem Gegner, als man denkt

Kylian Mbappé und Alphonso Davies treffen erstmals aufeinander. Die Jungstars verbindet ihre Geschwindigkeit, Hang zum Spektakel und eine schwierige Kindheit.

Auch von Lyon nicht zu stoppen: Alphonso Davies von Bayern München.
Auch von Lyon nicht zu stoppen: Alphonso Davies von Bayern München.
Foto: Michael Regan (Getty Images)

Bayern München gegen Paris Saint-Germain, Hansi Flick gegen Thomas Tuchel, Alphonso Davies gegen Kylian Mbappé: Der Champions-League-Final verspricht viele Duelle, aber keines ist so aufregend wie das zwischen den beiden Jungstars: Alphonso Davies gegen Kylian Mbappé. Davies wird auf der linken Abwehrseite des deutschen Meisters verteidigen, Mbappé auf der rechten Angriffsseite des französischen Meisters sein direkter Gegenspieler sein. Ein Vergleich der beiden Jungtalente, die mit ihren Auftritten im Finalturnier
für Aufsehen sorgten.

Topspeed

Ihre Geschwindigkeit ist das augenfälligste Merkmal der beiden Spektakelspieler. Davies stand in den Schlagzeilen, weil er im Juni einen Bundesliga-Rekord aufstellte: Im Spiel gegen Werder Bremen beschleunigte er auf 36,51 km/h – es ist der schnellste Sprint seit Erfassung der Tracking-Daten ab der Saison 2013/14. Bei Mbappé wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 36 km/h gemessen. Dies ist aber keine offizielle Angabe, sondern eine Messung der französischen Zeitung «Le Figaro». Die englische Zeitung «Daily Mail» will gar einen sagenhaften Topspeed von 38 km/h gemessen haben. Wer die Nase vorn hat, wird sich am Sonntagabend zeigen. Klar ist: Sowohl Davies als auch Mbappé gehören zu den schnellsten Fussballern der Welt.

Da kann es dem Gegner schon mal schwindlig werden: Kylian Mbappé während des Halbfinals gegen Leipzig.
Da kann es dem Gegner schon mal schwindlig werden: Kylian Mbappé während des Halbfinals gegen Leipzig.
Foto: Julian Finney (Getty Images)

Hintergrund

Mbappé und Davies haben beide einen kometenhaften Aufstieg hinter sich, sie verbindet eine Kindheit und Jugend voller Herausforderungen. Der 21-jährige Franzose wuchs in Bondy auf, einer Banlieue im Nordosten von Paris. Sein Vater ist aus Kamerun, seine Mutter aus Algerien. Mbappé lässt die sozialen Probleme, die im Vorort allgegenwärtig sind, dank dem fussballerischen Talent hinter sich: Er darf in der Fussballakademie des französischen Verbands in Clairefontaine trainieren und wechselt als 14-Jähriger zu Monaco. In der Saison 2017/18 stürmt er mit den Monegassen in der Champions League bis in den Halbfinal, erzielt sechs Tore. Nach der Saison folgt der Wechsel zu PSG. Die Ablösesumme – nach einer Saison Leihe – beträgt 180 Millionen Euro.

Die Geschichte des 19-jährigen Davies ist noch erstaunlicher. Der Kanadier wurde in einem ghanaischen Flüchtlingslager geboren, die Eltern waren vor dem Bürgerkrieg in Liberia geflohen. Fünf Jahre lebt er dort, bevor die Familie 2005 nach Kanada einreisen darf. In Edmonton startet Davies’ Fussballkarriere, als 14-Jähriger wechselt er zu Vancouver. Im Januar 2019 verpflichtet ihn der deutsche Rekordmeister für rund 18 Millionen Euro. Letzten Herbst eroberte er unter Niko Kovac den Stammplatz als Linksverteidiger. Als Hansi Flick den Trainerposten übernahm, setzte auch er auf Davies – und der wurde zum Senkrechtstarter des europäischen Fussballs.

Leistungen

Zugegeben: Ein Aussenverteidiger und ein Stürmer sind schwierig zu vergleichen. Auf WhoScored.com wird jeder Spieler je nach Position nach unterschiedlichen Kriterien bewertet. Davies erhält in der Champions League über die gesamte Saison betrachtet die Note 7,99 (von 10) und in der Bundesliga 7,52. Er wurde ins Bundesliga-Team der Saison gewählt und hat am zweitmeisten Dribblings aller Bundesliga-Spieler komplettiert (82). Mbappé wird mit 7,53 (Champions League) und 8,14 (Ligue 1) bewertet – der zweithöchste Wert hinter Teamkollege Neymar. Der Durchschnitt der beiden Noten zeigt: Davies (7,755) und Mbappé (7,835) liegen auch hier fast gleichauf – mit leichten Vorteilen für den Stürmer.

Erfolge

Sein grösster Erfolg: Kylian Mbappé wurde 2018 mit Frankreich Weltmeister.
Sein grösster Erfolg: Kylian Mbappé wurde 2018 mit Frankreich Weltmeister.
Foto: Stefan Matzke (Getty Images)

Hier liegt der grosse Unterschied zwischen Mbappé und Davies. Der PSG-Stürmer kann für einen 21-Jährigen eine sehr lange Liste an Erfolgen aufweisen: Er ist vierfacher Meister, je zweifacher Cupsieger (Coupe de France und Ligacup), zweifacher Liga-Torschützenkönig, einmal wurde er zum Spieler der Saison gewählt, und vor allem ist er: Weltmeister. 2018 wurde der damals 19-Jährige in Moskau zum besten Nachwuchsspieler des Turniers gekürt. Mbappé kommt inzwischen für Frankreich auf 34 Länderspiele und 13 Tore.

Da kann der zwei Jahre jüngere Davies nicht mithalten: Er hat in seiner Karriere bisher zweimal die deutsche Meisterschaft und zweimal den Cup gewonnen. Für Kanada kam er in 17 Länderspielen zum Einsatz und hat dabei fünf Tore erzielt – für einen Verteidiger ist dies ein überraschend guter Wert. Trotzdem wird Davies, anders als Mbappé, mit seinem Land nie um die grössten Titel spielen können.

Einer der beiden darf sich ab Sonntagabend erstmals Champions-League-Sieger nennen.

Social-Media-Präsenz

Mbappé ist neben dem Platz deutlich bekannter. Seinen 42,5 Millionen Instagram-Follower stehen 1,8 Millionen von Davies gegenüber. Der Kanadier zeigte sich allerdings während der letzten Monate als ebenso grosser Entertainer in den sozialen Medien wie auf dem Platz: Er parodierte auf Tiktok den Song «I want it that way» von den Backstreet Boys oder filmte sich beim Versuch, das Wort Schiedsrichter auszusprechen. Auf der Videoplattform ist er äusserst beliebt: Davon zeugen 1,4 Millionen Follower und 22,7 Millionen Likes. Mbappé beschränkt sich darauf, Fotos bei Instagram zu posten.

Davies unterhält seine Follower auf Tiktok.

Das Aufeinandertreffen im Final am Sonntag (21 Uhr, hier live im Ticker) wird spannend sein. Von Davies wird nicht nur Offensivdrang gefragt sein, sondern auch seine defensiven Fähigkeiten getestet werden. Es wird ein Balanceakt: Lässt er Mbappé zu viel Raum, wird der PSG-Spieler dies ausnützen. Schaltet sich der Bayern-Verteidiger nicht mehr so oft in den Angriff ein, wird sein Team an Torgefahr einbüssen.