Diese Jobs werden als Letztes durch Roboter ersetzt

Viele Arbeitsplätze fallen der Digitalisierung zum Opfer. Doch sie schafft auch neue. 18 Stellenprofile mit langer Halbwertszeit.

Es gibt immer neue Jobs – nicht nur für Maschinen: Ein Roboter spielt Klavier. Foto: Getty Images

Es gibt immer neue Jobs – nicht nur für Maschinen: Ein Roboter spielt Klavier. Foto: Getty Images

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Kurzzeit-Celebrity

Jeder Hund hat seinen Tag, hat man früher gesagt. Und Andy Warhol sagte, in Zukunft werde jeder für 15 Minuten berühmt sein. Heute ist es so weit. Irgendwann geht jeder von uns mal viral – so wie jene Frau, die vor ihrem Flug von London nach Südafrika twitterte: «Fliege nach Afrika. Hoffentlich bekomme ich kein Aids. Mache nur Spass. Bin weiss.» Als sie landete, war sie schon gefeuert. Virale Berühmtheit ist – auch wenn es gut kommt – ein Fulltime-Job, der einen einfach überfällt. Egal, ob Skandal oder Glücksfall: 15 Minuten hat man, um die Chance zu nutzen – und viele Jahre, um den Schaden zu reparieren.

Karbonschürfer

Soeben wurde in Hinwil die weltweit erste Anlage zur Entkarbonisierung unserer Atmosphäre eingeweiht. CO2 kann dadurch, wenn aus der Luft gefischt, zur wertvollen Ressource werden. Wenn Donald Trump sich endgültig aus dem Klimaabkommen zurückzieht und ganz Amerika wieder anfängt zu schloten, dann hat die Sache wirklich Potenzial.

AI-Trainer

Künstliche Intelligenzen (Artificial Intelligence, AI) sind erst mal dumme Maschinen, die noch nichts wissen, geschweige denn verstehen. Sie brauchen Input. Damit ihre neuronalen Netze zu begreifen beginnen, füttert man sie mit Tonnen von Daten. Deshalb hat Apple so viele Sensoren an die Apple Watch gebastelt, und darum kauft Google so viele AI-Unternehmen auf. Nach der Datenfütterung müssen die AIs für ihre Aufgabe trainiert werden. Beispielsweise von Menschen, die mit blöden Fragen die Maschinen vorbereiten für ihre Arbeit als Callcenter-Assistenten.

Youtube-Schminktipp-Star

Die bekannteste deutschsprachige Youtube-Schminkexpertin heisst Bibi und verdient damit monatlich rund 125'000 Franken. Die kommen einerseits über Werbeeinnahmen aus zwischengeschalteten Clips, die Youtube zu einem Teil an die Urheber weiterleitet, andererseits über Produktwerbung im Video. Das «Forbes Magazine» hat mittlerweile ein eigenes Youtube-Millionärsranking. An der Spitze steht PewDiePie alias Felix Kjellberg. Der Schwede filmt sich beim Computerspielen und kassiert dafür rund 15 Millionen Dollar im Jahr.

So verdient er Geld: Youtube-Millionär PewDiePie alias Felix Kjellberg. Video: PewDiePie (Youtube)

Drone-Operator

Der Lastwagenfahrer der Zukunft heisst Drohnenlenker. Denn: Die wichtigste gesetzliche Vorschrift in fast allen Ländern, die Drohnen für den Lieferverkehr, die Polizei, das Militär oder auch die Post zulassen, besagt, dass jemand die Drohne steuern muss (damit klar ist, wer bei einem Unfall haftet). Künstliche Intelligenzen sind technisch noch lange nicht so weit, fehlerfrei Ware aufnehmen oder geschmackvolle Luftaufnahmen machen zu können. Der Weltverband für Unbemannte Transportsysteme schätzt die Anzahl neuer Arbeitsplätze durch Drohnen auf 100'000 bis zum Jahr 2025 – allein für die USA.

