Zum Hauptinhalt springen

Fliegende Boliden«Die Motorräder hätten Valentino vernichten können»

Ein Wunder, dass es nach dem heftigen Crash beim MotoGP-Rennen in Österreich keine Schwerverletzten oder gar Toten gab. Die Emotionen gehen trotzdem hoch.

Die Motorräder von Johann Zarco und Franco Morbidelli fliegen nach dem Crash durch die Luft.
Video: SRF

Es waren Bilder, bei denen einem der Atem stockte. Beim MotoGP-Rennen in Österreich kommt es zum Crash zwischen Johann Zarco und Franco Morbidelli. Der 30-jährige Franzose bremst unmittelbar vor dem fünf Jahre jüngeren Italiener. Bei Tempo 300. Die Piloten fliegen übers Kiesbett und ihre Boliden wie Geschosse über die Strecke. Und nur Zentimeter über Valentino Rossi und über seinen vor ihm fahrenden Teamkollegen Maverick Viñales. Alle Fahrer bleiben zum Glück grösstenteils unverletzt, das Rennen wurde nach dem Vorfall unterbrochen und später neu gestartet.

Rossi hielt sich nach der Rückkehr in die Boxengasse die Hände vors Gesicht. Er wusste, dass er mehrere Schutzengel hatte. Nach dem Rennen sagte die fahrende Legende: «Wir hatten alle sehr viel Glück. Zuerst dachte ich, es sei der Schatten eines Helikopters. Doch dann sah ich, wie die Motorräder an uns vorbeigeschossen sind. Die Schutzengel der MotoGP leisteten heute gute Arbeit.»

Der Zwischenfall gibt Rossi zu denken. «In der MotoGP wird mittlerweile sehr aggressiv gefahren. Doch für mich ist wichtig, dass nicht übertrieben wird. Wir müssen Respekt vor den anderen Fahrern haben, die ebenfalls auf der Strecke unterwegs sind», fordert der 41-jährige Italiener. Er hatte den Humor trotz des schweren Zwischenfalls aber nicht ganz verloren. «Morbidellis Motorrad hat mir eine neue Frisur verpasst.»

«Zarco ist ein halber Mörder.»

Franco Morbidelli

Der abgeschossene Morbidelli kritisiert Zarcos Fahrweise ebenfalls. «Zarco ist ein halber Mörder. Wenn man bei 300 km/h so bremst, hat man wenig für seine Gegner übrig.» Rossi sieht das genauso. «Bei einem solchen Manöver fehlt der Respekt gegenüber den Konkurrenten.» Der Italiener hofft, dass gegen Zarco etwas unternommen wird. Schliesslich sei der Franzose bekannt für seine halsbrecherische Fahrweise.

Franco Morbidellis Motorrad fliegt durch die Luft.
Franco Morbidellis Motorrad fliegt durch die Luft.
Foto: David Goldman/Freshfocus

Zarco selbst ist sich keiner grossen Schuld bewusst, er spielt den Zwischenfall hinunter. «Mir wurde vorgeworfen, ich wäre eine weite Linie gefahren, aber ich fuhr kaum anders als sonst. Als ich bremste, wurde Morbidelli überrascht und hat mich berührt», schilderte der Franzose den Ursprung des Unglücks. Ihm ist aber auch bewusst, dass der Zwischenfall viel schlimmer hätte ausgehen können. «Das Schlimmste war, dass die Motorräder Valentino hätten vernichten können. Wobei es keinen Unterschied macht, ob es ihn oder einen anderen getroffen hätte. Das war furchteinflössend.»

Zarco hatte die Kommentare seiner Konkurrenten mitbekommen. Er sprach noch am Sonntag mit Rossi, weshalb es ihm nun besser gehe, so der Franzose. Einen Austausch mit Morbidelli gab es nicht, da dieser das Renngelände bereits verlassen hatte.

7 Kommentare
    Hansueli Hof

    Ich verstehe das ganze Geheule nicht. Motorradrennen gehören seit eh und je zu den gefährlichsten Sportarten. Wer diesen Sport wählt, weiss das von Beginn weg und nimmt die Gefahr von Tod und schweren Verletzungen bewusst auf sich. Und er ist nicht der einzige hochgefährliche Sport. Dasselbe gilt für eine ganze Anzahl anderer Sportarten.