Google antwortet, bevor Sie fragen

Neue Funktionen sollen die Websuche revolutionieren – mit intelligenter Auswertung von Nutzerdaten. Manchem Nutzer ist die allwissende «Google Now»-App aber schlicht nicht geheuer.

Vernetzt: Server-Raum von Google.

Vernetzt: Server-Raum von Google. Bild: Google

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die perfekte Suchmaschine «versteht genau das, was man meint, und liefert das, was man sucht», sagt Larry Page, Mitbegründer und Firmenchef von Google. Obwohl die Suchmaschine des Konzerns aus dem Alltag der meisten Web-Benutzer nicht mehr wegzudenken ist, erfüllt sie diesen Anspruch mehr schlecht als recht. Google liefert auf jede denkbare Anfrage eine Flut von Resultaten. Die Aufgabe, die relevanten Ergebnisse herauszufiltern, fällt dem Benutzer zu – und ist oft eine ermüdende Angelegenheit.

Der «Conversational Mode» kommt Pages Vision näher. Statt den Benutzer mit einer Flut von Daten zu überfordern, wird das Informationsbedürfnis im Dialog geklärt: Der User stellt eine Frage, die Suchmaschine gibt eine gesprochene Antwort darauf. Testen kann man diese Funktion in der neuesten Version des Chrome-Browsers auf der englischsprachigen Site von google.com.Google setzt auf Spracherkennung, die inzwischen so ausgereift ist, dass das System auch Anschlussfragen problemlos versteht. Google-Managerin Johanna Wright hat dies unlängst an der Entwicklerkonferenz «Google I/O» in San Francisco demonstriert. Sie stellte erst eine Frage nach Sehenswürdigkeiten in Santa Cruz und wollte dann wissen, wie weit der Weg dorthin sei. Obwohl die Anschlussfrage den Namen der Stadt nicht mehr enthielt, erhielt sie die richtige Antwort: 74 Meilen. Auch die Frage, wie alt man sein müsse für eine Fahrt mit dem Giant Dipper, einer hölzernen Achterbahn in Santa Cruz, wurde richtig beantwortet.

Suche auf Zuruf

Bisher muss man, um über den Chrome-Browser eine Frage zu stellen oder mündlich eine Suche zu starten, auf ein Mikrofonsymbol klicken. Eine neue Funktion namens «Hotwording» soll künftig sogar den Mausklick überflüssig machen. Der Browser hört kontinuierlich auf seinen Benutzer. Damit er weiss, wann er in Aktion treten soll, leitet man die Frage einfach mit «Okay Google» ein. Ähnlich funktioniert das bei Googles futuristischer Cyberbrille namens «Glass». Der in einem Brillengestell eingebaute Miniaturcomputer reagiert auf das Kommando «Okay Glass» und projiziert Antworten über ein Glasprisma ins Gesichtsfeld des Benutzers. Über einen Knochenleitungslautsprecher im Bügel der Brille können Informationen auch akustisch abgegeben werden. Der Benutzer muss nicht einmal das Smartphone zücken, um mit Informationen beliefert zu werden. «Google Glass» ist im Moment als Vorserienmodell für Entwickler erhältlich. Die Brille soll 2014 in den Handel kommen.

Google auf dem Weg von der Suchmaschine zum Gesprächspartner mit menschlichen Zügen, der bei der Lebensbewältigung hilft? Das zumindest ist die Vision dahinter. «Google Now» ist eine App, die als persönlicher Assistent fungiert. Diese Anwendung wurde vor einem Jahr für Googles mobiles Betriebssystem Android vorgestellt – und seit einem Monat ist sie nun auch für iOS erhältlich. Die App kennt den Zeitpunkt, zu dem man normalerweise zur Arbeit aufbricht, und warnt vor erhöhtem Verkehrsaufkommen. Sie informiert über anstehende Termine und berücksichtigt dabei die Zeit, die man für die Anreise braucht. Hat man einen Flug gebucht und auf seine Gmail-Adresse eine Bestätigung erhalten, wertet Google Now sogar diese Information aus – und erinnert einen daran, wann man zum Flughafen aufbrechen sollte.

Bedenken zur Privatsphäre

Manchem Nutzer ist die allwissende «Google Now»-App schlicht nicht geheuer. Wie weit ist es da noch mit der Privatsphäre her? Die Bedenken könnten entschärft werden, wenn die App transparent machen würde, wie die Prognosen entstehen und welche Informationen dafür herangezogen werden.

Mit seiner Spracherkennung und der Fähigkeit, zwischen den benutzerbezogenen Datensätzen sinnvolle Querverbindungen herzustellen, sticht Google inzwischen Siri, das System von Konkurrent Apple, locker aus. Das liegt auch daran, dass Google dank seiner vielen Dienste genau Bescheid weiss über seine Nutzer. Zieht Google mit seiner Informationstechnologie an der Konkurrenz vorbei? Tech-Analyst Om Malik weist darauf hin, dass Google die Welt nicht nur mit Gadgets wie «Google Glass» verblüfft, sondern auch riesige Summen in seine Infrastruktur investiert. Fast eine Milliarde Dollar fliesst jedes Quartal in Server und Rechenzentren, um den riesigen Wissensschatz zu horten und innert Sekundenbruchteilen erschliessbar zu machen – wie das etwa der «Knowledge Graph» tut. Das ist der Ansatz, bei Suchanfragen nicht bloss Vorkommnisse eines Suchbegriffs zu liefern, sondern die inhaltliche Bedeutung abzustecken – wobei Vorwissen und Assoziationen miteinbezogen werden.Google-Manager Amit Singhal prognostizierte an der «Google I/O»-Konferenz bereits «das Ende der Suche, wie wir sie kennen». Google will die Antwort liefern, noch bevor wir überhaupt eine Frage gestellt haben.

Server-Raum in Council Bluffs im US-Bundesstaat Iowa, wo Google eines seiner 13 Rechenzentren betreibt. Foto: Keystone (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.06.2013, 13:47 Uhr

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Blogs

Tingler Neuer Name, neues Glück
Geldblog Neue Novartis nimmt Gestalt an

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...