Hintergrund

100-Milliarden-Konzern auf Apples Spuren

Am Anfang war ein Kindle. Dann kam der Kindle Fire. Nun lanciert Amazon offenbar eine ganze Tablet-Serie. In diesem Computersegment könnte sich eine Art Duopol entwickeln.

Verkauft sich in den USA sehr gut – in Europa ist es nicht erhältlich: Amazon-Tablet Kindle Fire.

Verkauft sich in den USA sehr gut – in Europa ist es nicht erhältlich: Amazon-Tablet Kindle Fire. Bild: AFP

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Wer für das Weihnachtsgeschäft gerüstet sein will, muss schon im Hochsommer alles beisammen haben. Das ist keine neue Businessweisheit, aber eine, welche die Mobileindustrie sich dieses Jahr besonders zu Herzen nimmt: Das Google-Tablet-Nexus 7 kommt (hierzulande) im Herbst auf den Markt, ebenso wie die Windows-Schiefertafel Surface.

Beide Tablets wurden vor kurzem offiziell angekündigt. Nicht bestätigt, aber heiss gehandelt ist zudem der Herbst-Launch des iPad Mini (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete).

Billig-Tablets gefragt

Im Fokus der IT-Beobachter – weniger der breiten Öffentlichkeit – steht derzeit jedoch ein anderer Player: Amazon. Der weltgrösste Onlineversandhändler soll Recherchen verschiedener US-Medien zufolge ein eigenes Smartphone lancieren.

In der Gerüchteküche sind auch diverse Kindle-Fire-Nachfolger. «Fünf bis sechs» neue Kindle-Fire-Modelle habe Amazon in Planung, darunter ein Modell in iPad-Grösse (rund zehn Zoll), gab unlängst Demos Parneros, Chef der mächtigen US-Handelskette Staples, Reuters zu Protokoll. Der «Wall Street Journal»-Blog All Things Digital schrieb bereits am 8. Juli über Amazons Ausbau der Tabletsparte.

Mehr iOS-Tablets verkauft

Den Kindle Fire kennt man im deutschsprachigen Raum nur vom Hörensagen. In Übersee indes hat sich der knapp 200 Dollar günstige Tablet-PC zum wichtigsten iPad-Konkurrenten entwickelt. Auf dem US-Markt ist das Amazon-Tablet laut den Marktforschern von Comscore das mit Abstand beliebteste Android-Tablet (54 Prozent Marktanteil im Segment der Tablets mit Google-Betriebssystem).

Allen Unkenrufen zum Trotz lässt Apples Dominanz indes nicht nach – im Gegenteil. Berechnungen von Strategy Analytics zufolge konnte der Apfelkonzern seit der Lancierung der dritten iPad-Generation seinen Marktanteil ausbauen. Er beträgt derzeit über 68 Prozent, Android-Tablets kommen auf 29,3 Prozent.

Es dürfte interessant zu beobachten sein, wie sich nach dem Verkaufsstart von Surface, Nexus 7 und der nächsten Kindle-Fire-Serie die Marktanteile verschieben werden. Die wichtigsten Fragen: Wie stark schwächt das Google-Tablet Nexus 7 Amazons Bestrebungen, mit Google-Software den Tabletmarkt aufzumischen (anders formuliert: Google-Hardware gegen Google-OS: Macht das Sinn?). Wie reagiert Apple auf den Aufbau eines konkurrenzierenden Hardware- und Medienuniversums durch den 100-Milliarden-Konzern Amazon?

Cnet.com: Kindle Fire 2 Ende Juli

Apple und Amazon seien «»Konkurrenten und die Rivalität wird schärfer», zitiert das «Wall Street Journal» den Marketingexperten Simon Khalaf in einem martialisch aufgemachten Artikel («Aufwärmen für den Apple-Amazon-Krieg»). Nicht ausgeschlossen, dass wir die neue iPad-Konkurrenz in den nächsten Tagen zu Gesicht bekommen: Recherchen von Cnet zufolge könnte Amazon den Kindle Fire 2 bereits Ende Juli vorstellen.

Amazon wie Samsung?

Aber eben: Apple beherrscht den Tabletmarkt nach Belieben. Fragt sich nur, wie lange noch. Denn wie ein weiterer Bericht eines Marktforschungsunternehmens zeigt, hat schon verloren, wer sich unangreifbar wähnt.

Juniper Research zufolge hat nicht Apple im vergangenen Jahr am meisten Smartphones verkauft, sondern Samsung. Die Südkoreaner sollen innerhalb von nur drei Monaten 52 Millionen Multimedia-Mobiles abgesetzt haben, Apple «nur» die Hälfte. Wer dem asiatischen Elektronikkonzern vor noch nicht allzu langer Zeit einen solchen Triumphzug vorhergesagt hätte, wäre wohl für verrückt erklärt worden.

Erstellt: 27.07.2012, 11:57 Uhr

Minimalgewinn – Analysten trotzdem zufrieden

Mit einem kleinen Gewinn von sieben Millionen Dollar hat Amazon die Erwartungen erfüllt. Die Analysten hatten die Marke für das zweite Quartal von Anfang an niedrig gesteckt. Wie das Unternehmen aus Seattle am Donnerstag mitteilte, entsprach dies einem Cent pro Aktie und gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang von rund 96 Prozent. Damals waren es 191 Millionen Dollar.

Bestseller war weiterhin das Tablet Kindle Fire. Insgesamt stieg der Umsatz um 29 Prozent auf 12,83 Milliarden Dollar und lag damit unter den von Analysten erwarteten 12,9 Milliarden Dollar. Amazon zufolge litt der Umsatz unter Währungsbewegungen.

Der Gewinn sei vor allem wegen eines Verlustes von 65 Millionen Dollar beim Kauf des Unternehmens Kiva Systems zum 1. Mai niedriger ausgefallen. Amazon zahlte 775 Millionen Dollar für die Übernahme.

Für das dritte Quartal erwartet Amazon ein Umsatzplus von 19 bis 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zugleich geht das Unternehmen von Verlusten zwischen 50 und 350 Millionen Dollar aus, die durch Investitionen in weitere 18 neue Vertragszentren verursacht würden. (dapd)

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