Richter

Grosse Hoffnungen hatte man in die angebliche Neutralität der Algorithmen gesetzt: Analyseprogramme halfen Richtern in den USA bei schwierigen Fragen – etwa ob ein Straftäter Freigang bekommen soll –, indem sie die Rückfallwahrscheinlichkeit berechneten. Gewiefte Anwaltskanzleien nutzten ähnliche Programme, um die Gewinnwahrscheinlichkeit eines potenziellen Mandats zu berechnen. Dummerweise stellte sich jedoch heraus, dass die Maschinen die Vorurteile ihrer Erbauer übernahmen. Roborichter kommen daher ziemlich aus der Mode – was wiederum das klassische Berufsbild des Richters stärkt.

Community-Manager

Er ist bereits ein Klassiker der neuen Arbeitswelt. Nicht nur die Migros hat einen, derzeit suchen auf der Jobplattform Indeed sogar Westschweizer Uhrmacher einen Community-Manager. Kaum hat ein Unternehmen Social-Media-Kanäle wie Facebook, Twitter, Snapchat, Instagram, den hauseigenen Blog, die Website – schon braucht man jemanden, der rund um die Uhr postet, der Shitstorms abwehrt, Diskussionen moderiert, Trolls entschärft, Kundenanfragen beantwortet und in jedem Moment den richtigen Ton findet. Der Community-Manager ist der Diplomat der Zukunft.

Infokrieger

Man hat es beim Wahlkampf in den USA oder Frankreich gesehen: Heute toben die wahren Schlachten im Netz. Irgendjemand muss die ganzen Fehlinformationskampagnen, die Hackerangriffe, die Firewall-Reparaturen und die Gegenkampagnen durchführen. Bereitwillige werden derzeit heiss umworben, grade suchen die Nato, die Schweizer Armee und die deutsche Bundeswehr ganze Bataillone von Laptopsoldaten.

Body-Part-Maker

Gute Nachricht für alle, die helfen wollen: Für Menschen mit medizinischem Interesse bietet sich dank der Fortschritte in Robotik, Biogewebe und Kunststofftechnik künftig ein Arbeitsfeld als Hersteller von Körperteilen. Zudem könnte es in Zukunft die Möglichkeit geben, sich optimierte Körperteile zu beschaffen, was Hoffnungen nicht nur bei Modeschaffenden und Designern wecken dürfte.

Mechanical-Turk-Worker

Auf der Amazon-Seite Mechanical Turk (MTurk) kann man sich anbieten für Mikrojobs. Meist geht es darum, für ein paar Cent Umfragen auszufüllen, «Like» zu klicken, Couverts zu beschriften oder Glühbirnen auszutauschen. Auf MTurk arbeiten die Tagelöhner der Zukunft. Sogar ein US-Präsident hat MTurk benutzt. Das flog auf, als herauskam, dass eine 15-Jährige aus Singapur eine Powerpoint-Präsentation für einen ihr damals unbekannten Wahlkämpfer erstellt hatte. Sein Name: Donald Trump.

Content-Moderator

Seit Mörder, Sadisten, Kinderschänder, Terroristen und sonstige Wahnsinnige das Internet als Marketingplattform für sich entdeckt haben und dort reihenweise Grauenhaftes hochladen, stellen Plattformen immer grössere Teams von Digitalzensoren – Euphemismus: Content-Moderatoren – ein. Im Frühjahr 2017 verkündete Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die Aufstockung seiner Moderatorenteams von 4500 auf 7500. Insgesamt soll es weltweit aktuell bis zu 150'000 Content-Moderatoren geben. Tendenz steigend, da die Algorithmen die Aufgabe bisher nicht lösen können.

Hat 3000 neue Content-Moderatoren eingestellt: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Foto: Reuters

Digital-Detox-Spezialist

Die Nachfrage nach dem Ausstieg aus der digitalen Droge steigt. Mittlerweile werben Hotels schon damit, kein Internet zu haben. «Adelboden Analog» heisst ein Schweizer Detox-(Entgiftungs-)Programm. Dabei muss man ganz neue Fähigkeiten erlernen: den Griffreflex zum Handy kontrollieren, zum Beispiel. Oder: sich auf etwas konzentrieren, obwohl man schon zwei Minuten nicht mehr auf Instagram war. Oder: mit Freunden essen. Einfach nur essen.

