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Switzerland, zero pointsDie Schweizer gehen beim NHL-Draft leer aus

Erstmals seit 2009 wählte die beste Eishockeyliga der Welt bei der Spielerziehung keinen einzigen Schweizer aus. Der Trend stimmt bedenklich.

Beim HC Davos zum NHL-Draft gereift: Der Österreicher Benjamin Baumgartner, am Mittwoch von New Jersey in der 6. Runde ausgewählt (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Beim HC Davos zum NHL-Draft gereift: Der Österreicher Benjamin Baumgartner, am Mittwoch von New Jersey in der 6. Runde ausgewählt (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Als alles vorbei war, irgendwann in der Nacht auf Donnerstag hiesiger Zeit, hatte ein historischer Draft geendet. Für die NHL, die ihre jährliche Talentverteilung wegen Covid-19 zum ersten Mal online durchführte. Aber auch für die Schweiz: Erstmals seit elf Jahren wurde kein einziger Spieler gezogen, der für die Nationalmannschaft auflaufen dürfte, die aktuell Rang 8 der Weltrangliste belegt. Österreich, die Nummer 17, konnte sich über gleich drei Gedraftete freuen. Deutschland ebenso alle unter den ersten 34 von total 217 gezogenen Spielern.

Switzerland? Zero points.

Wie der Eurovision Song Contest ist das Wahlprozedere der NHL-Clubs subjektiv gefärbt. Und zur Ehrenrettung des einheimischen Nachwuchses darf man festhalten, dass die Österreicher Marco Rossi (Runde 1, Minnesota Wild) und Benjamin Baumgartner (Runde 6, New Jersey Devils) immerhin als Junioren in die Schweiz zogen, weil hier das Niveau höher war. Doch während Rossi die ZSC-Organisation als Sprungbrett nach Kanada nutzte und Baumgartner einen steilen Aufstieg in die erste Mannschaft des HC Davos hinlegte, profitieren ihre helvetischen Weggefährten immer weniger.

Der Trend ist alles andere als neu: Schon 2019 wurde mit dem Bieler Valentin Nussbaumer bloss ein einziger Schweizer gewählt in der letzten der sieben Runden und im Vorjahr bereits einmal übergangen. In den letzten fünf Drafts wurden total bloss elf Schweizer gezogen, nur einer davon unter den Top 100 seines Jahrgangs. Und wegen dieses einen haben viele kaum gemerkt, wie es um den Schweizer Nachwuchs wirklich steht.

Für Rossi freuten sich wohl auch viele Schweizer – auch wenn er Österreicher ist. Schliesslich verbrachte er seine Juniorenzeit bei den ZSC Lions.
Für Rossi freuten sich wohl auch viele Schweizer – auch wenn er Österreicher ist. Schliesslich verbrachte er seine Juniorenzeit bei den ZSC Lions.
Foto: Getty

Hischier übertüncht alles

Dieser eine ist natürlich Nico Hischier. Der Walliser Ausnahmestürmer wurde 2017 von New Jersey als Nummer 1 des gesamten Jahrgangs gezogen, überstrahlt seither alles und übertüncht alles. Denn Hischiers Talent erweckt den Eindruck, es sei weitergegangen wie in den Jahren zuvor, als die Schweizer Jahr für Jahr das Interesse der besten Liga der Welt auf sich zogen. Nachdem Nino Niederreiter 2010 an fünfter Stelle gewählt wurde, gab es in sechs Jahrgängen bloss einen ohne Schweizer Erstrunder. Sven Bärtschi, Mirco Müller, Timo Meier, Kevin Fiala: Sie alle weckten in der NHL grosse Begehrlichkeiten.

Doch diese Zeiten sind vorbei, das hat der Online-Draft nachdrücklich gezeigt. 2020 sind es Deutschland und Österreich, die einen Top-Ten-Draft feiern. Und der Schweizer Nachwuchs kann nur hoffen, dass Covid-19 die einzige neue Normalität ist, mit der er sich längerfristig befassen muss.