Porträt

27 Milliarden Dollar und Jobs von Jobs

Eike Batista ist mit einem Vermögen von 27 Milliarden Dollar viermal so reich wie Steve Jobs. Sein Ziel: Apple nach Südamerika zu locken. Die spektakuläre Aktion ist ihm 1,8 Milliarden Dollar wert.

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Sein Vorname Eike ist so deutsch wie Helmut oder Horst. Und dennoch ist der freundliche Brasilianer mit deutscher Mutter ausserhalb der Finanzbranche auf dem alten Kontinent ein Unbekannter. Dabei ist Eike Batista laut «Forbes» derzeit achtreichster Mann der Welt und finanzstärkster Firmenchef Brasiliens: 27 Milliarden Dollar besitzt der einstige Zeitungsverkäufer, mehr als viermal so viel wie Apple-Chef Steve Jobs.

Seit kurzem verbindet die beiden Unternehmer mehr als Reichtum. Batista will den IT-Giganten Apple nach Brasilien locken. 1,8 Milliarden hat «Brasiliens spektakulärster Unternehmer» («Handelsblatt») in die Hand genommen, um Steve Jobs davon zu überzeugen, in Port of Acu produzieren zu lassen.

iPhone-Hersteller Apple und Foxconns Negativimage

Bislang setzt der IT-Konzern noch auf Foxconn, ein chinesisches Unternehmen, welches 1974 vom Taiwanesen Terry Gou gegründet wurde und heute zu einem der weltgrössten Elektronik- und Computerhardwarehersteller weltweit zählt. Foxconn gilt als zuverlässiger Hersteller, dem jedoch seit Jahren aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen ein trauriges Image anhaftet. Dieses Jahr wurde der Konzern durch eine Serie von Selbstmorden erschüttert.

Foxconn, stellte im Oktober die Wirtschaftszeitung «China Business News» fest, beutet seine Arbeitskräfte gnadenlos aus. Demnach leisten die Arbeiter in den chinesischen Fabriken mehr als 83 Überstunden im Monat. Mit der Verlagerung der Produktion von China nach Brasilien, so Batistas Kalkül, müsste sich Apple nicht mehr solcher Vorwürfe erwehren.

Von 3000 auf 50'000 Arbeiter

Port of Acu ist ein« Superhafen» im Süden Brasiliens. Dereinst sollen dort laut Faz.net 60 Millionen Tonnen Eisenerz, 46,4 Millionen Kubikmeter Erdöl, 10,2 Millionen Tonnen Eisen- und Stahlerzeugnisse und 12,6 Millionen Tonnen Kohle verarbeitet werden – jährlich. 3000 Arbeitskräfte sind derzeit dort angestellt, kann Batista seine Vision verwirklichen, werden es 50'000 sein.

Dass Batista seine Ziele erreicht, daran zweifelt in Brasilien niemand. Denn seine Leistungsbilanz ist einzigartig. Erst 2009 gründete Batista OGX, Brasiliens einzigem privaten Öl- und Gaskonzern, welchem es bislang gelungen ist, dem Staatskonzern Petrobras wichtige Ölreserven wegzuschnappen. OGX ist Teil der EBX-Holding (siehe Diashow), die er Schritt für Schritt aufbaute, nachdem er mit 23 Jahren sein Ingenieurstudium abgebrochen hatte und zwischenzeitlich aus Geldmangel Zeitungen verkaufte und danach über den Diamantenhandel in den Bergbau einstieg.

Warum Brasilien top ist

«Brasilien hat bei Rohstoffen einen unterschätzten Vorteil», gab er 2009 dem «Handelsblatt» zu Protokoll. «Wir können sie selber finden, abbauen und verarbeiten. Brasilien forscht selbst, bildet selbst aus in den Bereichen Agrar, Öl, Strom, Bergbau und Stahl – den grossen Staatskonzernen sei Dank. Wir müssen das Fachwissen und Personal nicht teuer im Ausland einkaufen wie die meisten anderen Rohstoffländer weltweit.»

Die brasilianische Wirtschafts- und Finanzelite hat er mit solchen Argumenten längst für sich gewonnen. Ob dies auch bei Steve Jobs gelingt? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.11.2010, 15:42 Uhr

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