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Coronavirus globalDie Welt hat die Seuche

Die USA und Italien sind Hotspots der Corona-Pandemie, China beginnt sich zu erholen. Brasilien und Indien steht das Schlimmste noch bevor. Eine Übersicht.

Es ist alles schnell gegangen. Das Coronavirus brauchte nur ein paar Wochen, um die ganze Welt anzustecken. Noch am 12. Januar war die Seuche weit weg und nur in China. Ab dem 13. Januar wurde Corona zum globalen Problem. In Thailand gab es einen Fall. Japan, Südkorea und die USA folgten rasch. Aus einem Rinnsal an Fällen wurde eine Flut.

Das Virus konnte sich überhaupt erst zur weltweiten Pandemie entwickeln, weil die chinesische Regierung zu spät reagiert hatte, als in Wuhan die Pandemie ihren Anfang nahm. Danach vertuschten die Behörden Krankheitsfälle und machten Kritiker mundtot.

Inzwischen sind weltweit mehr als eineinhalb Millionen Menschen angesteckt, fast 100’000 starben. Die USA haben mehr als doppelt so viele bestätigte Fälle als jedes andere einzelne Land. Und mehr als die Hälfte aller Betroffenen lebt in Europa, vor allem in dessen Süden.

Nur die Antarktis ist nicht betroffen

Ist also die ganze Welt vom Virus befallen? Nicht ganz. Sogar ein ganzer Kontinent ist frei von Corona, nämlich die Antarktis. Gemäss der Johns-Hopkins-Universität sind inzwischen jedoch bereits 184 Länder befallen. Die meisten noch Corona-freien Länder sind Inseln, etwa die Komoren, Mikronesien, die Marshallinseln oder Nauru. Die abgeschiedene geografische Lage ist für einmal ein Vorteil.

Nauru etwa liegt 320 Kilometer vom nächsten Ort entfernt. Das zweitkleinste UNO-Land nach Monaco zählt 10’000 Einwohner, pro Jahr schauen etwa 160 Touristen vorbei. Wegen der Pandemie hat nun aber Präsident Lionel Aingimea die Grenzen geschlossen. Denn in Nauru gibt es nur ein Spital, und das ohne Beatmungsgeräte. Ausserdem behaupten auch Länder wie der Jemen oder Nordkorea, dass sie Corona-negativ seien. Was jedoch eher unwahrscheinlich scheint.

Wie glaubwürdig die positiven Nachrichten aus China sind, ist zumindest umstritten. In den vergangenen Wochen seien die täglichen Fallzahlen seit dem Höhepunkt der Krise im Februar stark zurückgegangen, heisst es. Teilweise gab Peking sogar bekannt, es habe an einzelnen Tagen keine Neuinfektionen gegeben – was jedoch von den allermeisten Experten stark bezweifelt wird. Generell ist bei den Zahlen aus China Vorsicht geboten. China-Kenner wie etwa der chinesisch-amerikanische Geschäftsmann Kaiser Kuo bezweifeln hingegen, dass es möglich sei, Zahlen im grossen Stil zu fälschen.

China verkauft sich als Krisenbekämpfer

China positioniert sich unterdessen als globaler Krisenbekämpfer, entsendet Ärzte und liefert in Dutzende Länder Masken und Diagnosetests. Um sich im Ausland als Helfer vermarkten zu können, sind tiefe Fallzahlen zu Hause vonnöten. Die radikale Kur des chinesischen Regimes hat offensichtlich die Ausbreitung des Virus eingedämmt. Hilfreich waren auch eine verordnete Quarantäne und Reisebeschränkungen sowie ein rigoroses Tracking, bei dem die omnipräsenten Überwachungskameras eingesetzt wurden. Vor jeder Fahrt mit Bus und Bahn wird ein QR-Code auf dem Handy gescannt und so das Bewegungsprofil gespeichert, was zur Eindämmung der Pandemie beigetragen haben dürfte.

Gleichzeitig breitet sich das Virus global weiter aus, in Hotspots wie den USA gar immer schneller. In Indien oder Brasilien scheint die Krise erst richtig loszugehen. Hoffnung macht dagegen die Entwicklung in Südkorea – oder auch in Österreich, das nach Ostern den schrittweisen Weg zurück zur Normalität beginnt.

Hotspots

Italien

Obwohl die Kurve der Neuinfektionen sichtbar abgeflacht ist und sich die Lage in den Spitälern stabilisiert hat, wird Italien noch lange nicht zur Normalität zurückkehren können. Nach Angaben von Gesundheitsminister Roberto Speranza ist die Lage «weiterhin dramatisch». Die Regierung in Rom arbeitet an einem Fünf-Punkte-Plan für die öffentliche Gesundheit. Vorgesehen sind etwa eine Stärkung der lokalen Gesundheitsnetze, der Ausbau von Covid-Spitälern sowie deutlich mehr Tests.

