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Terroristen in MoçambiqueDie neue Todeszone der Jihadisten

Aufständische im Norden Moçambiques haben die Stadt Palma erobert und bedrohen ausländische Investitionen. Was der Konflikt mit der Terrorgruppe Islamischer Staat zu tun hat und wie er sich wieder entschärfen liesse.

Blutiger Aufstand: Im Hafen von Paquitequete werden Segelboote mit Menschen erwartet, die von den Küsten von Palma vertrieben wurden.
Blutiger Aufstand: Im Hafen von Paquitequete werden Segelboote mit Menschen erwartet, die von den Küsten von Palma vertrieben wurden.
Foto: Alfredo Zuniga (AFP)

Moçambiques Reichtum liegt draussen vor der Küste. Vor Cabo Delgado, ganz im Norden des Landes, entdeckten Geologen vor einem Jahrzehnt die grössten Gasvorkommen Afrikas. Internationale Unternehmen unter Führung des Konzerns Total haben mit Maputo ein Abkommen geschlossen, den Rohstoff auszubeuten, dafür sind Investitionen in Höhe von umgerechnet 20 Milliarden Franken vorgesehen. Eine höhere Summe ist noch nie für ein einzelnes Projekt in Afrika veranschlagt worden. Aber der Reichtum, der in den Tiefen des Ozeans lagert, ist bitter umkämpft. Und die Gewalt in der Provinz hat in diesen Tagen einen neuen Höhepunkt erreicht.

Die Stadt Palma, ganz in der Nähe des geplanten Flüssiggasterminals gelegen, ist verwüstet. Augenzeugen berichten von grauenvollen Szenen auf den Strassen. Sie haben enthauptete Menschen gesehen, Tausende Bewohner und auch ausländische Arbeiter mussten fliehen, viele versuchen, einen Platz auf einem der Boote zu bekommen, die übers Meer nach Süden in Sicherheit fahren, alle wollen fort aus Palma, das sich in eine Todeszone verwandelt hat.

In eine Geisterstadt verwandelt

Eigentlich sollte Cabo Delgado den Aufschwung Moçambiques symbolisieren, aber nun sieht es so aus, als würde das Kap zum Mahnmal eines vertrackten Konflikts, den der Staat Moçambique und die grossen Konzerne schwer unterschätzt haben.

Aufständische Kämpfer haben die Stadt Palma in der Provinz Cabo Delgado überrannt. Und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem Angriff bekannt. Der IS behauptet, dass er Palma kontrolliere, der Ort soll sich in eine Geisterstadt verwandelt haben. Ob der IS tatsächlich die treibende Kraft hinter der Gewalt ist oder ob die Terrorgruppe aus Nahost nur eine Führungsrolle vorgaukelt, bleibt ungewiss. Aber sowohl die Aufständischen Moçambiques als auch der IS profitieren davon, sich als Verbündete darzustellen. «Das erzeugt Aufmerksamkeit und stärkt den Ruf beider Gruppen», sagt Alex Vines, Afrika-Experte des Instituts Chatham House in London. Auch bei Boko Haram in Nigeria sei diese Allianz zu beobachten.

Der Schulterschluss mit dem IS könnte nach Ansicht von Experten zur weiteren Radikalisierung der Aufständischen führen.

Vines hat keinen Zweifel daran, dass die Aufständischen in Moçambique «eine lokale Gruppe sind, deren Kampf durch lokale Missstände getrieben ist». 2017 haben sie ihren Aufstand begonnen, entfacht wurde er offenbar durch einen explosiven Mix aus Armut, Gefühlen der Benachteiligung, Hass auf die Eliten der Zentralregierung, Korruption. Ideologisch wird die Bewegung gestützt durch Ideen eines «reinen Islams», der nötig sei, um sich neu zu organisieren, ein besseres Leben zu erkämpfen.

