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Überraschender FossilfundDiese fünfäugige Garnele könnte eine evolutionäre Lücke füllen

In China sind Überreste einer bizarren Garnele aufgetaucht. Der Fund gilt als fehlendes Puzzlestück, um den grössten Stamm des Tierreichs zu verstehen.

Kylinxia Zhangi heisst die fünfäugige Garnele, deren Fossilien Forscher in der Provinz Yunnan entdeckt haben.
Kylinxia Zhangi heisst die fünfäugige Garnele, deren Fossilien Forscher in der Provinz Yunnan entdeckt haben.
Foto: D.-Y. Huang & H. Zeng

Der Name der fünfäugigen Garnele verdeutlicht ihre Bedeutung für die Erforschung der Evolution: «Kylinxia Zhangi» haben die Wissenschaftler ihre Entdeckung getauft, in Anlehnung an Kylin oder Qilin, ein Fabelwesen aus der chinesischen Mythologie; Zhangi ist das chinesische Wort für Garnele. Forscher um Diying Huan haben sechs Fossilien dieser bisher unbekannten garnelenähnlichen Tierart in der Nähe der chinesischen Stadt Yuxi in der Provinz Yunnan entdeckt. Die Auswertung der Funde erschien am Mittwochabend im Fachmagazin Nature.

Die fünfäugigen Wesen schwammen vor etwa 500 Millionen Jahren durch die Weltmeere, in der Zeit des sogenannten Kambriums. Neben fünf Stielaugen – zwei grosse ganz vorn, direkt dahinter drei kleine – fielen den Paläontologen die räuberisch anmutenden Greifärmchen und der Kopfschild der Tiere auf – allesamt Merkmale, die auf eine Verwandtschaft zu jeweils anderen Arten hindeuten. Hier kommt die namensstiftende Sagengestalt Qilin ins Spiel, ein Mischwesen. Das Qilin, manchmal auch «chinesisches Einhorn» genannt, trägt ein Hirschgeweih auf einem Drachenkopf genauso wie Fischschuppen, einen Karpfenbart und einen Löwenschwanz.

Die chinesischen Forscher haben sechs Fossilien dieser bisher unbekannten garnelenähnlichen Tierart entdeckt.
Die chinesischen Forscher haben sechs Fossilien dieser bisher unbekannten garnelenähnlichen Tierart entdeckt.
Foto: D.-Y. Huang & H. Zeng

Auch die fünfköpfige Garnele mutet chimärisch an: Der Körperbau ist typisch für die Megacheira, eine ausgestorbene Gliederfüsserart. Die fünf Augen erinnern an eine andere Gattung, die der Opabinia. Die Greifarme ähneln hingegen denen der bis zu zwei Meter langen Anomalocaris, eine räuberische und ebenfalls ausgestorbene garnelenähnliche Art.

Gliederfüsser stellen etwa 80 Prozent der bekannten Tierarten

Zwischen diesen riesigen Räubergarnelen und heutigen Gliederfüssern besteht aktuell noch eine grosse evolutionäre Lücke. Es fehlen Fossilien von Arten, die aus den Anomalocaris hervorgingen und sich zu Gliederfüssern entwickelten, wie wir sie heute kennen. Die neu entdeckte «Kylinxia Zhangi» könnte genau dieses fehlende Puzzleteil sein. «Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kylinxia evolutionär zwischen den Anomalocaris und den echten Gliederfüssern steht», sagt Zhu Maoyan, Co-Autor der Studie, in einer Mitteilung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Damit repräsentiere die fünfäugige Garnele das entscheidende Übergangsfossil, wie von der Evolutionstheorie prognostiziert.

Die fünfäugigen Wesen schwammen vor etwa 500 Millionen Jahren durch die Weltmeere.
Die fünfäugigen Wesen schwammen vor etwa 500 Millionen Jahren durch die Weltmeere.
Foto: D.-Y. Huang & H. Zeng

Derlei Rekonstruktionen der Evolution können Wissenschaftlern helfen, die enorme Artenvielfalt der Gliederfüsser besser zu verstehen. Dieser Stamm, zu dem Insekten genauso gehören wie Krebstiere und Spinnentiere, stellt etwa 80 Prozent der bekannten und noch lebenden Tierarten auf der Erde. Der evolutionäre Siegeszug der Tiere begann im Kambrium, der Zeit der fünfäugigen Kylinxia. Weshalb die natürliche Selektion dafür sorgte, dass aus fünf Augen zwei wurden, ist noch unklar. Womöglich waren die drei zusätzlichen Augen schlicht unnötiger Ballast.

2 Kommentare
    Hans Meyer

    Umsomehr eine Schande, wie sich das Säugetier Mensch auf der Erde verhält. Wir gefährden mit unserem umweltzerstörenden Verhalten insbesondere diese 80% der Fauna (von der Flora ganz zu schweigen) zu vernichten. Hoffentlich ist die Menschheit mit ihrer Grausamkeit wohl nur ein kurzes Aufflackern in der Erdgeschichte und das zerstörerische Feuer erlischt bald wieder.