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Filmhighlights der WocheDie Rache des Schreiberlings

Gary Oldman spielt in «Mank» den legendären Drehbuchautor von «Citizen Kane». Dazu haben wir weitere Filmempfehlungen.

Herman J. Mankiewicz (Gary Oldman) auf einem Filmset in der Hollywoodstory «Mank».
Herman J. Mankiewicz (Gary Oldman) auf einem Filmset in der Hollywoodstory «Mank».
Foto: Netflix

Mank

Drama von David Fincher, USA 2020, 131 Min.

«Citizen Kane» (1941) gilt als einer der besten Filme, der je realisiert wurde. Es war der Geniestreich des 25-jährigen Regisseurs und Hauptdarstellers Orson Welles. Aber die erste Drehbuchversion schrieb Herman J. Mankiewicz, von allen Mank genannt. Er arbeitete wegen eines Unfalls meist im Bett, kannte jedoch die Welt der Zeitungszaren und Hollywoodgrössen, die er beschreibt, bestens: Trotz seiner bösen Sprüche wurde er in diesen Kreisen als Mitarbeiter und auch als eine Art Hofnarr sehr geschätzt. David Fincher realisierte mit «Mank» seinen ersten Kinofilm seit «Gone Girl» (2014), es ist ein Herzensprojekt des «Fight Club»-Regisseurs, denn das Drehbuch dazu schrieb vor vielen Jahren sein Vater. In nostalgischem Schwarzweiss beschreibt «Mank» das Dilemma der von Gary Oldman grandios gespielten Titelfigur, die sich mal als Aufklärer, dann wieder als Verräter sieht. Alles ist so virtuos und anspielungsreich inszeniert, dass einem beinahe der Kopf zu rauchen beginnt – ein Fest für Filmbesessene! (ml)

Ab Do 19.11. im Kino, ab Fr 4.12. auf Netflix

Suot tschêl blau

Dokumentarfilm von Ivo Zen, CH 2020, 72 Min.

Es liegt Schnee im Bündnerland, darüber spannt sich ein strahlend blauer Himmel. Ein überwältigender Anblick. «Diese Schönheit muss man ertragen können», sagt ein Mann, der hier aus dem Oberengadin stammt. In den 80ern und 90ern gehörte er zu den jungen Menschen, die sich gegen das verkrustete Denken in der Provinz auflehnten. Die Zürcher Unruhen werden zum Vorbild, aus der grossen Stadt stammt aber auch das Heroin, dem mehr und mehr Jugendliche zum Opfer fallen. Im Dorf mag man nicht wirklich darüber sprechen, bis heute, aber Ivo Zen («Zaunkönig») stemmt sich in seiner Doku gegen das Vergessen und befragt die Überlebenden. (ggs)

Ab Do 19.11. im Kino

Nuestras madres

Drama von César Díaz, GT/B/F 2019, 77 Min.

Fingerknochen, Rippen, ein Schädel: Im forensischen Institut von Guatemala-Stadt wird ein Skelett zusammengesetzt. Es stammt aus einem Massengrab, ein Überbleibsel aus dem guatemaltekischen Bürgerkrieg (1960–1996). Damit beginnt der Film von Regisseur César Díaz. Er erzählt in nüchternen, aber starken Bildern von einem jungen Forensiker (Armando Espitia), der Tote zu identifizieren versucht. Eines Tages berichtet ihm eine alte Frau (Aurelia Caal) von einer Massenhinrichtung in ihrem Bergdorf. Sie hat ein Foto der damals ermordeten Männer bei sich, und der Forensiker glaubt, darauf seinen eigenen verschollenen Vater zu erkennen. «Nein, er ist es nicht», meint zwar die Mutter (Emma Dib), aber der junge Mann lässt nicht locker. In Cannes erhielt «Nuestras madres» die Goldene Kamera für den besten Debütfilm. (ggs)

Ab Do 19.11. im Xenix

Tlamess

Drama von Ala Eddine Slim, Tun/F 2019, 120 Min.

Die fünfte Ausgabe des Arab Film Festivals läuft vom 19. bis 29. November im Filmpodium. Zu den Highlights gehört das tunesische Drama «Tlamess»: Ein Soldat (Abdullah Miniawy) hat die Nase voll von der Armee. Als seine Mutter stirbt und er Heimaturlaub bekommt, nutzt er die Chance und desertiert. Er landet als Waldschrat in der Wildnis, wo er auf einen schwarzen Monolith stösst – nicht die einzige Kubrick-Anspielung in diesem schrägen Film.

Fr 20.11., So 22.11., Filmpodium. iaffz.com

Xenix

W. – Was von der Lüge bleibt

Dokumentarfilm von Rolando Colla, CH 2020, 111 Min.

Das Buch «Bruchstücke» erschien 1995. Bruno Wilkomirski schilderte darin seine Kindheit in den Konzentrationslagern des Dritten Reichs. Er wurde dafür gefeiert, doch dann stellte sich heraus, dass die angebliche Autobiografie gelogen war. Regisseur Rolando Colla hat den überführten, zurückgezogenen Autor davon überzeugt, mit ihm über den Fall zu sprechen. (ggs)

Arthouse Movie

Citoyen Nobel

Dokumentarfilm von Stéphane Goël, CH 2010, 90 Min.

Im Jahr 2017 erhält der pensionierte Biophysiker Jacques Dubochet den Nobelpreis für Chemie. Plötzlich interessiert sich die ganze Welt für den Waadtländer. Er nutzt diese Aufmerksamkeit, um die Klimajugend bei ihrem Kampf zu unterstützen, aber es ist auch belastend, so im Zentrum zu stehen. Das Porträt eines Mannes mit ansteckender Energie und eine Reflexion darüber, wie der öffentliche Diskurs funktioniert.

Cinefile

The Mandalorian

Serie von Jon Favreau, USA 2019–2020, zweite Staffel

In der ersten Staffel hat der Kopfgeldjäger (Pedro Pascal) ein Alien-Kleinkind gerade so vor den Überbleibseln des bösen Imperiums retten können. Jetzt in der zweiten versucht er, den Kleinen zu den Vertretern seiner Art zurückzubringen. Unter anderem bekommt er es mit einem Drachenmonster zu tun, und er muss die Eier eines Froschwesens retten.

Disney+

1 Kommentar
    Robert Krauer

    Die Filme von Jiri Menzel sind auch sehr gut. Neorealismus aus Tschechien.