Senior Wellness Consultant

Sicher nicht am Aussterben sind die Senioren. Die Anzahl der Hundertjährigen in der Schweiz hat sich seit der Jahrtausendwende auf über 1500 mehr als verdoppelt. Und mit dem Eintreten der anspruchsvollen Babyboomer in den immer länger andauernden goldenen Herbst des Lebens entstehen zahlreiche Joboptionen. Vom Senioren-Yogi über den Sexualberater bis hin zum Psychotherapeuten für Demenzkranke. Überhaupt der ganze Pflegebereich bleibt Menschensache. Denn Roboter können vieles, aber nicht fürsorglich sein.

Bierbrauer

An jeder Eckknelle gehört es heute zum Minimalstandard, eine Handvoll verschiedener Craft-Biere parat zu haben. Je lokaler oder abgefahrener, desto besser. Früher war das anders. Da musste nicht jedes Bier von tätowierten Männern handgebraut werden, es lief einfach durch grosse Maschinen. Als diese Maschinenbrauereien dann von grossen Bierkonzernen aufgekauft oder verdrängt wurden, begann die Epoche der Mikrobrauereien. Wer kein Bier mag, kann auch Hufeisen machen. Die boomen ebenfalls – und heute gibt es mehr Hufschmiede als je zuvor.

Wieder gefragt: Bierbrauer. Foto: Getty Images

Personal Shopper

Wir haben (gefühlt) weniger Zeit, zugleich steigt (tatsächlich) das Angebot. Also brauchen wir Beratung. Personal Shopper helfen bei der Wahl des richtigen Fitnessprogramms, des passenden Paars Schuhe, der schönsten Wohnzimmerwandfarbe, der gesündesten Lebensmittel. So schwindelerregend schnell wächst die Anzahl der Kaufberater – bald müssen Beraterberater her.

Künstler

Es gibt Berufsgruppen, die haben sich als ziemlich resistent gegenüber der Automatisierung erwiesen. Beispielsweise der Kunstmaler. Das liegt unter anderem daran, dass man mit der Kunst zu wenig verdient. Schweizer Künstler erlösen im Schnitt etwa 40'000 Franken. Im angesagten Berlin sind es 16'430 Euro. Wer wenig hat, hat wenig zu verlieren. Daher können Musiker, Maler, Darsteller oder Schriftsteller über die Technologieängste des Mittelstands am lautesten lachen. Zumindest bis sie die nächste Stromrechnung begleichen müssen.

Investor

Richtig begeistert waren Anfang 2016 manche der ganz Reichen, die ihr Geld durch den Handel mit Unternehmensteilen oder das Vorfinanzieren von Unternehmensgründungen verdienen, als die erste vollautomatische Investmentfirma den Betrieb aufnahm. Investmentbanker dagegen schoben Panik, denn die Algorithmen brauchten sie nicht. Allerdings wurde das Programm namens DAO (Dezentrale Autonome Organisation) nach ein paar Wochen böse gehackt und dann eingestellt. Ein paar Reiche schoben daraufhin Panik, Investmentbanker dagegen waren begeistert.

Bestatter

Bestatter ist der sicherste Job überhaupt. Es wird die letzte Aufgabe des vorletzten Menschen sein. Und da man mittlerweile bei Verstorbenen auch auf den digitalen Nachlass, vom Facebook-Account zum Bitcoin-Guthaben, achten muss, bieten sich Bestattern viele Möglichkeiten zur Weiterentwicklung ihres Tätigkeitsfeldes – falls nicht einem der zahlreichen Startups, die im Silicon Valley an der Unsterblichkeit arbeiten, der Durchbruch gelingt.

* Dieser Artikel erschien erstmals am 16. September 2017 im Magazin.

(Das Magazin)

Erstellt: 05.09.2018, 16:20 Uhr

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