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QAnon-Schamane und rechter MobDiese Trump-Anhänger haben das Capitol gestürmt

Unter den Eindringlingen waren viele Anhänger rechtsextremer Gruppen. Trotzdem wird versucht, die gewaltsame Aktion linken Aktivisten anzuhängen.

Der QAnon-Schamane: Jake Angeli war beim Capitol-Sturm dabei.
Der QAnon-Schamane: Jake Angeli war beim Capitol-Sturm dabei.
Foto: Jim Lo Scalzo (Keystone)

Sie durchbrechen Sicherheitsbarrieren, treten Türen ein, zerschlagen Scheiben. Wer sind diese Menschen, die am Mittwoch in das Capitol in Washington eindringen, Räume verwüsten und Abgeordnete wie Personal in Angst und Schrecken versetzen – und die ein Chaos ausgelöst haben, an dessen Ende nach bisherigen Erkenntnissen vier Menschen tot sind?

Auf Twitter verbreiten rechte Accounts schnell zwei Gerüchte. Das erste: Die Aktion gehe auf das Konto verkleideter «liberaler Aktivisten», die dem Trump-Lager damit schaden wollten. Das zweite: Es handle sich um linksextreme, ebenfalls getarnte Gruppen, vor allem die Antifa. Hunderttausendfach werden diese Behauptungen auf Facebook und Twitter verbreitet. Doch sie sind, nach allem, was man bislang weiss, völlig haltlos.

Nicht nur, dass Noch-US-Präsident Donald Trump eine völlig andere Botschaft sendet: Nachdem er den Mob zunächst angestachelt hatte, forderte er in einem Video die Protestler auf, nach Hause zu gehen. «Wir lieben euch», sagt er darin sogar, womit er kaum die Antifa meinen kann.

Chronologie der Eslakation: Alles rund um den Sturm aufs Capitol.
Video: Tamedia

Absurde Behauptungen

Viel deutlicher noch sind die Bilder und Videoaufnahmen vom Sturm auf das Capitol, die nun um die Welt gehen. Nach Einschätzung mehrerer Experten sind darauf klar Mitglieder von rechten und rassistischen Gruppen zu erkennen, ebenso von solchen, die Verschwörungsmythen verbreiten.

Auf den Bildern sind zunächst grösstenteils weisse Männer mittleren Alters zu sehen. Viele tragen Fahnen und Caps mit Parolen aus Trumps Wahlkampf. Einige tragen eine Konföderiertenflagge, ein Bekenntnis zu Rassismus und Sklaverei, in US-Militäreinrichtungen verboten. Wiederholt sind ausserdem Männer zu sehen, die den Hitlergruss zeigen.

Mehrere Aufnahmen aus dem Capitol zeigen zudem in Felle gekleidete Männer. Einer von ihnen – er trägt eine Pelzmütze, aus der Hörner ragen – ist der bekannte QAnon-Anhänger Jake Angeli aus Arizona. Angeli sagt, er trage dieses Outfit, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. QAnon ist eine rechtsextreme Gruppe, deren Anhänger Verschwörungsmythen verbreiten und US-Präsident Trump unterstützen.

Ein anderes Bild soll den rechten Stimmungsmachern im Netz als Beleg für ihre Behauptung dienen, dass Antifa-Aktivisten das Capitol gestürmt hätten. Es zeigt einen bärtigen Mann, der neben Angeli steht. Das Gesicht des Mannes findet sich auch auf anderen Bildern, welche die linke Seite Phillyantifa.org verbreitet hat.

Daraus konstruieren etliche rechte Twitterer die absurde Behauptung, dass der Mann auch Mitglied der Antifa sei. Doch das Gegenteil ist richtig. Es handelt sich laut mehreren US-Medien um Jason Tankersley, ein Mitglied der amerikanischen Neonazi-Bewegung. Sein Bild findet sich nur deshalb auf der Antifa-Seite, weil dort über bekannte Neonazis berichtet wird.

Auch Neonazi-Gruppen dabei?

Experten berichten darüber hinaus, dass sie in der Menge der Demonstranten, aus der sich der Sturm aufs Capitol formierte, Mitglieder mehrerer rechtsextremer Gruppen identifiziert hätten. Immer wieder genannt werden die Proud Boys, eine Art chauvinistische Hooligantruppe. Ihre Mitglieder behaupten, sie müssten Amerika vor den Kommunisten und der Antifa retten. Die Proud Boys waren schon in zahlreiche Ausschreitungen verwickelt. Ebenso erwähnt werden Mitglieder der Groyper Army, dabei handelt es sich um ein US-amerikanisches Rassistennetzwerk.

Trump-Anhänger beim Versuch, vor dem Capitol eine Barriere zu durchbrechen.
Trump-Anhänger beim Versuch, vor dem Capitol eine Barriere zu durchbrechen.
Foto: Keystone
97 Kommentare
    C. F.

    Sind wir ganz ehrlich, ein Land mit einem defacto Zweiparteiensystem ist eigentlich keine wirkliche Demokratie, es ist ein gespaltenes Land und alles was Partei blau macht findet Partei rot doof und macht es rückgängig. Es gibt wenig Konsens und fast nur extreme Haltungen. Ein Mehrparteiensystem wäre ein Ausweg, aber das wird in den polarisierten USA nicht möglich sein.