Zuletzt waren die am 10. März erlassenen strikten Ausgangsbeschränkungen bis Ostermontag verlängert worden. Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie will nun die Regierung vorsichtig und schrittweise die «Phase 2» einleiten. In der zweiten Aprilhälfte soll ein Teil der stillgelegten Unternehmen den Betrieb wieder aufnehmen können. Unternehmerverbände machen Druck wegen drohender Pleiten. Weitere Öffnungen von Geschäften sowie erste Erleichterungen für die Bevölkerung dürften in der ersten Maiwoche erfolgen. Parallel zu den ersten Lockerungen des Ausnahmezustands will die Regierung neu Schutzregeln erlassen. Zur Diskussion stehen strikte Schichtregeln für Fabriken und Büros sowie Maskenpflicht am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit.

USA

New York ist zu einem globalen Epizentrum der Corona-Krise geworden. Schockierende Bilder zeigen Patienten, die in überlasteten Spitälern in den Gängen ausharren, oder Leichensäcke, die auf den Ladeflächen von Lastwagen liegen.

Dabei beschränkt sich die Pandemie nicht mehr auf New York. In mehreren anderen Grossstädten hat sich das Virus rasant ausgebreitet, beispielsweise in New Orleans, Detroit und Chicago. Der Bundesstaat Florida, wo besonders viele Pensionierte leben, könnte ebenfalls zum Hotspot werden.

New York ist das Epizentrum der Krise: Eine an Covid-19 verstorbene Person wird in ein Leichenschauhaus transportiert.
New York ist das Epizentrum der Krise: Eine an Covid-19 verstorbene Person wird in ein Leichenschauhaus transportiert.
Foto: Getty Images

Das Gesundheitssystem ist notorisch unterfinanziert, für viele Amerikaner ist der Gang zum Arzt zu teuer. Zudem fehlt eine nationale Strategie, um das Virus einzudämmen. Auf dem offenen Markt jagen sich die Bundesstaaten medizinische Geräte ab. Trotzdem fehlt es vielerorts an Beatmungsgeräten, Tests und Schutzanzügen.

US-Präsident Donald Trump sprach zuletzt von «sehr, sehr schwierigen Wochen». Gebe es nur 100’000 Tote, habe man einen guten Job gemacht. Derselbe Präsident hatte das Coronavirus lange verharmlost und so die desaströse Situation erst ermöglicht. In seinem ersten Tweet nannte er es «Carona». Danach versuchte er die Bevölkerung zu beruhigen, indem er erklärte, auch an der saisonalen Grippe würden ja Tausende Menschen sterben.

Spanien

Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach von einer Katastrophe», als er verkündete, die seit Mitte März geltende nationale Ausgangssperre zu verlängern. Das Land hat sich zum europäischen Corona-Epizentrum gewandelt.

Die offiziellen Fallzahlen sind erschreckend hoch. Das wahre Ausmass der Krise ist aber weitgehend unbekannt. Es fehlt in den Labors an Kapazitäten, um die nötigen Tests durchzuführen. Deswegen kaufte die Regierung Zehntausende Schnelltests aus China. Die Aktion geriet zur Blamage: Ein Teil der Geräte war unbrauchbar.

Jetzt rächt sich, dass das Gesundheitswesen nach der Finanzkrise 2008 heruntergespart wurde. Es mangelt an Intensivbetten, vor allem in Madrid und in Barcelona. Behandelt werden nur noch die, denen man bessere Überlebenschancen einräumt. Leidtragende sind die über 80-Jährigen, sofern sie es in die Spitäler schaffen. Fälle von Pflegeheimen, in denen das Personal flüchtete und die Leichen in den Betten liegen liess, wurden öffentlich.

Die Politik versucht, die Krise zu bewältigen – und sie aufzuarbeiten. Sehr wahrscheinlich wirkte der Weltfrauentag am 8. März, als 120’000 Menschen durch Madrid liefen, als Brandbeschleuniger. Die Opposition wirft Pedro Sánchez heute vor, er hätte die Veranstaltung absagen müssen.

