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Aktienverkauf gescheitertDie Stadt Zürich wird ihre AKW-Anteile nicht los

Über 2 Millionen hat die Stadt investiert, um ihre Anteile am Atomkraftwerk Gösgen zu verkaufen – vergebens. Jetzt gibt der Stadtrat vorerst auf.

Niemand will Anteile des AKW Gösgen kaufen. Jetzt stellt der Stadtrat seine Bemühungen ein.
Niemand will Anteile des AKW Gösgen kaufen. Jetzt stellt der Stadtrat seine Bemühungen ein.
Foto: Samuel Schalch

Seit zwölf Jahren ist die Stadt Zürich der 2000-Watt-Gesellschaft verpflichtet. Seit 2016 hat die Stadt zudem den Auftrag, aus der Atomenergie auszusteigen. So wollten es die Stimmberechtigten an der Urne. AKW-Beteiligungen passen da schlecht dazu.

Nach wie vor ist die Stadt Zürich jedoch über das Elektrizitätswerk an den Kernkraftwerken Gösgen und Leibstadt sowie an den französischen Anlagen Bugey und Cattenom beteiligt. Seit Jahren versucht der Stadtrat schon, einen Käufer für diese ungeliebten Anteile zu finden. Er hatte gar einen 2,8-Millionen-Kredit verlangt, um Hilfe bei der Suche zu erhalten. Der Gemeinderat gewährte der Stadtregierung zwar «nur» 2,2 Millionen, doch auch diese verpufften. Die Bemühungen seien bisher leider vergeblich gewesen, teilte der Stadtrat am Mittwoch mit.

100 mögliche Interessenten angesprochen

In der Schweiz und weltweit seien rund 100 mögliche Interessenten angesprochen worden. Das Resultat seien einige «unverbindliche Verhandlungsangebote» gewesen, darunter keines von Schweizer Energieunternehmen.

Nur zwei Angebote seien etwas konkreter gewesen. Sie stammten von Unternehmen ausserhalb Europas. Der Stadtrat ist allerdings nicht optimistisch, dass der Verkauf zustande kommt. Diese Angebote seien ungeeignet, er stelle den Verhandlungsprozess deshalb ein.

Frist bis 2034

Weiter zu verhandeln würde gemäss Stadtrat nur Geld kosten, bis zu 6 Millionen Franken zusätzlich. Der Stadtregierung ist es bewusst, dass sie die Beteiligungen bis spätestens 2034 loswerden muss – dem vom Stimmvolk verhängten Austrittstermin aus der Atomenergie.

Er wolle diese Frist auch einhalten, betonte der Stadtrat. Sobald sich die Chancen für einen Verkauf verbessern, will die Stadt die Bestrebungen wieder aufnehmen. Bis dann bleibt Zürich auf den ungeliebten Atomkraftwerks-Anteilen sitzen.

Türler hatte gewarnt

Andres Türler, bei der Volksabstimmung 2016 noch Vorsteher der Industriellen Betriebe, hatte sich damals gegen ein fixes Ausstiegsdatum gewehrt, weil er befürchtete, so keine potenziellen Käufer für die Anteile zu finden. Der FDP-Stadtrat stellte sich sogar öffentlich gegen seine Stadtratskolleginnen und -kollegen, welche das Ausstiegsdatum befürworteten, und sagte: «Es kann sogar sein, dass wir einem Interessenten Geld bezahlen müssen, damit er die KKW-Beteiligungen des EWZ übernimmt.»

Derweil muss sich die Stadt als Aktionärin wohl oder übel am Unterhalt des AKW Gösgen beteiligen. So hat der Stadtrat im vergangenen Sommer einen Kredit von 7,5 Millionen Franken beantragt – dem Kraftwerk fehlt Geld, um einen sicheren Betrieb des Reaktors zu gewährleisten.

pu/SDA

16 Kommentare
    Heidi Steiner

    Vier Jahrzehnte lang produzierte die Anlage nicht nur für die Anwohner, sondern hauptsächlich für Zürich Strom.

    Die Angst vor dem AKW war in der Bevölkerung omnipräsent.

    Nun will die Stadtbevölkerung ihre Aktien noch vor dem Rückbau der Anlage veräussern und sich aus der sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung ziehen.

    Sogar ausländische Investoren wurden angefragt. So geht Verantwortung übernehmen. Sehr befremdend und angsteinflössend.

    Innert nur 4 Jahrzehnten eine solche Wandlung, wie wird das mit der sicheren

    Entsorgung über Jahrtausende?