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Stolzer SteinbockDie Rückkehr des Königs der Alpen vor hundert Jahren

300 Steinböcke leben zur Zeit im Nationalpark im Engadin. Beinahe wären die Tiere zur Jahrhundertwende in der Schweiz ausgerottet gewesen. Schmuggler verhinderten dies.

Steinböcke sind wieder in verschiedenen Regionen des Kantons Graubünden anzutreffen. Diese Tiere wurden abgelichtet am Montalin oberhalb von Chur (Archivbild).
Steinböcke sind wieder in verschiedenen Regionen des Kantons Graubünden anzutreffen. Diese Tiere wurden abgelichtet am Montalin oberhalb von Chur (Archivbild).
Foto: Keystone

Um ein Haar wäre das stolze Wappentier des Kantons Graubünden fast ausgerottet worden. Doch dann schmuggelten Wilderer den Alpensteinbock von Italien zurück in die Schweiz.

Diese Wiederansiedlung des Königs der Alpen jährt sich am kommenden Samstag zum 100. Mal, wie der Schweizerische Nationalpark am Mittwoch in einer Mitteilung in Erinnerung rief. Heute leben im Nationalpark im Engadin etwa 300 Steinböcke. Auf dem ganzen internationalen Alpenkamm dürften sich rund 40'000 Tiere aufhalten.

Alle diese Wildtiere stammen von der Restpopulation im Jagdgebiet der italienischen Könige am Gran Paradiso im Nordwesten des Landes ab. Das bedeute, dass die genetische Vielfalt bei den heutigen Steinböcken relativ gering sei, schreibt der Nationalpark. Wie sich dies auf die Population auswirken werde, sei noch nicht bekannt.

Mehrere Gründe hatten zur fast gänzlichen Ausrottung des Steinbocks geführt. Das Aufkommen von Feuerwaffen im 16. Jahrhundert führte zu einer intensiveren Bejagung, Wälder mussten Weiden weichen. Und auch der Aberglaube spielte eine Rolle.

Fast jedem Körperteil des Steinbocks wurde eine heilende Wirkung zugeschrieben. Verwendet wurden das Blut, das Knochenmark und die Milz sowie die Hörner. Verschwunden in Graubünden war der Steinbock um 1640, obschon vorher ein Jagdverbot erlassen worden war. 1809 wurde im Wallis der letzte Steinbock erlegt.

Blasmusik zum Empfang

Überlebt hatten einige Tiere im Gebiet des Gran Paradiso in Norditalien. Der italienische König Emanuele II. sorgte persönlich für deren Schutz. Er zeigte aber keine Bereitschaft, im Zuge der Wiederansiedlung der Schweiz Tiere für die Zucht zur Verfügung zu stellen.

Ein Bild aus den frühen 1920er Jahren vom Transport junger Steinböcke in die Val Cluozza im Schweizerischen Nationalpark.
Ein Bild aus den frühen 1920er Jahren vom Transport junger Steinböcke in die Val Cluozza im Schweizerischen Nationalpark.
Foto: SNP

Wilderer seien deshalb angeheuert worden, schreibt der Nationalpark. Ab 1906 hätten sie unter Lebensgefahr Steinbockkitze aus dem Gran Paradiso in die Schweiz geschmuggelt. Aufgezogen und gezüchtet wurden die Tiere im Tierpark Peter und Paul in St. Gallen. Erste Aussetzungen im st. gallischen Weisstannental und am Piz Ela in Mittelbünden blieben erfolglos.

Am 19. Juni 1920 trafen sieben Kisten mit Steinböcken in Zernez im Engadin ein. Den Empfang am Bahnhof begleiteten eine Blasmusik und eine grosse Menschenmenge. Einige Tiere zogen nach der Freilassung weg, die Böcke wurden gewildert. Ein paar Geissen siedelten sich am Piz Albris bei Pontresina an. Sie gaben laut Angaben des Nationalparks den Anstoss für die Gründung der gleichnamigen Kolonie.

SDA

4 Kommentare
    Ole Tell

    Anständig von der Natur pflücken, wie Pilze, Apfel, Forellen .... aber darf auch Rothirsch und sogar Steinbock sein. Mindestens kam die CH vom ausgerottenen Steinbock wieder auf hohe Zahlen, und wieder mit Jagen. Jäger helfen heute oft mit, dass es noch Wild gibt. Wenn es zuviel Pflanzenfresser und zuwenig Räuber hat, wird Jagd wichtiger. Im Gegensatz hat das sehr grosse Argentinien zB nur noch so 350-500 Huemul Hirsche, und es geht abwärts.