Iran

Eine zerstrittene, korrupte und inkompetente Regierung und eine Wirtschaft, die wegen der Sanktionen seit Jahren abgewürgt wird: Es überrascht nicht, dass die Islamische Republik von der Pandemie besonders stark betroffen ist. Die offiziellen Zahlen sind bereits dramatisch. Noch höher als andernorts dürfte die Dunkelziffer sein. Zum einen wird viel zu wenig getestet, zum anderen versucht die Regierung, ihr politisches Versagen zu vertuschen.

Dabei sind die Fehler der politischen Führung dramatisch: Der Vizegesundheitsminister machte sich über Vorsichtsmassnahmen lustig und landete wenig später als Covid-19-Patient im Spital. Religiöse Schreine blieben offen, obwohl offensichtlich ist, dass gemeinsame Gebete von Tausenden die Ausbreitung massiv beschleunigen können. Und der Oberste Geistliche Führer Ali Khamenei verharmloste die Seuche zunächst und fabulierte später, es handle sich beim neuen Erreger um eine amerikanische Biowaffe.

Der Iran ist von der Pandemie besonders stark betroffen: Ein Angestellter läuft durch ein temporär errichtetes Spital im Norden Teherans.
Der Iran ist von der Pandemie besonders stark betroffen: Ein Angestellter läuft durch ein temporär errichtetes Spital im Norden Teherans.
Foto: AP 

Bereits ab Samstag will Präsident Hassan Rohani die eingeleiteten Quarantänemassnahmen in einem dreistufigen Verfahren lockern und zunächst Menschen in Wirtschaftsbereichen «mit geringem Gefährdungsrisiko» wieder arbeiten lassen. Für viele Beobachter kommt dieser Schritt viel zu früh.

Gefahrenherde

Indien

Indien hat am 25. März die grösste Ausgangssperre der Welt verhängt. Premierminister Narendra Modi rief die knapp 1,4 Milliarden Einwohner des Subkontinents auf, drei Wochen lang zu Hause zu bleiben. Noch ist die Zahl der Infizierten und Toten relativ tief, doch zuletzt nahmen die Corona-Fälle exponentiell zu. Experten warnen vor einer rasanten Ausbreitung des Virus in den Armen- und Arbeitervierteln der indischen Metropolen, wo viele Menschen sehr beengt leben.

Ausserdem könnten Millionen Wanderabeiter bei ihrer Massenflucht in ihre Heimatdörfer das Virus weiter verbreitet haben. Eine starke Zunahme von Covid-19-Fällen dürfte das fragile Gesundheitssystem Indiens ziemlich rasch überlasten. Indien hat nun Brennpunkte der Corona-Krise abgeriegelt und in Teilen des Landes eine Maskenpflicht eingeführt.

Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe. Allein wegen des Ausnahmezustands haben rund 50 Millionen Menschen ihre Arbeit verloren. Bereits jetzt ist die Armut in Indien riesig.

Brasilien

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat Covid-19 lange Zeit nicht ernst genommen. Er verharmloste den Erreger als «gripezinha» (kleine Grippe), wegen der Brasilien nicht stillstehen dürfe.

Dabei ist das bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas gegen Covid-19 schlecht gewappnet. Das Gesundheitssystem ist unterfinanziert und überlastet. Millionen Brasilianer arbeiten im informellen Sektor: Sie verkaufen Waren auf den Strassen, fahren Taxi, putzen Wohnungen. Social Distancing können sie sich nicht leisten.

Zwar sind die absoluten Zahlen nicht besorgniserregend. Da kaum getestet wird, dürfte das wahre Ausmass der Krise um ein Vielfaches höher sein. Experten und auch Bolsonaros Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta warnen vor einer Katastrophe.

Der Widerstand gegen Bolsonaro wächst. Der Gouverneur von São Paulo rief dazu auf, den Präsidenten zu ignorieren. Sein Amtskollege in Rio de Janeiro sagte, Bolsonaro könnte für seine Aussagen vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden.

Russland

Russland verzeichnete bisher einen eher glimpflichen Verlauf der Pandemie. Allerdings hat sich das Tempo der Neuinfektionen deutlich beschleunigt. Letzten Dienstag überstieg die Zahl der neu bestätigten Corona-Fälle erstmals die 1000er-Grenze an einem Tag. Russland stellt sich nun auf eine massive Zunahme der Krankenzahlen ein. Das Gesundheitssystem befindet sich teilweise in einem maroden Zustand. In vielen Städten und Regionen gelten seit Ende März scharfe Ausgangsbeschränkungen. Bei Verstössen gegen die Selbstisolation drohen harte Strafen – von hohen Bussen bis hin zu Gefängnis. Die Stadtverwaltung von Moskau nutzt Videokameras und Handy-Tracking, um Menschen in Quarantäne zu überwachen.

