Ab in die Wolke

Dass Microsoft seiner Bürosoftware Office auf Apples iPad ein Zuhause gibt, zeigt wo das Unternehmen künftig hinwill – in die Cloud.

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Der Schritt dauerte lange, aber Microsoft macht nun seine Bürosoftware mobiler. Die Textverarbeitung Word, die Tabellensoftware Excel und das Präsentationsprogramm Powerpoint sind neu für Apples iPad verfügbar. Microsoft-Chef Satya Nadella stellte gestern die neuen Apps in San Francisco vor. Bislang mussten Office-Nutzer auf dem mobilen Apple-Gerät auf Ersatzsoftware ausweichen, entweder auf Drittanbieter wie Cloudon oder auf Apples hauseigene Bürosoftware iWork.

Während die drei Apps als kostenlose Downloads verfügbar sind, bringen sie unmittelbar nur einen begrenzten Funktionsumfang mit. Dokumente können damit nur gelesen, nicht aber erstellt oder bearbeitet werden. Wer Office in der gewohnten Weise nutzen möchte, benötigt ein Abo bei Microsofts Clouddienst Office 365, das für Privatanwender (in der Version Home Premium) mit rund 120 Franken pro Jahr zu Buche schlägt. Dieses Paket beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Nutzung der iApps, sondern enthält auch den Office-Gebrauch auf anderen Geräten und 20 Gigabyte Onlinespeicher.

Drucken unerwünscht

Zur Dokumentenverwaltung setzen die Apps auf Microsofts eigenen Speicherdienst Onedrive, um dort Dateien zu speichern und zu teilen. Die Apps haben eine gelungene auf Touch optimierte Bedienung, was der Nutzung mit den Fingern entgegenkommt. Wer seine am Tablet bearbeiteten Dokumente allerdings ausdrucken will, sucht vergeblich nach einer entsprechenden Option. Zum Ausdrucken müssen Nutzer auf einen Laptop oder Desktoprechner ausweichen.

Dass Microsoft den Weg auf die Flaggschiffgeräte von Apple selbst als wichtigen Schritt sieht, wurde unterstrichen durch den persönlichen Auftritt von CEO Satya Nadella, der als Nachfolger von Steve Balmer noch nicht ganz zwei Monate im Amt ist. Dieser gab einen Einblick in Microsofts Strategie und malte seine Prognose der Zukunft von Hard- und Software aus, nämlich eine, in der mobile Geräte und Clouddienste die erste Geige spielen. Die heutigen Gerätetypen würden in den kommenden Jahren immer schneller durch neue ersetzt, dank neuen Gerätekategorien würden künftig Computer in weiteren Lebensbereichen Einzug halten. Hier bekennt sich Microsoft klar zur Post-PC-Ära, denn auf diesen neue Geräten wolle Microsoft unabhängig von ihrer «Form» präsent sein, sagte Nadella. Dazu passt der Schritt auf Apples iPad.

Office als Modellfall

Diese Analyse teilt auch Windows-Experte Paul Thurott, der Office 365 als Modell für Microsoft insgesamt sieht, das sich zunehmend zu einem Cloud-Dienstleister entwickle. Microsoft hatte das Abonnement seiner Bürosoftware Anfang des vergangenen Jahres vorgestellt und setzt offensichtlich viele Hoffnungen auf das Produkt. Das ist kein Zufall, so verfügt Microsoft bei seiner Bürosoftware über einen grossen Kundenstamm, «der sich auf Geschäfts- ebenso wie auf Privatkunden erstreckt, die beide auf die Software angewiesen sind und sie mögen».

Office war und bleibt damit ein idealer Botschafter für Microsofts übrige Dienste und ein Mittel, bei vielen Nutzern präsent zu sein. Bislang hat Microsoft zwar nur einen kleinen Teil seines Kundenstamms auf das Office-Abo umgesiedelt. Die Entscheidung, die Office-Apps an dieses zu koppeln, spricht aber eine klare Sprache. Microsoft möchte künftig weniger Softwarepakete, sondern vielmehr Zugang zu Diensten verkaufen, und das unabhängig vom Gerät. So dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Office auch auf Android-Tablets eine aufgebohrte Version erhält, die mit der neuen iPad-Version mithalten kann.

Erstellt: 28.03.2014, 12:53 Uhr

Produktvideo von Microsoft

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