Anfangs, sagt Vines, habe der Konflikt mit dem Gasprojekt kaum etwas zu tun gehabt, doch der jüngste Angriff zeigt, dass sich das wohl geändert hat. «Sie wollten mit der Attacke Stärke beweisen», sagt der Politologe. Die Aussicht, dass Maputo gemeinsam mit ausländischen Firmen Reichtümer generiert, dürfte das Gefühl, benachteiligt zu werden, unter Sympathisanten der Rebellion noch verstärken.

Verlässliche Informationen aus Cabo Delgado zu bekommen, ist schwer. Seit Jahren verwehrt die Regierung unabhängigen Beobachtern den Zugang. Der Schulterschluss mit dem IS könnte nach Ansicht von Experten zur weiteren Radikalisierung der Aufständischen führen, es gibt Anzeichen, dass Kräfte aus Tansania involviert sind. Ausserdem betreiben Islamisten Trainingslager im Kongo, die von Aufständischen aus Moçambique genutzt wurden.

Nach dem Angriff der Islamisten: Moçambiques Soldaten patrouillieren in der Hafenstadt Mocímboa da Praia.
Nach dem Angriff der Islamisten: Moçambiques Soldaten patrouillieren in der Hafenstadt Mocímboa da Praia.
Foto: Adrien Barbier (AFP)

«Diese Leute sind wütend», sagt der Sicherheitsanalyst Willem Els aus Südafrika. Deshalb müsse man sich darum kümmern, was der Auslöser der Wut sei. Eine rein militärische Strategie könne den Konflikt nicht lösen. Der Politologe Vines sieht das ähnlich, nötig sei ein Kurs, der die Entwicklung der armen Region ermögliche, und auch Gespräche, um besser zu verstehen, warum Leute aus der Gegend die Rebellion unterstützen.

Zunächst aber beherrscht die militärische Kraftprobe das Bild, die Regierung will die Kontrolle zurückerlangen. Maputo setzt dabei auch auf private Sicherheitsfirmen. Anfangs hatte sie auf russische Söldner ins Feld geschickt, dann engagierte der Staat die Dyck Advisory Group (DAG), deren Gründer Lionel Dyck einst als Soldat in der rhodesischen Armee begann. Im südafrikanischen Fernsehen sagt Dyck über die Aufständischen: «Das sind keine Banditen im Busch mehr. Das war ein gut koordinierter Angriff.» Die Kämpfer seien schwer bewaffnet, auch mit Mörsern. Sie dürften Waffen aus Beständen der Armee erbeutet haben; dass der IS Lieferungen organisiert, gilt als unwahrscheinlich.

Mitarbeiter in Sicherheit gebracht

Dyck berichtete, wie seine Leute in der verworrenen Lage versuchten, Überlebende aufzuspüren und mit Helikoptern in Sicherheit zu bringen. Gestorben sind nicht nur Bewohner der Stadt, sondern wohl auch ausländische Arbeiter, niemand kennt bisher ihre Zahl. Die Firma Total erklärte, sie habe 1000 ihrer Mitarbeiter in Sicherheit bringen können.

Aber Dyck, der nun vielen wie ein Retter erscheint, hat auch mit schweren Vorwürfen zu kämpfen. Amnesty International beruft sich auf Augenzeugen, die davon berichteten, dass seine Söldner bei früheren Einsätzen aus Helikoptern wahllos auf eine fliehende Menge geschossen hätten. Auch die Armee steht unter Verdacht, Gräueltaten begangen zu haben. Die Gewalt hat Spuren hinterlassen: entvölkerte Dörfer, menschenleere Landschaften. Die UNO registrierte 2600 Tote und 670’000 Vertriebene seit 2017.

1 Kommentar
    Peter Schöchlin

    Dieser Artikel ist am 30.03. erschienen. Gemäss Internet (Bluewin) hat Südafrika Truppen nach Mosambik entsandt. Wieso erscheint diese Meldung nicht im Tagi online von heute?

    Es werden ja online soviele unwichtige Nachrichten veröffentlicht. Aber hier geht es halt nur um einen afrikanischen Staat, der von islamistischen Terroristen heimgesucht wird und nicht um Paris, London, Berlin usw.