Die von Präsident Wladimir Putin Ende März verordnete arbeitsfreie Zeit bei voller Lohnfortzahlung wurde auf Ende April verlängert. Zuletzt schwor Putin seine Landsleute auf harte Zeiten ein, er sprach ihnen aber auch Mut zu. Russland habe alles, was es brauche, um die Krise zu überwinden: «Wir werden siegen.»

Hoffnungsträger

Taiwan

Dank einer frühzeitigen Abschottung vom Nachbarn China und wegen seines gut aufgestellten Gesundheitssystems ist Taiwan bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. Ein paar Hundert bestätigte Infektionen und lediglich fünf Todesfälle waren es bis Ende März. Taiwan ist erfolgreich gegen die Pandemie vorgegangen, ohne das öffentliche Leben komplett einzufrieren. Stattdessen setzte der Inselstaat vor dem chinesischen Festland auf Information, viele Tests und vor allem sehr schnelle Entscheidungen.

Mehr als 120 Einzelmassnahmen hat Taiwans nationales Epidemie-Kommandozentrum beschlossen – von der Regelung der Quarantäne über die aktive Suche nach Infizierten und der digitalen Überwachung Zehntausender Personen bis zu strikten Grenzkontrollen. Einreisen aus China waren nur in Ausnahmen möglich. Die Produktion von Schutzmasken wurde unter Heranziehung von Soldaten massiv gesteigert. Taiwan ist der zweitgrösste Maskenhersteller der Welt und produziert rund 15 Millionen chirurgische Masken pro Tag.

Südkorea

Das Land beweist, dass auch Demokratien Covid-19 eindämmen können. Die Anzahl der Infizierten sinkt seit Mitte März stetig. Zuletzt steckten sich weniger als hundert Menschen täglich neu mit dem Virus an.

Dabei sah es noch vor einigen Wochen schlecht aus: Ende Februar und Anfang März verzeichnete der ostasiatische Staat teilweise mehr als 800 Neuansteckungen täglich. Verantwortlich für einen grossen Teil der Infektionen war eine Sekte. Eine Frau nahm, bevor sie positiv getestet wurde, an mehreren Gottesdiensten teil und verbreitete das Virus.

Südkoreas Erfolgsrezept lässt sich auf zwei Faktoren reduzieren: Testen und Tracken. Die Unternehmen sind dazu gedrängt worden, schnell Testverfahren zu entwickeln. Südkorea schafft etwa 20’000 Tests pro Tag. Um potenziell Infizierte zu testen, nutzt das Land Daten von Smartphones und Kreditkarten. So können sowohl Infizierte als auch deren Kontaktpersonen identifiziert werden. Dank dem Tracking konnte die Regierung auf eine weitgehende Ausgangssperre verzichten.

Österreich

Österreich hat mit strikten Massnahmen auf das Coronavirus reagiert – und diese zeigten auch Wirkung. Die Zahl der bestätigten Infektionen steigt seit mehreren Tagen nur noch langsam an, und die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen stagniert. In Österreich beginnt nun am nächsten Dienstag der schrittweise Weg zurück zur Normalität. Kleine Geschäfte sowie Bau- und Gartenmärkte dürfen unter strengen Auflagen wieder öffnen. Ab dem 1. Mai sollen alle weiteren Läden sowie Einkaufszentren folgen. Ab Mitte Mai sollen Hotels und Gastronomie wieder öffnen.

Die Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung sind bis Ende April verlängert worden. Das bedeutet, dass man die Wohnung weiterhin nur mit triftigem Grund verlassen darf. Die Schulen bleiben bis mindestens Mitte Mai zu. Veranstaltungen sollen bis Ende Juni nicht stattfinden. Die bestehende Maskenpflicht in den Supermärkten wird nach Ostern auf alle geöffneten Läden und die öffentlichen Verkehrsmittel ausgedehnt.

50 Kommentare
    BMD

    Die xenophobe Haltung ist völlig unnötig... die Welt hat die Seuche, weil die Regierungen mit all ihrer Counter Intelligence, mit all den Warnungen der letzten 17 Jahre, es sträflich verpassten vorzusorgen...

    Und dazu zählt auch insbesondere die Schweiz... das zweitteuerste Gesundheitssystem der Welt hat eine der höchsten Durchseuchungsraten... und lügt sich um die Effizienz von Masken, nur weil sie keine Lager haben...

    Das muss mittels PUK aufgearbeitet werden, einer PUK die sich nicht aus Regierungsgünstlingen sondern Fachleuten zusammensetzt... und dann haben Konsequenzen zu folgen...